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Sperrstellen von nationaler Bedeutung
Flühli/Sörenberg: Mit der Armeereform ‘95 sind in der Schweiz rund 13`500 Objekte der militärischen Kampf- und Führungsinfrastruktur «ausgemustert» worden. Diese werden nach Möglichkeit verkauft oder abgebrochen. Gleichzeitig ist man bestrebt einen Teil davon aus historischen, kulturellen oder ökologischen Gründen der Nachwelt zu erhalten. In Flühli-Sörenberg finden sich Sperrstellen aus dem 2. Weltkrieg, denen die Experten nationale Bedeutung beimessen.
Die Arbeitsgruppe «Natur- und Denkmalschutz bei militärischen Kampf- und Führungsbauten» (ADAB), der auch Vertreter verschiedener ziviler Bundesstellen angehören, erarbeitet im Auftrag des VBS seit einigen Jahren ein Inventar der militärisch nicht mehr benötigten Infrastrukturen, die aber aus geschichtlichen, kulturellen oder ökologischen Gründen der Nachwelt erhalten bleiben sollen. In den Kantonen Tessin, Neuenburg, Jura, Schaffhausen, Thurgau, Zug, Luzern, Ob- und Nidwalden ist die Inventarisierung bereits abgeschlossen.

Dass Bunker, Panzersperren und Festungen schutzwürdig sein können, leuchtet nicht allen Zeitgenossen ein. Was für mittelalterliche Wehranlagen selbstverständlich ist, stösst nicht selten auf Ablehnung, wenn es sich um Objekte aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg handelt. Berücksichtigt man jedoch deren grosse geschichtliche Bedeutung, so wird klar, dass man sie nicht gedankenlos verschwinden lassen kann. Neben den kulturellen Aspekten werden auch ökologische Argumente ins Feld geführt. Vor allem die Geländepanzerhindernisse in Form einer «Toblerone» bilden wertvolle Nischen für die Tier- und Pflanzenwelt.

Hindernisse von Bedeutung

In der Gemeinde Flühli besteht eines der eindrücklichsten und noch weitgehend intakten Geländepanzerhindernisse der ganzen Zentralschweiz. Auch nachdem 1998 die Transitgasleitung die Sperre queren musste, ist das Werk in seiner Grundsubstanz unverändert geblieben. Es ist im untern Teil – an der Kantonsstrasse – dreiteilig gebaut, was landesweit beinahe einzigartig ist. Aus diesem Grunde wird ihm nationale Bedeutung zugesprochen.

Eine Verteidigungstellung mit 16 Objekten verläuft über die Kammlinie der Schrattenfluh vom Heidenloch bis zum Schibegütsch und zieht sich von dort zur Alp Hirswängiberg hinunter. Im angrenzenden bernischen Bumbachtal findet die Stellung ihre Fortsetzung mit weiteren 18 Anlagen. Erbaut wurden diese seinerzeit von der 8. Division, und aufgrund der für diese Einheit typischen Kavernenbauten wurde die Sperrstelle ebenfalls zum Objekt von nationaler Bedeutung erklärt. Die Anlagen sind möglichst einfach und billig (ohne Beton) errichtet worden, und in einigen Fällen hat das Militär die vorhandenen Karsthöhlen im Schrattenkalk zu Unterständen, ja sogar zu Waffenständen umfunktioniert. Einige Beobachtungsposten hoch oben im Fels sind eigentliche «Adlerhorststellungen».

Touristisch nutzen?

Flühli-Sörenberg bekundet Interesse, die Festungsanlage bei der Hirseggbrücke als eine Art Museum touristisch zu nutzen. Es sind hier noch alle Einrichtungen wie Waffen und so weiter vorhanden. Die verkehrstechnisch leichter zugängliche Festung Felskopf bei Oberflühli ist ausgeräumt und daher nicht mehr so interessant und aufschlussreich. Natürlich ist auch damit zu rechnen, dass die «Geländepanzersperre von nationaler Bedeutung», welche von Kurzenhütten über Hochwald und Bunihus zum Kragenberg führt, erhalten bleibt.
26.07.2001 :: Walter Küng
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