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Investitionen für die junge Hirtengeneration
Investitionen für die junge Hirtengeneration Sumiswald:

Für insgesamt 2,5 Millionen Franken wurde seit 2014 die Infrastruktur der Hinterarnialp-Gesellschaft zukunftstauglich gemacht. Die Aktionäre nahmen einen Augenschein.

Die Hinteranialp AG wurde im Jahr 1863 von 35 Bauern aus der Region Oberaargau in Herzogenbuchsee gegründet. Aktuell sind die 300 Namensaktien im Besitz von 170 Aktionären. Im Eigentum der Gesellschaft befinden sich 193 Hektaren Wald und 235 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. Auf den sechs Hirtschaften werden gesamthaft 430 Rinder gesömmert. Zudem hat jeder Hirt einen eigenen Viehbestand und erledigt im Winterhalbjahr Holzerarbeiten. 

Im Schlafzimmer unter Null

Nachdem die Hinterarnialp AG zusammen mit den jeweiligen Pächtern in den letzten vier Jahren 2,5 Millionen Franken für Wohnungssanierungen und Neubauprojekte investierte, lud sie die Aktionäre letzten Freitag zu einer Objektbesichtigung ein. Im Hornbachgraben liegt das Vorderried. Es wird seit 50 Jahren von Familie Daniel Jutzi bewirtschaftet. Diese Wohnung wurde 2014 für 470’000 Franken komplett saniert und mit einer Stückgutheizung ausgestattet. Hanni Jutzi ist 83-jährig und weiss den Wohnkomfort zu schätzen: «Früher ist es schon vorgekommen, dass es im Schlafzimmer unter null Grad war.»

Die fünfte Generation

Auf dem steilen, alten Arni-Strässchen sind 2016 für 80’000 Franken Fahrspurplatten eingebaut worden. Über dieses Strässchen gelangt man auf den Rindergrat, wo heuer die fünfte Generation Röthlisberger das Zepter übernommen hat. Margrit und Patrick Wymann-Röthlisberger sind neuerdings ebenfalls für die Hirtschaft Fischgraben zuständig. Die ausgebildete Landwirtin benützt für die täglichen Kontroll- und Botengänge vorzugsweise ihr geländegängiges Motorrad. 

Freude haben die Frischverhei­rateten natürlich auch am komplett neuen Wohnteil. Dafür wurden total 450’000 Franken investiert. 

Neubauten aus eigenem Holz

Nach zweijähriger Planungsphase ­erfolgte am 12. April auf dem Hinterarni der Spatenstich für den Neubau eines Zweifamilien-Wohnhauses und eines Wagenschopfs inklusive Schnitzelheizung und 24’000 Kilowattstunden-Fotovoltaikanlage. Das 1,5 Millionen Franken teure Bauvorhaben begründete Hirt und Wirt Jürg Reist mit den engen Platzverhältnissen und den immer strengeren Gastroauflagen. 

Der verantwortliche Planer Matthias Krall von der gleichnamigen Sumiswalder Holzbaufirma orientierte die zahlreichen Besucher über die Besonderheiten. Ein Bauvorhaben im Perimeter des «Napfberglandes» von nationaler Bedeutung sei schon eine spezielle Herausforderung, erklärte Krall. Punkto Nachhaltigkeit verwies er auf die 330 Kubikmeter Holz aus den eigenen Wäldern und auf den Solarstrom, welcher zwei Drittel des Eigenbedarfs abdecken wird. Das Wohnhaus und die Fotovoltaikanlage ist im Baurecht durch die Pächterfamilie erbaut worden. Der Wagenschopf und die Schnitzelheizung gehen zu Lasten der Alpgesellschaft, wie Präsident Hansruedi Tanner, Sumiswald, erklärte. 

Unter den Gästen war auch Barbara Schütz-Aebi aus Kästhal AG. «Mich verbinden schöne Kindheitserinnerungen mit dem Hinterarni. Mein Vater besitzt eine Aktie und hat jeweils hier gesömmert», schwärmte die gebürtige Sumiswalderin.

Tradition und Innovation

Der Präsident des Berner Bauern­verbandes, Hans Jörg Rüegsegger, ­bezeichnete auf Anfrage die Leistungen der Emmentaler Alpwirtschaft generell als hervorragend. Dies basiere auf bewährter Tradition, angereichert mit Innovation. In diesem Sinn und Geist hat letztes Jahr auch die Lüderen­­alp-Genossenschaft 450’000 Franken für die Sanierung einer Hirten-Wohnung aufgewendet. Nur so blieben die Jungen bei der Stange, lautete der einhellige Tenor an diesem wunderschönen Herbsttag auf 1220 Meter über Meer.

11.10.2018 :: Ulrich Steiner
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