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Gotthelf Zentrum auf dem langen Weg zu den Kulturgeldern
Gotthelf Zentrum auf dem langen  Weg zu den Kulturgeldern Emmental:

Das Gotthelf Zentrum und das Gertsch Museum wollen es auf die Liste der regional bedeutenden Kulturinstitutionen schaffen, um Betriebsbeiträge zu erhalten. Der Weg ist noch lang.

Heinrich Schütz vom Leitungsteam ist guten Mutes, dass das Gotthelf Zentrum in Lützelflüh bald von öffentlichen Geldern wird profitieren können und der längerfristige Betrieb somit gesichert werden kann. «In der  Startphase sind wir dank der vielen ehrenamtlichen Arbeit über die Runden gekommen.» Auf Dauer gehe das aber nicht, zumal das Führungsteam hauptsächlich aus Pensionierten bestehe, die ihre Arbeit früher oder später in jüngere Hände übergeben wollten. «Wir haben Buch geführt und festgestellt, dass die Leitung des Zentrums einem Pensum von 60 bis 70 Prozent entspricht», erklärt Heinrich Schütz. Diese Stelle aus den selber erwirtschafteten Mitteln zu finanzieren, sei illusorisch. «Jede grössere Kulturinstitution ist früher oder später auf öffentliche Gelder angewiesen», so Schütz. 

Grosser Rat machte Weg frei

Die Kulturförderung des Kantons Bern sieht vor, dass Institutionen von regionaler Bedeutung vom Kanton gemeinsam mit der Standortgemeinde sowie den Gemeinden der Regionalkonferenz (RK) mit Betriebsbeiträgen unterstützt werden. Bis letzten November war das Gotthelf Zentrum von dieser Möglichkeit ausgeschlossen. Nachdem dessen Gründung 2010 mit 3,27 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds massgeblich unterstützt wurde, hatte der Grosse Rat beschlossen, später keine Betriebsbeiträge auszurichten. Aufgrund einer Motion des Lützelflüher Grossrats Alfred Bärtschi wurde dieser Entscheid nun umgestossen. Die Gemeinde Lützelflüh zögerte nicht und reichte das Gesuch um Unterstützung ein, denn dies ist Aufgabe der Standortgemeinde. Der erste Schritt in Richtung Kulturtöpfe ist getan, entschieden ist noch nichts. Das Prozedere ist langwierig. «Von der Eingabe bis zum definitiven Entscheid dauert es rund eineinhalb Jahre», sagt Sibylle Birrer, Vorsteherin der Abteilung Kulturförderung beim Kanton Bern. Dies liege vor allem daran, dass alle drei beteiligten Partner – die Standortgemeinde, die Regionalkonferenz und der Kanton – sich einig werden müssten.  

In der Region verwurzelt

Grundvoraussetzung sei, so Sibylle Birrer, dass eine Institution von der Standortgemeinde unterstützt werde, lokal verwurzelt sei und über eine regionale Ausstrahlung verfüge. Zudem müsse die Arbeit eine gewisse Kontinuität und Professionalität ausweisen. «Bei der Frage, wie wichtig eine Kultureinrichtung für eine Gegend ist, spielt die Regionalkonferenz eine wichtige Rolle.» Es sei ja nicht ganz einfach, etwa die regionale Ausstrahlung zu messen. Stehe eine Region nicht hinter ihrer Institution, mache es auch keinen Sinn, öffentliche Gelder zu sprechen, betont Sibylle Birrer. Erst wenn sich alle drei Parteien einig sind, eine Einrichtung gemeinsam zu unterstützen, geht es um die Höhe des Beitrages.

Alle müssen Ja sagen

«Werden zusätzliche Institutionen auf die Liste aufgenommen, hat dies Kostenfolgen», gibt die Vorsteherin der Abteilung Kulturförderung zu bedenken. Entweder werde das Gesamtbudget erhöht oder es müssten Beiträge gekürzt oder gestrichen werden. In der Regel trägt die Standortgemeinde maximal 50 Prozent des Unterstützungsbeitrags für «ihre» Kultureinrichtung, der Kanton maximal 40 Prozent und die Regionsgemeinden mindestens zehn Prozent. Auch bei der Finanzierung gelte es, einen Konsens zu erzielen, sagt Sibylle Birrer. Damit ist der Prozesses aber immer noch nicht abgeschlossen, denn die drei Partner gelangen an ihre jeweiligen politischen Instanzen wie den Gemeinderat, das Parlament oder die Regionalversammlung. «Auch hier braucht es von allen ein Ja, sonst platzt das Ganze.» Der Schlussentscheid liege beim Regierungsrat.

Auch Gertsch Museum will auf Liste

Im Gebiet der RK Emmental werden aktuell fünf Institutionen unterstützt (siehe Textende). Nebst dem Gotthelf Zentrum ersucht neu auch das Museum Franz Gertsch in Burgdorf um Betriebsbeiträge, wie Stefan Berger bestätigt. Er ist Stadtpräsident von Burgdorf sowie Leiter des Ressorts Kultur in der RK Emmental. Beide Kulturinstitutionen verfügten über eine überregionale, nationale oder gar internationale Ausstrahlung und würden von den Standortgemeinden unterstützt. So bezahlt die Gemeinde Lützelflüh 20’000 Franken an das Gotthelf Zentrum, Burgdorf 32’000 Franken ans Museum Franz Gertsch.

Die Kulturbeiträge der Regionsgemeinden liegen derzeit, je nach Distanz zu den Zentren Burgdorf und Langnau, bei 1,70 oder 3,40 Franken pro Kopf. Ob diese bei Aufnahme der beiden Institutionen erhöht werden müssen, lasse sich noch nicht sagen, erklärt Stefan Berger. Das Finanzierungsmodell stehe zur Diskussion.  Zudem seien die gestiegenen Einwohnerzahlen relevant für das Kulturbudget 2021 bis 2024. «Nicht zuletzt hängt es vom Finanzierungsbedarf der jeweiligen Institutionen ab.»  

Heinrich Schütz hofft auf einen jährlichen Beitrag von mindestens 40’000 Franken für das Gotthelf Zentrum, doppelt so viel wie heute.  

17.01.2019 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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