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«In der NLA zu pfeifen wäre mein Traum»
«In der NLA zu pfeifen wäre mein Traum» Eishockey:

Als Frau in einer Männerdomäne hat Fabienne Stucki überhaupt keine Pro­bleme. Die Regeln gelten für alle gleich, egal wer unter dem ­Schiri-Helm steckt. 

 

Eine zierliche blonde Frau würde man wohl zuletzt in einem Schiedsrichter-Dress vermuten. Die 20-jährige Biglerin Fabienne Stucki aber wiederlegt alle Klischees, sie zieht das weiss-schwarz gestreifte Trikot mit Freude an. Es ist schliesslich eine Familiensache, schon ihr Vater war Schiedsrichter beim SC Freimettigen. «Ich durfte meinen Vater häufig an die Spiele begleiten, als ich dann etwas älter wurde und die Regeln begriff, kritisierte ich ihn nach dem Spiel oft und sagte, was er alles nicht gesehen hatte», lacht Fabienne über die Art und Weise, wie sie zum Richten gekommen ist. Irgendwann mal forderte ihr Vater sie heraus und liess seine Tochter das Geschehen auf dem Eis selber überwachen. «So bin ich zur Schiedsrichterin geworden, zuerst hatte ich die Novizen-Lizenz und pfiff bei den Kindern bis zur Mini-Top-Stufe. Seit zwei Jahren habe ich die Aktiv-Lizenz und pfeife bei den 3.- und 4.-Liga-Herren und bei den Frauen». 

 

Als Schiri in Kuala Lumpur

Damit nicht genug, Fabienne Stucki pfeift auch internationale Turniere. Diesen Sommer durfte sie erstmals als Head-Schiedsrichterin an einem internationalen Turnier in Kuala Lumpur die Schweiz vertreten. «Das war für mich schon eine spezielle Erfahrung, dass man für drei Spiele um die halbe Welt gefolgen wird». Auch wenn Fabienne Stucki sehr gerne ihre Schiedsrichter-Karriere weiter aufwärts treiben möchte, entschied sie sich diese Saison etwas ruhiger anzugehen. «Ich habe im Sommer eine Weiterbildung als eidg. diplomierte Logistikerin begonnen und bin von zu Hause ausgezogen. Das braucht alles viel Energie». Deshalb pfeife sie diese Saison etwas weniger. Weniger heisst aber trotzdem eins bis zwei Spiele pro Wochenende, hauptsächlich in der 3.- und 4. Liga. 

 

Auch als Schiri muss man trainieren

Es gibt immer mehr Frauen, die Schiesrichterinnen werden, auch wenn es eine klare Männer-Domäne ist. «Die Herren akzeptieren meine Entscheide», sagt Fabienne, sie habe noch nie Probleme gehabt. Schliesslich müsse auch sie, genau wie alle anderen Schiedsrichter, jedes Jahr einen Test bestehen. Da wird die Ausdauer geprüft, die Fitness und das Handling auf dem Eis sowie die Regeln. «Alle vier Jahre kommt ein neues Regelbuch raus, dazu müssen wir dann zusätzlich auch noch einen Test schreiben».  Und wenn eben mal doch ein Fehler passiere, so sei das nun mal so: «Die Spieler und die Schiedsrichter sind auch nur Menschen, da können mal Fehler passieren», relativiert die Biglerin. Um seine Fitness ist jeder Schiedsrichter selbst besorgt. Im Sommer gäbe es ein freiwilliges Sommertraining, erklärt Fabienne Stucki: «Da trainieren wir dann zusammen und konzentrieren uns auf die für die Schiedsrichter wichtigen Körperteile: Rumpf, Rücken und Beine».  Zusammen lerne man auch die neuen Regeln und wie man sie direkt auf dem Eis umsetzen kann. «Dieses Jahr kam eine Eiskunstläuferin vorbei, um uns ein paar Kurventechniken zu zeigenDaneben sahen gestandene Schiedsrichter aus, als könnten sie nicht auf Schlittschuhen stehen», erzählt die fröhliche Emmentalerin. 

 

Einmal bei den Tigers pfeifen

«Klar wäre das ein Traum, einmal in der NLA zu pfeifen», gibt Stucki unumwunden zu. Aber dafür müsse man, gerade als Frau, hart arbeiten. Zuerst einmal muss man sich als Schiedsrichter in die höheren Ligen hocharbeiten, dafür braucht es mehr Fitness, höhere Geschwindigkeit und viel Erfahrung. Und wenn die Supervisoren mit der Arbeit zufrieden sind, braucht es dann noch die Zustimmung der Aufgebotsverantwortlichen, welche die Spiele und Schiedsrichter planen. Im Moment passt es ihr mit dem 3./4.Liga-Pensum und den Spielen bei den Frauen. Da werde im Zwei-Mann-System gerichtet. «Da ist man zu zweit auf dem Eis und jeder schaut auf die Linien und auf das Spiel». Ab nächster Saison will Fabienne Stucki wieder intensiver an ihrer internationalen Karriere arbeiten und die Fähigkeiten als Schiedsrichterin weiter verfeinern: «Das Ziel ist es, als Schiedsrichter auf dem Feld unsichtbar zu sein, niemandem im Weg zu stehen aber dennoch alles im Überblick zu haben».

11.10.2018 :: Olivia Portmann
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