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Das Skispringen ist ein Ganzjahressport geworden
Marbach: Die Sprungschanze Schratte in Marbach soll für den Sommerbetrieb aufgerüstet werden. «Dies ist ein absolutes Muss, wenn wir an unsere früheren Erfolge anknüpfen wollen», sagt der mehrfache Schweizermeister Karl Lustenberger.
Bezüglich nordischem Skisport blicken die Marbacher auf gute Zeiten zurück. Sepp Haas, Fredy Glanzmann und Karl Lustenberger sorgten für nationale und internationale Erfolge. An diese Erfolge möchte Marbach mit talentierten Nachwuchssportlern aus der Region anknüpfen. Damit dieser Wunsch Realität werden kann, müssen die Skispringer aber das ganze Jahr hindurch trainieren können. «Zwei Drittel der Sprünge werden im Sommer absolviert, Skispringen ist zu einem Ganzjahressport geworden», sagt Karl Lustenberger. Wer nur im Winter springen könne, habe niemals die Chance, wirklich gut zu werden. Er selber gewann mehrmals den Schweizermeistertitel und wurde 1979 Holmenkollen-Sieger in der Nordischen Kombination. Heute ist Lustenberger Präsident der Genossenschaft Sprungschanze Schratte Marbach.



Zu grosse Distanzen zum Training

Für den Nachwuchs des nordischen Skisports bietet Marbach einen fruchtbaren Boden. Bereits 1989 baute die Genossenschaft eine 30-Meter- und eine 50-Meter-Sprungschanze. Mit Ausnahme des Winters 2000/2001 konnte jedes Jahr von Ende November bis Anfang März trainiert werden – dank der Flutlichtanlage auch bei Nacht. Der kleine Schlepplift entlang der Aufsprungbahn ermöglicht den Sportlern, innert kurzer Zeit viele Sprünge zu absolvieren.

Der Nachwuchs des ganzen Zentralschweizer Skiverbandes trainiert in Marbach die nordischen Disziplinen. Wer aber auch im Sommer auf einer 50-Meter-Schanze trainieren will, muss nach Kandersteg, Wildhaus oder nach Einsiedeln fahren. «Dies macht das Skispringen für viele unattraktiv, und es ist auch nicht effizient, wenn die Athleten so grosse Distanzen zum Training zurücklegen müssen», sagt Lustenberger. Das Ausbauprojekt in Marbach geniesst denn auch bei Swiss Ski höchste Priorität.



«Gymnasium Plus» als Kunde

In der Schweiz bestehe grundsätzlich ein Mangel an Sommerschanzen dieser Grössen, erläutert Karl Lustenberger. Ein Grund, dass eine solche ausgerechnet in Marbach und zudem baldmöglichst realisiert werden solle, sei das «Gymnasium Plus» in Schüpfheim, das auch von nordischen Sportlern besucht werde. «Gymnasium Plus» ist eine Schule für Sport und den musischen Bereich aus der Region Zentralschweiz. Die nordischen Sportler könnten von dieser Institution viel mehr profitieren, wenn sie das ganze Jahr über geeignete Trainingsmöglichkeiten in der Nähe vorfinden würden, so Lustenberger.



Kunststoffmatten auf Betonplatte

Vorgesehen ist, die 1989 erbaute Sprungschanze mit Kunststoffmatten zu belegen. Das Fundament der 100 Meter langen und vier bis zehn Meter breiten Aufsprungbahn besteht aus einer acht Zentimeter dicken Betonschicht. Darüber werden Kunststoffmatten gelegt. Mit Wasser berieselt, bieten diese optimale Gleitfähigkeit. Aus sportlicher Sicht bestehe kaum ein Unterschied zum Schnee, sagt der ehemalige Skispringer und Nationaltrainer Lustenberger. Die vorhandene Keramikspur im Anlauf soll durch eine Chromstahlspur ersetzt werden.



Was es noch braucht, ist Geld

Gut 200`000 Franken soll der Ausbau der Sommerschanze kosten. Einen Sport-Toto-Beitrag von 20`000 Franken hat die Genossenschaft auf sicher, ebenso 36`000 Franken von Swiss Ski. Die restlichen 150`000 Franken sollen durch Firmen, Vereine und Private zusammenkommen. Die Aufsprungbahn wird 750 Quadratmeter gross. «Wir beabsichtigen, jeden Quadratmeter zu einem Preis von 200 Franken zu ‹verkaufen›. Die Besitzer dieser Sprungschanzen-Quadratmeter werden dann bei der Anlage namentlich aufgelistet», erklärt der Genossenschaftspräsident das Finanzierungskonzept. Bis heute seien bereits Zusagen für über 100`000 Franken eingegangen. Er sei zuversichtlich, dass auch der Rest des Geldes in Kürze zusammen komme. «Wir möchten im Mai 2004 mit dem Bau beginnen und Anfang August bereits auf der neuen Schanze springen», gibt Lustenberger den Zeitplan bekannt. «Jedoch reichen wir das Baugesuch erst ein, wenn die Finanzierung gesichert ist. Wir wollen und können uns keine Abenteuer leisten».
31.12.2003 :: Jakob Hofstetter
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