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Master of Chindsgi

Es ist zum Verzweifeln! Gegenwärtig – und das ist beileibe schon schlimm genug – muss eine hierherum tätige Kindergärtnerin über den «Bachelor of Arts PHBern in Pre-Primary and Primary Education» verfügen. 

Aber nicht genug: Dem Vernehmen nach sind die Schreibtischtäter der pädagogischen Fraktion wieder fleissig am Brüten und werden im kommenden Herbst, von lautem Gegacker der zuständigen Hochschulen begleitet, ein nächstes Ei legen. Diesem schwebt schon heute ein leicht fauliges Gerüchlein voraus; das vor kurzem angekündigte Projekt, ganz unverdächtig vorderhand noch im «Strategiepapier»-Tarnkleidchen, wird nämlich nicht weniger als die massive Verlängerung des Studiengangs vorschlagen. In Zukunft soll demnach eine Kindergärtnerin ihren Traumberuf sage und schreibe erst dann ausüben dürfen, wenn sie die insgesamt neun Jahre, die bis zur Erlangung des «Master of Arts PHBern in Secondary Education» zu veranschlagen sind, einigermassen schadlos überstanden hat… 

Sollen wir uns ob solcher Nachrichten einmal mehr über basisferne Bildungsprimaten ärgern? Oder müssen wir froh sein, dass Kindergärtnerinnen nicht ein Doktoratsstudium vorweisen müssen? 

Warum sollen Kindergärtnerinnen – respektive Lehrpersonen der Volksschulstufe überhaupt – zwingend eine gymnasial-hochschulartige Ausbildung durchlaufen? 

Die Oberpädagogen führen als Hauptargument dafür die steigenden Anforderungen an die Schule ins Feld. Nur: Den Problemen von verhaltensauffälligen Kindern und hilflosen Eltern ist mit einer nochmals intellektuell-verkomplizierten Ausbildung nicht beizukommen. Da braucht es vielmehr zum einen strukturelle Verbesserungen wie beispielsweise vermehrt teamorientiertes Unterrichten oder kompetente, stark stützende Schulleitungen und Beratungsstellen. Zum andern wird die Qualität der Volksschule ohnehin zur Hauptsache geprägt von den Menschen, die direkt mit den Kindern zu tun haben. Gefragt sind dort geerdete, motivierte und begeisterungsfähige Menschen, beharrlich und pragmatisch arbeitende Lehrpersonen. Es sind nicht die grossen Köpfe, die gewichten, es sind die Herzen! Wir brauchen in den Kindergärten und Schulstuben kluges Handwerk, nicht vergeistigtes Abwägen und Taktieren.

Damit sei hier einer Hochschulausbildung nicht unterstellt, gute Kindergärtnerinnen zu verhindern. Mit Sicherheit aber bildet sie eine unverhältnismäs-
sige Hürde für zahlreiche junge und talentierte Menschen, die in der Lage wären, in unseren Kindergärten und Schulen gute Arbeit zu leisten. 

 



20.04.2017 :: Dieter Sigrist Sumiswald
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