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Das Rotkehlchen gehört zu den ganz fleissigen Sängerinnen
Das Rotkehlchen gehört zu den  ganz fleissigen Sängerinnen Langnau: Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten dem Vortrag Christian Martis, welcher profund und gespickt mit viel Wissen über Vogelstimmen und Musik referierte.

Zu Beginn spielte der Referent eine Melodie von Béla Bartók auf seiner Bratsche. Später veranschaulichte er an seinem Instrument, wie hoch die meisten Vögel singen. «Halbiert man die oberste Saite durch Aufsetzen eines Fingers, verdoppelt sich die Schwingungszahl von 440 Hertz auf 880 Hertz. Es erklingt wieder ein a, aber eine Oktave höher.» Viele Vögel würden zwei- bis dreimal so hoch singen, so der Referent. Die Stimme des Goldhähnchens zum Beispiel betrage 6000 Hertz, eine Tonhöhe, die nicht mehr alle Ohren hören könnten. Gut hörbar dagegen seien die 800 bis 900 Hertz des Raufusskauzes, der bereits im Januar aktiv werde.


In Käfigen gehalten  

«Die meisten Singvögel singen nur im Frühling und im Sommer (März bis Juli), um während der Brutzeit ihr Revier zu markieren und Weibchen anzulocken», erklärte Christian Marti, um gleich auf eine Ausnahme zu sprechen zu kommen. «Beim Rotkehlchen ist vieles anders. Bei ihm singen die Weibchen fast so gut und fast so viel wie die Männchen. Und die hübschen Vögelchen singen auch im Winter. Das führte dazu, dass man sie gerne einfing und in der Stube in einem Käfig hielt, damit sie im Winter mit ihrem Gesang die Gemüter erheiterten.» 

Nun griff Christian Marti zur Blockflöte und spielte eine Melodie aus The Bird Fancyer’s Delight. «Im 18. Jahrhundert pflegte man Singvögel zu halten und lehrte sie, Melodien nachzupfeifen. Je nach Aufnahmefähigkeit der Vögel musste man eine Melodie zwischen 20 bis 200 Mal auf der Blockflöte repetieren, bis sich der Erfolg einstellte.»


Pfeifen wie ein Vogel 

Wie oft Christian Marti üben musste, bis er die Vogelstimmen nachpfeifen konnte, bleibt ein Geheimnis. Tatsache ist, dass der ehemalige Betriebsleiter und Bibliothekar der Vogelwarte Sempach besser pfiff, trillerte und zwitscherte als manche Tonaufnahme. Dabei bediente er sich einer speziellen Notenschrift, welche die Unterschiede der verschiedenen Vogelstimmen optisch darstellte. «Weil man die kleinen Wesen meistens nicht zu Gesicht bekommt, ist es notwendig, sie an ihrem Gesang zu erkennen», meinte der Vogelkundler. 

Im Verlauf des Abends, welcher durch Pro Natura Oberemmental sowie den Langnauer Natur- und Vogelschutz organisiert wurde, erfuhren die Anwesenden im Singsaal viel Überraschendes über Vogelstimmen – auch bei ihnen gibt es Dialekte – und über Musik: Komponisten wie Händel, Beethoven, Bartók und Messiaen haben Vogelstimmen in ihre Werke eingebaut. Temporeich und mit viel Witz referierte der Vortragende und würzte die Fakten mit manch charmanter Einlage. Er erheiterte an jenem Winterabend in Langnau die Gemüter, wie es kein Rotkehlchen besser hingekriegt hätte.

 

Das Heft «Vogelstimmen» von Christian Marti kann bei der Schweizerischen Vogelwarte Sempach bestellt werden: www.vogelwarte.ch

24.01.2019 :: Bettina Haldemann-Bürgi
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