Anmelden
Ein abgeschiedenes Haus voller Geschichten und Wünsche
Ein abgeschiedenes Haus voller Geschichten und Wünsche Konolfingen:

 

Eintauchen in eine fremde Welt mit Geschichten und Wünschen. Dies war am Tag der offenen Türe im Asylzentrum möglich. Gekommen sind vor allem Angehörige der Bewohner. 


An der Hauptstrasse Richtung Zäziwil steht in der Industriezone ein karges, eingezäuntes Betongebäude. In den Sechzigerjahren diente der Bau als Unterbringung für die Gastarbeiter aus südlichen Ländern. Die Umwandlung in ein Asylzentrum geschah fliessend. 1982 begann die Heilsarmee sich im Flüchtlingswesen zu engagieren. Die Menschen kamen nicht mehr nur um zu arbeiten, um dann mit dem verdienten Geld wieder in die Heimat zu reisen – sie kamen, um zu bleiben. 

Offene Türen

Das Team des Zentrums empfingen letzten Freitag im Namen der Heilsarmee und der Asylsuchenden aus der Kollektivunterkunft die Besucher und eingeladenen Gäste. Dies war erst das zweite Fest in diesem Rahmen. Im Gespräch betont die stellvertretende Leiterin Lisa Blaser mehrfach, wie wichtig dieser Anlass für viele Seiten ist. Es gehe darum, Vorurteile, Ammenmärchen und menschliche Barrieren zu brechen. Möglichkeiten zu öffnen. Kulturen und Menschen zu Einen. 

«Pro Person hätten die Asylsuchenden gewisse Beträge zur Verfügung», erzählt Lisa Blaser. Fakt sei jedoch der Betrag von 9.50 Franken pro Tag und Person. Finanziert wird das Flüchtlingswesen durch das Staatssekretariat für Migration (SEM). Ihr Auftrag umfasst auch die Integration der Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt zu fördern. Derzeit gehen mehrere Bewohner einer regelmässigen Arbeit nach. 

Immer wieder ein Neuanfang 

Die Wohnungssuche gestalte sich oft schwierig und aufwendig. Selten bis nie findet sich im selben Dorf oder näherem Umfeld eine Lösung. Da vorwiegend junge Männer in diesen Zentren anzutreffen sind, benötigt man meist Wohngemeinschaften. Eine Nationalitäten-WG entsteht. Das Kollektivzentrum Konolfingen umfasst Plätze für 60 Personen. Die Auslastung liegt heute bei 53 Personen. 2015 war ein Flüchtlingsboom zu verzeichnen. In aller Eile wurden Zentren und Notunterkünfte in Zivilschutzanlagen erstellt – alle aus- oder überlastet. 2017 kamen weniger Asylsuchende ins Land. Standorte wie Jegensdorf oder Schüpbach wurden geschlossen. 

An diesem Nachmittag sind die Bewohner des Kollektivzentrums bereit, die Besucher und Gäste zu empfangen. Die Mehrheit der Männer sind Afghanen. Die Gäste erweisen sich als Landsleute oder Verwandte. Den Besuchern bietet sich ein Buffet mit traditionellen Köstlichkeiten. Die Gäste dürften ein bezugbereites Familienzimmer betreten und erfahren, was als Erstausstattung geboten wird. Es ist eng, karg und notdürftig. 

Besucherin Christine Bläuer, Initiantin des Interkultureller Treffpunkt für Frauen, ist gerne hier. Mit ihrem Neffen und seinem Sohn geniesst sie die Vielfalt an Stimmen und Eindrücken. «Die Flüchtlinge haben gerne Besuch und geniessen das Zusammensein», so Christine Bläuer. Spontan ist Jürg Feller mit Tochter Melina und Sohn Fabian im Asylzentrum zu Gast. Einmal hinter die Mauern sehen, lautet ihre Motivation. «Ansonsten fahre er mehrmals die Woche mit dem Auto vorbei», erklärt der Fami–lienvater. 

Erster Schritt ins Erwerbsleben 

Der 28-jährige Afghane Amir wohnt seit einem Jahr und drei Monaten im Kollektivzentrum in Konolfingen. Die Flucht mit seinen Brüdern aus der Heimat endete vorerst in Deutschland. Dort trennten sich ihre Wege und Amir kam alleine in die Schweiz. In Luzern hatte er für vier Monate seine Bleibe. Dann folgte der Umzug nach Konolfingen. In Afghanistan führte der gelernte Apotheker sein eigenes Geschäft. In Konolfingen bot ihm die Zentrum-Apotheke eine Praktikum. «Das ist der Startschuss für noch mehr Mut und Einsatz», erklärt Amir. Die Schweiz und ihr Lebenssystem gefielen ihm sehr. Amir wolle alles in Bewegung setzen, um mit einer anerkannten Ausbildung wieder in seinem geliebten Beruf Fuss fassen zu können. Die Zukunftswünsche von Amir sind für Lisa Blaser nachvollziehbar. «Es ist wünschenswert, Besuche der Anwohner zu erhalten und mit den Asylanten Kaffee zu trinken, zu reden und voneinander zu lernen. Denn nur durch Kontakt entsteht Integration.» 

05.07.2018 :: Martina Künzi
Meistgelesene Artikel
Eine eigenartige Wortkombination, dieses «Aber Hallo», finden Sie nicht auch? Zwar oft...
Gemeinsam kochen und essen –  und fürs «Kafi» reicht es auch noch
Kanton Bern: Seit 20 Jahren betreut der Entlastungsdienst Menschen mit einer Beeinträchtigung. Christian...
Von Phuket nach Bumbach
Bumbach: Am 1. September haben Thomas und Sao Salathé den Gasthof Rosegg als Pächter...
«Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir -Gutes getan hat!» (Psalm...
Die Wichtigkeit des guten Starts
SCL Tigers: Mit fünf Niederlagen in Serie ist den SCL Tigers der Beginn der Saison vor einem Jahr...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr