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Eine Berg- und Talfahrt der Gefühle

Im Vorfeld der EM-Endrunde in Holland durften wir uns mit dem Nationalteam grosser Medienpräsenz erfreuen. Für uns Spielerinnen eine ungewohnte Situation, die wir in dem Ausmass nicht unbedingt kannten. Wir konnten uns präsentieren, unsere sportlichen Ziele definieren und hatten genau die Aufmerksamkeit, welche wir normalerweise nicht bekommen. Das sind schöne Momente – nur Selbstbewusstsein ist in solchen Momenten gefragt!

Das erste Spiel gegen Österreich haben wir so richtig vergeigt. Eine schwierige Situation, wenn man als Spielerin auf dem Platz steht, alles geben will, aber irgendwie nichts zusammenpasst. Dementsprechend schlecht war die Stimmung nach dem Spiel und am Tag darauf. Die eigentlich so positive Medienpräsenz um unser Team hat sich zum ersten Mal von einer anderen Seite gezeigt. Wir haben den Druck der Schweizer Journalisten schwer zu spüren bekommen und mussten erstmals «lernen», damit umzugehen. Es hiess: kühlen Kopf bewahren, denn im zweiten Spiel gegen Island war verlieren verboten! 

Mit einer guten Leistung und einer beeindruckenden Reaktion auf das erste Gruppenspiel haben wir uns mit diesem Sieg zurück ins Turnier gekämpft. Alles war wieder offen. Nun stand das alles entscheidende Spiel gegen den Gruppenfavoriten aus Frankreich an. Wir kamen gut ins Spiel. Aber der Gegner wurde immer stärker und hat es geschafft, kurz vor Schluss den Ausgleich zu erzielen. Mit diesem einen Punkt und dem eigentlich tollen Resultat gegen einen Weltklassegegner sind wir aus dem Turnier ausgeschieden; wir haben gekämpft, gut gespielt, alles gegeben...

Es hat leider nicht gereicht und somit haben wir unsere Erwartungen nicht erfüllt. Eine grosse Enttäuschung machte sich breit, denn wir hatten uns gute Chancen auf das Viertelfinale ausgerechnet. Wenn man sich über Monate auf einen wichtigen Event vorbereitet und dieser nach 270 Minuten schon wieder zu Ende ist, so ist man natürlich erst einmal niedergeschlagen.

Das Gute beim Fussball ist, dass man keine Zeit hat, den Kopf in den Sand zu stecken. Nächste Woche startet die WM-Qualifikation und ich freue mich darauf, meine Mitspielerinnen nach diesem unschönen Ereignis wieder zu sehen. Jede hat die Enttäuschung auf ihre eigene Art verarbeitet. Diese positive Stimmung ist jetzt gefragt, denn jedes Spiel zählt, damit wir 2019 bei der Weltmeisterschaft in Frankreich dabei sind und die Chance bekommen, eine bessere Werbung für den Schweizer Frauenfussball zu machen als vergangenen Sommer. 



14.09.2017 :: Lia Wälti Langnau
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