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Beziehungsspaltereien

Wie in der letzten Kolumne versprochen, komme ich heute auf das Thema Tanzkurs und weitere paargefährdende Freizeitangebote zurück.

Bezüglich Tanzkurs muss ich unbedingt vorausschicken, dass ich mich als begnadeten und äusserst eleganten Kreativtänzer bezeichne (was meine Frau gnadenlos als Umschreibung für Tanzstümper mit zwei linken Füs-
sen abtut). Diese Ignoranz meinen Künsten gegenüber rührt von meiner, ich geb’s ungern zu, ausgeprägten Führungsschwäche her. Ich könnte umgekehrt ja auch die mangelnde Anpassungsfähigkeit meiner Frau ins Feld, pardon, auf das Tanzparkett führen. Eine unumstössliche Tatsache ist und bleibt nämlich, dass es meine Partnerin einfach nicht schafft, bei meinen intuitiv gestalteten und höchst vollendeten Pirouetten, Seit-, Vor-, Rück-, Tief- und Hochschritten, geschweige denn bei meinen spektakulär eingestreuten Rittbergern und Doppelaxel, mitzuhalten.

Um chronischen, tanzbedingten Krisen vorzubeugen, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: 1. konsequenter Verzicht auf jegliche Tanzerei oder 2. der Besuch eines Tanzkurses. Wir haben uns fahrlässigerweise für Variante zwei entschieden, ich heimlich hoffend, dass die Lehrer ihr die bemängelte Anpassungsfähigkeit vermitteln. Aber man fiel mir grausam in den Rücken und gab ihr Abend für Abend zu 100 Prozent recht!

War ich jeweils sicher, richtig gezählt und mit dem korrekten Fuss begonnen zu haben, funkelten mich die Augen meiner angetrauten Gegenüberin bereits zornig an, bloss weil ich schon nach dem ersten Schritt auf ihren Zehen parkierte. Daraufhin folgten jeweils heftige Diskussionen, welche rund einen Drittel der Kurszeit beanspruchten und durch die Tanzlehrer nur mit allergrösstem diplomatischem Geschick beendet werden konnten. 

Eigentlich sollten Tanzschulen nur dann eine Betriebsbewilligung erhalten, wenn die Anwesenheit von Blauhelmtruppen garantiert wird und sich die Lehrer im Tanznebenamt als qualifizierte Scheidungsanwältinnen und Friedensrichter ausweisen können.

Inzwischen haben wir zu Variante 1 (Tanzverzicht) gewechselt.

Ersatzweise versuchten wir’s mit einem Segelkurs. Ich verstehe allerdings nicht, weshalb der Segellehrer nach rund 30 Minuten, scheinbar völlig entnervt, mitten auf dem See eine Badeleiter an die Reling hängte und uns mit den doch recht unfreundlichen Worten «zu den Haien mit Euch» zum sofortigen Bade aufforderte. Dabei hatte ich mit meiner Frau doch bloss ein bisschen darüber diskutiert, wie man fachmännisch einen Knoten in eine Schnur macht…

Beim besagten Bad im See wurden wir übrigens einsichtig. Inzwischen besuchen wir nämlich einen Tauchkurs und – ob Sie’s glauben oder nicht – wir sind unter Wasser noch kein einziges Mal laut geworden! 



27.04.2017 :: Peter Leu Biglen
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