Anmelden
Dank der Bauarbeiten wird sich das Hochmoor ausbreiten können
Dank der Bauarbeiten wird sich das Hochmoor ausbreiten können Wachseldorn:

Die Bauarbeiten im Wachseldornmoos stehen kurz vor dem Abschluss. Das Hochmoor – eines der letzten in dieser Gegend – kann sich nun erholen und wieder wachsen.

Es ist eine idyllische Landschaft, das Moor zwischen Heimenschwand und Wachseldorn. Seit ein paar Wochen wird dieses friedliche Bild aber empfindlich gestört, wühlen und knattern doch Baumaschinen in diesem Naturschutzgebiet. Stück für Stück entfernt ein Bagger den befestigten Weg, der mitten durchs Moor führte, und füllt den entstandenen Graben mit Torf auf. Zudem wurden an fünf Stellen quer zum Weg Spundwände ins Erdreich gedrückt und Dämme aufgeschüttet. Dass derart grob in diesen sensiblen Lebensraum eingegriffen wird, hat seinen guten Grund: Das Wachseldornmoos soll mit diesen Massnahmen aufgewertet werden. «Bereits in einem Jahr wird alles überwachsen sein, dann sieht man nichts mehr von den Bauarbeiten», versichert Projektleiter Thomas Leu. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Naturförderung des kantonalen Amtes für Landwirtschaft und Natur.

Das Hochmoor soll wachsen können

Nicht alle Leute haben Freude daran, dass der beliebte Spazierweg mitten durchs Moor weichen muss. Dies ist Thomas Leu bekannt. Er macht aber darauf aufmerksam, dass in einer ersten Bauetappe als Ersatz ein neuer Weg am nördlichen Rand des Schutzgebietes erstellt worden ist. «Vor allem darf man nicht vergessen, dass es sich hier um eines der letzten Hochmoore in dieser Gegend handelt»,  gibt er zu bedenken (siehe Artikel rechts). Der Weg habe dessen Wachstum verhindert, indem er das Gebiet in zwei Hälften geteilt habe: ein Hochmoor und ein Flachmoor. Wenn ein Hochmoor wachsen solle, dann brauche es Platz. Indem die beiden Teile nun verbunden würden, werde ein Ausbreiten möglich. Das allein reicht aber noch nicht aus. Mit den angelegten Dämmen werde das Regenwasser zurückgehalten, das Moor vernässe permanent und könne dadurch wieder Torf bilden, erklärt Thomas Leu. Wichtig sei weiter, das Eindringen eines Grundwasser-Aufstosses aus dem etwas höher gelegenen Flachmoor zu unterbinden. Bisher habe der Weg dies bewirkt, sagt der Projektleiter, früher der aufragende, gewölbte Torfkörper. Nun werde eine seichte Randrinne erstellt und das Wasser in den Stauweiher geleitet. Grundwasser ist für ein Hochmoor zu nährstoffreich. «Es wirkt wie Dünger und könnte die hochmoortypische Vegetation gefährden.» 

Den Lebensraum verbessern

Thomas Leu ist überzeugt, dass mit den nun getroffenen Massnahmen der Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten beziehungsweise aufgewertet werden kann. Beispielsweise der Sonnentau sei heute nur noch auf ein paar Quadratmetern zu finden. Auch die Rosmarinheide könne nur im Hochmoor gedeihen. Weiter gebe es seltene Heuschreckenarten wie die Sumpfschrecke oder den Warzenbeisser. «Für Amphibien und Libellenarten entstehen neue, fischfreie Teiche», sagt Leu, «für sie wird sich die Situation stark verbessern.» Im bestehenden Weiher im Flachmoor haben Leute illegal Fische ausgesetzt. Diese fressen die Eier und Larven von Fröschen, Kröten und anderen Amphibien. 

Damit man weiss, wie sich das Wachseldornmoos entwickelt, wird das Amt für Landwirtschaft und Natur eine Erfolgskontrolle durchführen. «Im kommenden Jahr werden wir den Moorwasserspiegel an diversen Standorten überprüfen sowie Abklärungen zur Wasserqualität vornehmen», erklärt Thomas Leu. Auch zwei nahe gelegene Quellen werden ein weiteres Jahr lang untersucht. Manche Besitzer hätten Bedenken geäussert, dass durch das Aufstauen ihr Quellwasser verunreinigt werden könnte. 

Weiter werden auf 40 dauerhaft markierten kleinen Flächen regelmässig die Pflanzenarten aufgenommen. «So können wir feststellen, wie sich die Vegetation verändert und ob sich die Hochmoorpflanzen tatsächlich ausbreiten», erläutert der Projektleiter. Dies werde in Zeiträumen von jeweils fünf Jahren geschehen.

Weitere Gefahr droht

Obwohl nun einiges unternommen wurde, um das Wachseldornmoos zu erhalten und aufzuwerten, droht ihm eine weitere, grössere Gefahr, die nicht mit einem Bagger abgewendet werden kann: die Klimaerwärmung. Häufen sich niederschlagsarme Sommer, trocknen Moore aus. «Die Situation ist in den Bergen und in den Voralpen etwas weniger prekär, denn hier regne es trotz allem häufiger als etwa im Mittelland», sagt Thomas Leu. Ein Hochmoor benötige pro Jahr etwa 1000 Liter Wasser pro Quadratmeter. Im Wachseldornmoos könne man derzeit mit Niederschlägen von rund 1200 Litern rechnen. 

Trotz dieser Unwägbarkeiten ist für Thomas Leu klar, dass sich der Einsatz für das Wachseldornmoos lohnt. Nicht zuletzt sei es seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative 1987 im Gesetz verankert, die letzten Moore zu erhalten und zu fördern. Im Kanton Bern – der mit gut 100 Objekten reich an Hochmooren sei – würden pro Jahr ein bis zwei Standorte regeneriert, sagt Leu. 

Die Kosten für das gesamte Projekt im Wachseldornmoos betragen knapp 900’000 Franken. Zwei Drittel werden von verschiedenen Ökofonds bezahlt, den Rest teilen sich Bund und Kanton.

11.10.2018 :: Silvia Ben el Warda-Wullschäger
Meistgelesene Artikel
Tigers mit positiver Halbzeitbilanz
SCL Tigers:   25 von 50 Quali- Runden sind gespielt und Langnau steht so gut da, wie noch nie. Das hat...
Chancenlos gegen «Friedrich ufs Ysch»
Cup: Die SCL Tigers bestreiten am Mittwoch nächster Woche in Rapperswil den zweiten Cuphalbfinal...
Zweiter Anlauf für die Mountain-Lodge
Sörenberg: Auch bei der zweiten Auflage des Gestaltungsplans für die Mountain-Lodge im Zentrum von...
Den nötigsten Raumbedarf decken
Rüegsau: Nach dem Nein zur Sanierung und Erweiterung der Schulanlage ergreift der Gemeinderat...
Wie den ÖV nutzen, wo weder ein  Bus noch eine Bahn fährt?
Emmental: Rufbus, Sammeltaxi oder Car-Sharing könnten im Emmental den öffentlichen Verkehr...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr