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«Wenn alles gut geht und ein Bild entsteht, ist es ein Geschenk»
«Wenn alles gut geht und ein Bild entsteht, ist es ein Geschenk» Trubschachen: Paul Freiburghaus ist einer von 15 Künstlern, dessen Werk in Trubschachen zu sehen sein wird. Für den Kunstmaler aus Oberdiessbach bedeutet das Malen ein Abenteuer.
Paul Freiburghaus wollte Künstler werden und wurde Lehrer. Von 1960 bis 1994 wirkte er als Zeichnungslehrer am Seminar Thun. Er wurde Vater von vier Kindern und wohnt seit 1961 auf der Haube in Oberdiessbach. Trotz dem vollen Pensum fand er Zeit und Kraft für das Malen. Auf die Frage, wann er dann jeweils für sich gearbeitet habe, antwortet er trocken: «In jeder freien Minute.»

Der Romantiker
Paul Freiburghaus ist bekannt für seine stillen Landschaften und leuchtenden Blumengärten. Die Bäume scheinen von Naturgeistern bewohnt, die wilden Gärten haben etwas Paradiesisches. Alles ist durchdrungen von einer unsichtbaren Kraft, die alles zusammenhält.

Die «Schlossgärtnerei» (Bild), eines der ausgestellten Gemälde in Trubschachen, ist ein solch romantisches Bild. Es ist Abend. Der Garten, der Schuppen und die Landschaft sind eingetaucht in tiefes Blau. Etwas Königliches liegt in der Luft. Der Künstler schmunzelt. «Das Burgund ist nicht mehr weit», witzelt er und preist die Gegend um den Mont Vully.

Die vier Gelben
Der Raum im alten Dorfschulhaus zeigt alles Bilder, die nach dem Jahr 2000 entstanden sind. Das Spätwerk ist abstrakter. Oft besteht ein Bild «nur» aus einer einzigen Farbe. Eine besondere Vorliebe hegt Paul Freiburghaus für Gelb. In der Farbensymbolik ist Gelb die Farbe des Geists (Blitz), welche die Denkfähigkeit fördert. In Trubschachen hängen vier gelbe Farbkompositionen. Das goldene Sonnenlicht, rar und kostbar, ist hier auf der Leinwand verewigt.

Der Menschenfreund
Paul Freiburghaus lässt seinem Gegenüber viel Raum. In der Monografie, die über ihn herauskam, listet er am Ende alle Menschen auf, zu denen er «einen guten Draht» hatte. Ein Name in Grossbuchstaben sticht dabei heraus: Fritz Pauli, der gros­se Schweizer Graphiker, bekannt für seine expressiven Radierungen. Mit ihm verband Freiburghaus eine innige Freundschaft und Seelenverwandtschaft. Nach dessen Tod brachte er das gesamte graphische Werk heraus, eine Arbeit, die zwölf Jahre in Anspruch nahm.

Der Maler
Freiburghaus verliert nicht gerne Worte über seine Kunst. Er wehrt ab, als die Journalistin ihn mit Cuno Amiet in Verbindung bringt. «Im Vergleich zu ihm bin ich ein kleines Malerlein», sagt er, um sogleich zu betonen, dass Amiet nicht sein Vorbild gewesen sei. «Mein künstlerischer Weg führte von Fred Stauffer, meinem ersten Lehrer, über Paris zu Vorbildern, die ich dort fand.»

Im Katalog der Ausstellung erklärt Paul Freiburghaus, dass der Anstoss für ein Bild immer aus einem Erlebnis in der Natur komme. Und über das Malen sagt er: «Das Malen selbst ist für mich ein Abenteuer. Man hat eine Idee und weiss doch nie, wohin man geführt wird. Wenn alles gut geht und ein Bild entsteht, ist es ein Geschenk.»

Einblicke, Ausblicke
Mit berühmten Bildern wie «Apfelernte» und «die gelben Mädchen» bildet Cuno Amiet dieses Jahr den Hauptanziehungspunkt der Kunstausstellung Trubschachen. Giovanni Segantini ist unter anderem mit dem Bild «Rückkehr zum Schafstall» vertreten. Augusto Giacometti setzt den Reigen berühmter Maler fort. Ihm folgen weniger bekannte, aber nicht minder sehenswerte Künstler: Otto Morach, Jakob Weder, Jean-Bloë Niestlé, Hans Brühlmann, Karl Uelliger. Hugo Wetli setzt den Schlusspunkt. In der Aula stellt Urs-P. Twellmann seine Miniaturen aus, während draussen im Dorf seine grossen Holzskulpturen zu sehen sind. Im alten Dorfschulhaus sind neben Paul Freiburghaus (*1932) vier andere lebende Künstler ausgestellt: Bendicht Fivian (*1940), Jakob Jenzer (*1953), Julia Steiner (*1982) und Martin Ziegelmüller (*1935).

19. Kunstausstellung Trubschachen, 29. Juni bis 21. Juli, 10 bis 21 Uhr. www.kunstausstellung-trubschachen.ch
27.06.2013 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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