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Ein 17-facher Schweizermeister und Olympiateilnehmer tritt ab
Ski nordisch: Der Marbacher Wilhelm Aschwanden hat diesen Winter mit einem letzten Highlight seine Karriere als Langläufer beendet. Er wurde in Pontresina Schweizer Meister über die 50 Kilometer. Nun geniesst er zusammen mit seiner Freundin das Leben ohne Leistungsstress.
Wilhelm Aschwanden – genannt «Häumu» – entspricht nicht dem Klischee des verbissenen, leicht mürrischen Ausdauersportlers. Gesprächig und locker erzählt er von seiner Karriere, seinem Sport, seinem Leben. Dass es ihm nie bis in die absolute Weltspitze reichte, hat keine Verbitterung hinterlassen. Zum positiv gefärbten Rückblick beigetragen hat der «perfekte Abschluss» seiner Karriere: An den Schweizer Meisterschaften diesen März in Pontresina gewann er den Titel in der Königsdisziplin der Langläufer, den 50 Kilometern. Dazu kam ein weiterer Staffeltitel mit dem SC Marbach. «Klar verlief meine Karriere nicht so, wie ich es früher einmal gehofft habe, aber jetzt bin ich zufrieden.»



Viermal Schweizermeister

Der 34-Jährige hat in der Tat einiges erreicht. Als Junior war er WM-Fünfter, mit der Marbacher Staffel wurde er 13 mal Schweizer Meister (1991-2001, 2003, 2004). Zudem holte er im Einzel holte er vier Titel (1997, zweimal 1999, 2004). Seine besten Jahre hatte Aschwanden Ende der Neunziger Jahre, als er sich für die Olympiade in Nagano zu qualifizieren vermochte und im darauf folgenden Winter in der Weltrangliste unter die besten 50 Langläufer der Welt vorrückte. Die soeben zu Ende gegangene Saison verlief trotz gutem Start harzig, weil ihn mehrmals hartnäckige Grippeinfekte und je länger desto mehr das Asthma plagten. Deshalb entschloss er sich im Januar vom Spitzensport zurückzutreten.

Obwohl man in der Schweiz vom Langlaufen nicht leben kann, hat Aschwanden die letzten fünf Jahre wie ein Profisportler trainiert. Möglich gemacht hat dies seine Anstellung als Hallenwart beim Bundesamt für Sport in Magglingen, wo er nun auch nach seiner Karriere weiterhin arbeiten kann. Früher hat er nur dank der Unterstützung aus seinem privaten Umfeld professionell Sport treiben können. «Ich möchte mich einmal bei allen ‹stillen› Spendern und Sponsoren bedanken», sagt er.



Schaumpartys zur Unterstützung

Noch in bester Erinnerung sind Wilhelm Aschwanden die Marbacher Schaumpartys, deren Profit damals den Langläufern zugute kam. Überhaupt sei man in seiner Heimatgemeinde als Profi-Langläufer nie ausgelacht worden, erzählt Aschwanden. Die gute Verwurzelung seines Sports in der Bevölkerung hat er sehr geschätzt.

Aschwanden ist mit drei Schwestern und einem Bruder aufgewachsen. Nach der Schule arbeitete er als Waldarbeiter im elterlichen Betrieb. Sein Talent als Langläufer blieb nicht lange verborgen: das erste Rennen, einen Ovo-Cup, gewann er gleich. Um aber in der Weltspitze mithalten zu können, war noch viel Schinderei nötig. «Das Aufbautraining beginnt im Mai», berichtet «Häumu», auf dem Bike oder dem Rennvelo, auf Rollski oder zu Fuss, manchmal im Kanu oder auf den Skis im hohen Norden.



Die Landschaft geniessen

Als langweilig empfand Aschwanden das Training aber nicht, immerhin sei man dabei draussen und könne die verschiedenen Landschaften geniessen. Leistungsfördernd ausgewirkt habe sich immer, wenn viele Schweizer Weltcup-Niveau hatten. Negative Konkurrenz hat er kaum erlebt. «Das Verhältnis zu den anderen Läufern, egal aus welcher Nation, war immer ein kollegiales», erinnert er sich. Was sagt Aschwanden zum Thema Doping, im Langlauf zum Beispiel an der letzten Olympiade wieder in den Schlagzeilen? «Man hat jeweils ziemlich gut gesehen, wer etwas genommen hat», sagt er. Die Leistungssprünge einiger Läufer seien aufgefallen. Für ihn sei das Risiko von Doping viel zu hoch gewesen, abgesehen davon, dass er sowieso eher aufgehört hätte, als nach verbotenen Substanzen zu greifen. «Ich habe das Leben viel zu gern, andere sterben mit 35 an den Doping-Folgen.» Weh getan habe es aber trotzdem, wegen Dopingsündern im Rennen chancenlos zu sein. «Auch wenns nur ein paar Sekunden ausmacht: Im Weltcup entscheiden zwei Minuten, ob du erster oder letzter wirst.»



Optimistisch und entspannt

Für die Zukunft des Langlaufs in der Schweiz ist Wilhelm Aschwanden optimistisch. Im Moment hat die Schweiz wieder fünf<
15.04.2004 :: Manfred Joss
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