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Engagiert, fordernd, kollegial
Engagiert,  fordernd,  kollegial Bernhard Antener :

Bernhard Antener wird sich am Montag letztmals im Gemeindeparlament fürseine Geschäfte engagieren. Ende Jahr tritt er zurück –

nach 24 Jahren als Präsident. Nichts von Ausplampen. Am Montag steht die letzte heurige Sitzung des Grossen Gemeinderats an, in welcher der Präsident noch einmal Geschäfte durchbringen will. Bernhard Antener (SP) ist hellwach wie eh und je – und bestens vorbereitet, auch hier kann man «wie eh und je» hinzufügen. Bei Anteners letztem Auftritt vor dem Gemeindeparlament gehts um einiges: Zum einen sollen die Mitglieder des Grossen Gemeinderats einen Beitrag von 700’000 Franken als Ersatzinvestition für die Markthalle genehmigen. Zum andern wird über die Weitergabe eines Darlehens für das zweite Eisfeld debattiert werden.  

Der Präsident schrieb Botschaften selber

Bernhard Antener kennt die zwei Dossiers bestens. Die umfangreichen Unterlagen, die den Mitgliedern des Gemeindeparlaments vorliegen, hat er grösstenteils selber verfasst. «Das Schreiben liegt mir», meint er dazu. Nach wenigen Minuten diskutiert man mit dem Präsidenten über Termine und Abhängigkeiten des komplexen Geschäfts. Dass er in gut drei Wochen nicht mehr Gemeindepräsident sein wird, ist kaum vorstellbar. 

«Ich hatte an mich immer den Anspruch, dass ich die Dossiers kenne – alle Dossiers», sagt er. «Ich lese sehr viele Akten und habe auch ein gutes Gedächtnis.» Dass Antener 24 Jahre der Gemeinde Langnau vorsteht, liegt nicht nur an seinem Fleiss. Er brachte auch einen guten «Rucksack» mit: Gemeinden setzen Rahmenbedingungen, indem sie Reglemente und Verordnungen erlassen – das ist Juristenfutter. Bernhard Antener ist Jurist. Er war als Grossrat an vorderster Front mit dabei, als Finanz- und Lastenausgleich austariert wurde. Er blickt bei den Gemeindefinanzen mehr durch, als der eine oder andere Gemeinderat mit diesem Ressort. 

Routine macht nicht gelassener 

Wenn dann in einer Budget-Debatte ein Parlamentarier eine Äusserung machte, welche der Gemeindepräsident nicht nachvollziehen konnte, reagierte dieser zuweilen etwas harsch. «Es ist wohl so, dass ich trotz der langen Amtszeit nicht gelassener geworden bin», schätzt Antener die Situation ein. 

Christoph Utiger hat in Finanzdebatten öfters Kritik angebracht. Der EVP-Parlamentarier sieht die finanziellen Aussichten der Gemeinde etwas düsterer als der Gemeinderat unter Anteners Führung. Stört es ihn, wenn er vom Präsidenten zurechtgewiesen wird? «In der Politik geht es hart auf hart. Damit kann ich umgehen», antwortet Utiger diplomatisch. «Der Präsident hat stets gut lobbyiert. Fördert man in Langnau Sport und Kultur, macht man sich beliebt – wer kann da schon etwas dagegen haben?» 

Hans Peter Schenk (BDP) arbeitete eng mit Antener zusammen. Schenk ist noch bis Ende Jahr Vizepräsident des Gemeinderats. «Antener ist sehr engagiert und steckt sehr viel Herzblut in jedes Projekt. Er ist auch ein grossartiger Stratege», lobt Schenk. Gibt es auch etwas Negatives? Zuweilen reagiere er schon etwas emotional. «Er hat sich meist so in die Geschäfte vertieft, dass er dann nicht verstehen kann, dass jemand trotz vieler Argumente anderer Meinung ist.» Insgesamt aber – das betont der abtretende Gemeinderat (siehe unten) – sei Antener ein absoluter Glücksfall für Langnau gewesen. «Er hat die Gemeinde vorwärts gebracht.»

Langnau werde heute schon etwas anders gesehen als noch vor zehn oder zwanzig Jahren, hält auch Bernhard Antener fest. «Langnau ist ein regionales Zentrum und findet in der ganzen Schweiz Beachtung. Langnau hat einiges zu bieten. Dabei ist die Infrastruktur zentral und hier konnten wir in den letzten Jahren einiges verbessern.» 

Grosses Medienecho der SCL Tigers

Der Eindruck, dass in der Langnauer Politik Themen rund um Sport und vor allem um die SCL Tigers dominierten, täusche, hält Antener fest. Diese Themen würden aber medial das grösste Echo auslösen. Ein Blick in sein Archiv beweist dies. Seit 1986 schneidet er alle Zeitungsartikel, welche von Langnau handeln, aus und klebt dieses ein. Die Artikel werden thematisch geordnet. Obschon er von den SCL Tigers und dem FC Langnau keine Matchberichte ablegt, finden sich darin am meisten Ordner mit dem Vermerk «Sport», dicht gefolgt von «Kultur». Beim Durchblättern findet er per Zufall einen 1989 publizierten Zeitungsartikel, in dem von Planungen der Ilfisstadion AG für ein zweites Eisfeld berichtet wird. «Und was haben wir hier? Das war der Anfang der Jazz Nights», sagt Antener, während er durch die Ordner blättert. Auch viele Weggefährten tauchen im Archiv auf.  

Eine dieser Personen ist Rosette Gerber (BDP). Während 14 Jahren gehörte sie dem Gemeinderat an, Ende 2007 ist sie zurückgetreten. Was macht Bernhard Antener aus? «Er ist sehr engagiert. Sehr fordernd. Sehr kollegial», charakterisiert sie ihren einstigen Gemeinderatskollegen. «Er war stets sehr kritisch, aber es ging nie ins Persönliche.» 

Antener selber beschreibt seine Rolle im Gemeinderat mit der des Sparringspartners. Er hinterfragt, regt an und unterstützt. «Ich bin dafür da, schwierige Geschäfte voranzubringen», sagt er. «Wenn es läuft, braucht es mich nicht.» 

Bernhard Antener sorgte während 24 Jahren dafür, dass die Geschäfte vorankamen. Macht eine so lange Amtszeit Sinn? «24 Jahre ist viel zu lange. Diese Aussage meine ich nicht auf Bernhard bezogen», sagt Rosette Gerber. «Als ich im Gemeinderat war, sprach ich mich gegen eine Amtszeitbeschränkung aus – heute sehe ich das anders.» Warum? «Nach so langer Zeit besteht die Gefahr, dass man kritische Stimmen nicht mehr wahrnimmt.»

«Ich hatte keine Mehrheit»

Er sei stets gezwungen gewesen, gemeinsame Lösungen zu finden, kontert Antener. Dies, weil er sich nicht auf eine Mehrheit der SP habe berufen können. «In meinem ersten Jahr im Gemeinderat lief das anders: Die SVP hatte die absolute Mehrheit und es gab Nachmittage, an denen es keinen Unterschied gemacht hätte, wenn ich als SPler zu Hause geblieben wäre.» Dass er so lange Präsident bleibe, habe er natürlich nicht geplant. 

«Ich werde sicher nicht 24 Jahre Gemeindepräsident bleiben», sagt Walter Sutter, SVP, und lacht. Er sei mit «Bärnu guet z Schlag cho», meint Sutter. «Klar haben wir politisch zum Teil total verschiedene Ansichten. Nebst der Politik sind wir aber nicht grundverschieden.» Er räumt ein, dass Antener vieles gut gemacht habe – immerhin wollte von der SVP über all die Jahre nie jemand gegen ihn antreten. 

Denkt Bernhard Antener, dass ihm der Rücktritt leicht fallen wird? «Ich glaube schon», gibt er sich zuversichtlich. «Ich bin ja schon mal zurückgetreten, aus dem Grossen Rat, und das bereitete mir keine Probleme.» Auch hat er sich nach dem Motto «diene, herrsche, schweige» vorgenommen, sich künftig nicht mehr in die Gemeindepolitik einzumischen. Beruflich wird der 59-Jährige weiterhin als Fürsprecher tätig sein. In seiner Freizeit wird er unter anderem sein Archiv weiter bewirtschaften. So wird er auch diesen Bericht ausschneiden und feinsäuberlich einordnen. 

Hans Peter Schenk überzeugte mit Vielseitigkeit

Per Ende Jahr tritt auch Hans Peter Schenk aus dem Gemeindrat zurück, dem er zehn Jahre angehörte. In der ersten Legislatur betreute er das damalige Departement Kultur und Jugend. Dann übernahm der BDP-Politiker das Ressort Öffentliche Sicherheit.  

Welche Geschäfte sind ihm besonders in Erinnerung geblieben? «In der ersten Amtszeit gehörten sicher die Totalrenovation der Freizeitstätte und der Anbau beim Regionalmuseum Chüechlihus zu den aufwändigen Geschäften», berichtet Hans Peter Schenk. «Im Ressort Öffentliche Sicherheit konnte ich mithelfen, die Fusion von fünf Gemeinde-Feuerwehren aufzugleisen. Das brachte viel Arbeit, aber auch Genugtuung. Schliesslich ist eine gute Sache daraus geworden.» Im Ressort Öffentliche Sicherheit ist Vielseitigkeit gefragt: Hans Peter Schenk hatte sich auch mit der Parkplatzsituation in Langnau zu beschäftigen, setzte sich für den Wanderbus ein und half beispielsweise auch mit, ein neues Sicherheitskonzept für die Spiele der SCL Tigers auszuarbeiten. 

Im Gemeinderat hatte Hans Peter Schenk in den zehn Jahren auch das Amt des Vizepräsidenten inne. Vor seiner Zeit im Gemeinderat politisierte er zehn Jahre im Gemeindeparlament.   

 

07.12.2017 :: Bruno Zürcher
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