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Das Verwaltungsgericht hat geurteilt: Zu viele Hunde, zu wenig Personal
Das Verwaltungsgericht hat geurteilt:  Zu viele Hunde, zu wenig Personal Emmental:

Das Verwaltungsgericht stützt die Verfügung des Veterinärdienstes: Der Betreiber einer «Huskyfarm» muss den Tierbestand reduzieren und darf keine Hunde mehr züchten. 


 

«Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird», lautet Punkt 1 im Urteil des bernischen Verwaltungsgerichts vom 22. März. Der Betreiber einer «Huskyfarm» wehrte sich gegen eine Verfügung des kantonalen Veterinärdienstes. Dieser hatte am 9. Dezember 2014 die Verfügung erlassen, nachdem der Mann verschiedenen vom kantonalen Veterinäramt geforderten Massnahmen nicht nachkam. 

Die Kernpunkte der Verfügung 

Reduktion des Hundebestandes auf maximal 19 Tiere. 

Verbot Hunde zu züchten.

Plan mit den Trainings der einzelnen Hunde beim Veterinärdienst einreichen sowie den Tierbestand auf der Datenbank aktualisieren. 

Der Betreiber der Huskyfarm muss dokumentieren, welchen Hund er wohin vermittelt. 

Gegen die Verfügung erhob der Mann am 9. Januar 2015 Beschwerde bei der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion. Bereits drei Wochen später  wies diese die Beschwerde ab. 

Die nächste Station des Rechtsstreits war das Verwaltungsgericht. Der Betreiber der «Huskyfarm» reichte die Verwaltungsgerichtsbeschwerde am 1. März 2016 ein. Nach gut einem Jahr und mehreren Schriftwechseln liegt nun das Urteil vor. 

«Mindestens drei Personen nötig»

Im Herbst 2016 haben zwei vom Verwaltungsgericht bestellte Gutachterinnen während zweier Tage die «Huskyfarm» in Augenschein genommen. «Dabei sind sie zum Schluss gekommen, dass für eine ausreichende Betreuung des Hundebestands (52 Tiere) mindestens drei zu 100 Prozent einsatzfähige Personen nötig wären», steht im Urteil des Verwaltungsgerichts. Nebst dem Füttern und Pflegen der Tiere schreibt das Tierschutzgesetz täglichen Auslauf vor, wobei der Aufenthalt im Zwinger oder an einer Laufkette nicht als Auslauf gilt. Bei Huskys, welche aus dem hohen Norden stammen, kommt hinzu, dass diese bei Temperaturen von mehr als 15 Grad nicht mehr zum Gespannfahren eingesetzt werden sollten. Darin waren sich sogar die Gutachterinnen und der Beschwerdeführer einig. Allerdings bedeutet dies, dass die Aktivitäten auf die frühen Morgen- und die späten Abendstunden und in schattige Gegenden verlegt werden müssen. Dies erhöht den nötigen personellen Aufwand bei mehr als 50 Huskys zusätzlich. 

Ein Wildtier gerissen

Die Gutachterinnen kritisieren in ihrem Bericht weiter, «dass der Beschwerdeführer während der Trainigs offenbar bis zu vier Hunde frei laufen lasse, was infolge Rudelbildung und aufgrund der Jagdfreudigkeit von Huskys Menschen und Tiere gefährden könne». Aus einem Strafbefehl von 2013 geht hervor, dass es bereits zu einem Zwischenfall gekommen ist: Hunde des Beschwerdeführers rissen ein freilebendes Wildtier. 

Im Gutachten steht weiter, dass die beiden vom Beschwerdeführer gehaltenen Wolfshunde zusätzlichen Arbeitsaufwand erforderten, zumal die Hündin sehr scheu sei und kaum von jemandem geführt werden könne. «Auch erachten die Gutachterinnen die Zwinger und Auslaufanlagen auf der Huskyfarm mit Blick auf Hygiene und -Sicherheit als ungenügend», steht in der 26-seitigen Urteilsbegründung. «Aus diesem Grund sowie wegen Fehlens der dafür benötigten Zeit raten sie von der Aufzucht weiterer Welpen ab.» 

«Aus der Luft gegriffen»

In seiner Stellungnahmen bezeichnet der Beschwerdeführer die Einschätzung der Gutachterinnen, wonach seine Hunde von mindestens drei vollbeschäftigten Personen betreut werden müssen, als «aus der Luft gegriffen». Das Gericht anerkannte, dass der Betreiber der «Huskyfarm» von Personen bei der Betreuung der Hunde unterstützt werde. Aber: «Die gerichtlich geforderten 300 Stellenprozente werden jedenfalls nicht erreicht.» Der kantonale Veterinärdienst habe seinerseits bei den Betriebskontrollen auch festgestellt, dass die weiteren auf der «Huskyfarm» tätigen Personen keine oder nur vage Auskunft über die Betreuung der Hunde geben konnten. 

Das bernische Verwaltungsgericht stützt den ursprünglichen Entscheid des Veterinäramtes, wonach der Hundebestand auf 19 Tiere zu reduzieren sei. Für 30 Hunde einen neuen Platz zu finden, dürfte nicht einfach werden. «Die Massnahme ist aber unumgänglich, um auf der ‹Huskyfarm› tierschutzkonforme Verhältnisse herzustellen», steht im Urteil, in dem auch vermerkt ist, dass die Tötung von Tieren unzulässig wäre. Um dieser Schwierigkeit gerecht zu werden, räumt das Verwaltungsgericht für die Bestandesreduktion eine lange Frist von sechs Monaten ab Rechtskraft des Urteils ein. 

Ans Bundesgericht weiterziehen?

Der Betreiber der «Huskyfarm» kann den Fall innert 30 Tagen seit der Zustellung der schriftlichen Begründung ans Bundesgericht weiterziehen. Wie dessen Anwalt auf Anfrage erklärt, sei dieser Entscheid noch nicht gefallen. Weiter will er sich – wie auch der Betreiber der Huskyfarm nicht zum Urteil des Verwaltungsgerichts äussern. Da der Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt hat, welches gutgeheissen wurde, trägt die Kosten der Kanton Bern. 

 

13.04.2017 :: Bruno Zürcher
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