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Muss illegale Bikestrecke auf dem «Güggel» zurückgebaut werden?
Muss illegale Bikestrecke auf dem  «Güggel» zurückgebaut werden? Oberdiessbach:

Auf dem «Güggel» besteht eine illegale Bikestrecke. Nun hat sich eine Gruppierung gemeldet, die den Trail erhalten möchte. Einfach dürfte das nicht werden.



Anfang Juni meldete der Gemeinderat Oberdiessbach, dass im Gebiet «Güggel» quer durch den Wald eine Bikestrecke gebaut worden sei – ohne jegliche Bewilligung. Die Gemeinde stellte Tafeln auf mit dem Hinweis, dass die Strecke illegal sei und jegliche Haftung abgelehnt werde. Wer den Trail erstellt hat, sei nach wie vor nicht bekannt, sagt Roman Sterchi, Leiter Hochbau bei der Gemeinde Oberdiessbach. «Er ist wahrscheinlich über zwei, drei Jahre entstanden.» Es handle sich nicht einfach um einen Waldweg, die Strecke sei mit Bauten wie Schanzen, Abschrankungen und Steilkurven ergänzt worden. «Davor konnten und wollten wir die Augen nicht verschliessen», betont Roman Sterchi. 

Findet sich eine Trägerschaft?

Mit dem Publikmachen der illegalen Bikestrecke hätten sie auch eine Reaktion der Verantwortlichen provozieren wollen, führt der Leiter Hochbau aus. Tatsächlich habe sich eine Gruppierung per E-Mail gemeldet, die Interesse bekundete, den Trail zu erhalten. «Wer dahinter steckt und ob diese Leute auch die Erbauer sind, ist offen.» Morgen Freitag finde ein erstes Treffen statt, so Sterchi. Auch Kantonsvertreter seien anwesend. Es geht darum, eine Auslegeordnung zu machen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Falls die Gruppierung die Trägerschaft wirklich übernehmen wolle, müsse zuerst abgeklärt werden, ob das Projekt überhaupt bewilligungsfähig sei. Roman Sterchi macht keinen Hehl daraus, dass es sicher keine schnelle Lösung geben werde. «Dies zeigt schon allein die Tatsache auf, dass nebst der Gemeinde noch 25 private Waldbesitzer betroffen sind.» Ohne deren Zustimmung gehe gar nichts. Sie seien nicht zum Treffen eingeladen worden. «Zuerst wollen wir eine Bestandesaufnahme machen.» 

Die Interessen abwägen

Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne er sich nicht zum Trail auf dem «Güggel» äussern, sagt Reto Sauter, Bereichsleiter Waldrecht beim kantonalen Amt für Wald. Aus-
ser wenn ein bestehender, befestigter Weg genutzt werde, brauche es grundsätzlich immer eine Bewilligung, egal ob gebaut werde oder nicht. «Es geht dabei auch darum, die verschiedenen Interessen abzuwägen und Kompromisse zu finden, denn der Wald wird vielfältig genutzt», erklärt Reto Sauter. «Die verschiedenen Gruppen wie Biker, Wanderer, Reiter, Waldkindergärten oder Jäger sollen sich nicht in die Quere kommen oder einander gefährden.» Weiter brauche es, je nach Ausgestaltung der Anlage, verschiedene Ausnahmebewilligungen etwa für die Zufahrt oder das Parkieren von Autos. In einem Schutzwald oder einer Wildruhezone seien die Vorgaben natürlich strenger als in einem Gebiet ohne besonderen Status.  

Waldbesitzer können haften

Das ganze Bewilligungsverfahren – es kann fünf, sechs Monate und in komplizierten Fällen zwei, drei Jahre dauern – schrecke wohl viele davon ab, den legalen Weg zu beschreiten, meint Reto Sauter. Wie viele unbewilligte Trails im Kanton Bern existieren, sei nicht bekannt, es seien aber zahlreiche. Dies kann böse Folgen haben. Ein Hauptproblem stelle die Haftung dar, erläutert der Bereichsleiter Waldrecht. Zwar gelte grundsätzlich die Eigenverantwortung des Fahrers, problematisch werde es aber bei Verbauungen wie Brücken oder Kurven. «Werden diese nicht unterhalten und sind mangelhaft, etwa wenn das Holz verfault, haftet bei einem Unfall der sogenannte Werkeigentümer, also der Erbauer der Anlage.» Da dieser gerade bei illegalen Trails unbekannt sei, könne der Grundeigentümer zur Rechenschaft gezogen werden. «Diesem Risiko sind sich viele Waldeigentümer nicht bewusst», ist Reto Sauter überzeugt. Könnten keine Verantwortlichen gefunden werden, stehe es dem Waldbesitzer frei, die Anlage zu sperren oder zurückzubauen. 

Dass es anders geht, beweist der Verein Trail Protectors Emmental, welcher im Grossraum Burgdorf bereits vier legale Trails erstellt hat und an weiteren Projekten dran ist. «Wenn man von Anfang an das Gespräch sucht mit den Waldbesitzern, bieten sie durchaus Hand für gute Lösungen», sagt Präsident Marco Carrer. Wichtig sei für die Grundeigentümer, eine Anlaufstelle zu haben und bei der Planung miteinbezogen zu werden. Zudem werde die Haftung für Verbauungen in einem Vertrag geregelt. «Der Trail muss dann natürlich auch unterhalten werden, in unserem Fall von Vereinsmitgliedern.» Beschreite man den legalen Weg, sei es halb so wild mit den Bewilligungen.  

Trotz Warnschild rege genutzt

Wie die Sache in Oberdiessbach ausgehen wird, ist offen. Werde keine Trägerschaft und Lösung gefunden, müsse die Anlage wohl zurückgebaut werden, sagt Roman Sterchi, Leiter Hochbau. Dass viele Biker keine Freude daran hätten, ist klar. Trotz der Warnschilder werde die Strecke besonders an Wochenenden rege genutzt, weiss Sterchi. Dass dies illegal sei, mache offensichtlich nicht Eindruck, ebenso wenig wie die Kontrollen und verteilten Bussen durch die Polizei. «Die meisten Leute überlegen sich nicht, dass der Wald nicht ein öffentliches Gut zur allgemeinen Benutzung darstellt, sondern jemandem gehört und unter besonderem Schutz steht.» 

 


10.08.2017 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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