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«PNOS – eindeutig rechtsextreme Ziele»
Emmental/Entlebuch: Vergangene Woche traf sich die Partei national orientierter Schweizer (PNOS) zum Parteitag in Walkringen. Was sind die wahren Ziele dieser Gruppierung? Die «Wochen-Zeitung» sprach mit Hans Stutz, der sich seit Jahren mit dem zeitgenössischen Rechtsextremismus beschäftigt.
Wochen-Zeitung: Herr Stutz, am 9. August traf sich die Partei national orientierter Schweizer, kurz PNOS, in Walkringen zum Parteitag. Die PNOS-Aktivisten bezeichnen sich als moderne Nationalisten. Welches sind die wahren Ziele der PNOS?

Hans Stutz:
Es sind eindeutig rechtsextreme Ziele. Es gibt mehrere Programmpunkte, die sich an das Programm der NSDAP (Partei Hitlers) anlehnen. Beispielsweise taucht der Begriff Kulturfremde in den Texten der Partei auf. Die PNOS meint damit Juden und Menschen aussereuropäischer Herkunft.



Wer gehört der Gruppierung an?

Die Mitglieder stehen weitgehend der Skinhead-Bewegung nahe oder sind noch Teil davon. Der Grossteil ist männlich und stammt aus ländlichen oder kleinstädtischen Gebieten. In Walkringen war vielleicht gegen einen Viertel der Anwesenden weiblich. Auch in kleineren Städten, wie beispielsweise in Burgdorf, hat die rechte Szene ihre Anhänger, die beruflich oft grobe Handwerke ausüben und meist unter 30 Jahre alt sind.



Dann wurde ein Dorf wie Walkringen nicht überraschend ausgewählt.

Absolut nicht. Ebenfalls üblich ist, dass der Besammlungs- und Versammlungsort nicht identisch sind. Dass man also einen Bahnhof oder eine Autobahnraststätte als Treffpunkt bezeichnet, von wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann an den eigentlichen Ort der Verstaltung weiter gewiesen werden.



Die Fahne der PNOS zeigt ein weisses Kreuz auf rotem Grund, welches bis zum Rand verläuft. In der Mitte ist ein Morgenstern zu sehen. Was bedeutet dieses Wappen?

Die Fahne zeigt das alte langschenklige Schweizer Kreuz, welches zur Zeit der Alten Eidgenossenschaft, also vor der Französischen Revolution, verwendet wurde. Das zeigt den zentralen politischen Willen. Die Rechtsextremisten lehnen die Ideale «Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit» ab. Vor allem die Gleichheit der Menschen anerkennen sie nicht. Der Morgenstern als Waffe der alten Eidgenossen unterstreicht diese Aussage.



Wie viele Mitglieder zählt die PNOS?

Die PNOS behauptet, sie hätte eine Anzahl Mitglieder im dreistelligen Bereich. Ich bezweifle, dass es überhaupt 100 sind. Wenn sie wirklich über 100 Mitglieder hätte, so wäre sie allerdings die grösste rechtsextreme Organisation in der Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Patriotische Front hatte einst rund 70 Mitglieder.



Zum Kreise der PNOS wird auch der Holocaustleugner Bernhard Schaub gezählt. Was ist seine Rolle?

Ich denke, Schaub ist zur Zeit die ideologische, führende Figur der gesamten rechtsextremen Bewegung der Schweiz. Offiziell ist er nicht meht in der PNOS, sondern leitet die NAPO (Nationale ausserparlamentarische Organisation). Eine Organisation, die erstmals im vergangenen Winter in Erscheinung trat.



Wie arbeiten die PNOS und die NAPO zusammen?

Auf der einen Seite gibt es die «brave» Partei (PNOS), die an der institutionellen Politik wie beispielsweise an Wahlen teilnimmt. Auf der anderen Seite steht die Bewegung (NAPO), die Aktionen wie Demonstrationen und Flugblatt-Kampagnen organisiert, wie dies die NAPO in ihren Leitsätzen umschreibt.



Wie stark ist die rechtsextreme Szene im Emmental und Entlebuch?

Ich weiss, dass es unter anderem Flugblattaktionen gab. Sicher ist, dass die rechte Szene in diesem Gebiet durchaus Anhänger hat. Wie viele Leute es genau sind, kann ich nicht sagen.



Warum arbeitet die rechte Szene meist im Untergrund?

Rechtsextreme Gruppen haben ein Problem: Sie finden kaum fähige Leute, die in der Öffentlichkeit auftreten wollen. Diejengen, die sich trauen, halten dem Druck meist nur kurz Stand. Aus diesem Grund läuft vieles hinter gezogenem Vorhang ab. Auch die Presse ist meist nicht erwünscht. Aber die Personen, die dort mitmachen, wissen was sie tun; sie sind nicht Verführte – wie sie das gelegentlich weismachen wollen – sondern Überzeugungstäter.



Beim Parteitreffen am 9. August hat die Antifa (Anti-Faschisten) die PNOS-Mitglieder aktiv bekämpf
21.08.2003 :: Interview: Bruno Zürcher
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