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Neuer und alter Beruf – doch die Leidenschaft dahinter ist dieselbe
Neuer und alter Beruf – doch die Leidenschaft dahinter ist dieselbe Emmental:

Sie gehen beide an die Swiss Skills, jedoch in völlig unterschiedlichen Berufen: Simona Augstburger ist Mediamatikerin, Samuel Aeschlimann Hufschmied.

Die Gegensätze sind offenkundig: Die Konolfingerin Simona Augstburger (1998) verbringt den grössten Teil ihrer Arbeitszeit am Computer im Büro, der Eggiwiler Samuel Aeschlimann (1997) arbeitet körperlich und meist draussen. Die Kundschaft der Mediamatikerin verlangt etwa nach einem Plakat oder einem Produktefilm, beim Hufschmied sind individuell angepasste Eisen oder Sonderbeschläge gefragt. Und noch ein Unterschied ist frappant: Während der Beruf der Mediamatikerin erst seit wenigen Jahren existiert, und dies nur in der Schweiz, blickt der Hufschmied auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Trotz aller Gegensätze, etwas verbindet die beiden jungen Berufsleute: ihre Leidenschaft für ihre Arbeit, ihr Können und ihr Engagement. Sie beide haben sich für die Swiss Skills, die Berufsmeisterschaften, qualifiziert (siehe Kasten).

Die Vielseitigkeit machts aus

Sowohl für Samuel Aeschlimann als auch für Simona Augstburger war die Berufswahl schnell einmal klar. «Zwei Kolleginnen erzählten mir von ihrer Lehrstelle als Mediamatikerin und meinten, das sei etwas für mich», erzählt Simona Augstburger. So war es. Gleich nach der ersten Schnupperlehre wusste sie: «Das ist mein Beruf.» Daran hat sich auch nach Abschluss der vierjährigen Lehre beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) nichts geändert. «Ich arbeite gerne mit Leuten zusammen, bin kommunikativ und habe eine kreative Seite.» Das alles könne sie in ihrem Beruf ausleben, der sehr vielseitig sei. Arbeite man in der einen Abteilung eher im Bereich Design oder Multimedia, seien andernorts Kenntnisse in Marketing, Informatik oder Administration gefragt, führt Simona Augstburger aus. «Ich könnte mir keine bessere Tätigkeit vorstellen und gehe jeden Tag gerne zur Arbeit.»

Jedes Hufeisen eine Massanfertigung

Auch Samuel Aeschlimann kommt ins Schwärmen, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Er habe zwar noch andere Berufe geschnuppert, doch Hufschmied sei bis zum Schluss zuoberst gestanden. «Mit Pferden zu arbeiten, war mein grösster Wunsch. Ich hatte schon als kleiner Junge zwei Ponys und bin ein begeisterter Reiter.» Die vierjährige Lehre konnte er bei Peter Rindisbacher in Signau absolvieren, wo er heute noch arbeitet. «Mir gefällt es, von Hof zu Hof zu fahren, mich immer wieder auf neue Situationen vor Ort einzustellen und vorwiegend draussen zu arbeiten.» Die Arbeit sei abwechslungsreich, kein Huf wie der andere und jedes Tier habe seinen eigenen Charakter. «Weil wir viele Stammkunden haben, lernt man die Pferde gut kennen. Anhand des Verhaltens, der Stellung der Ohren oder des Blicks sehe ich, welches Tier ängstlich oder frech ist und kann mich ihm anpassen.» Es sei wichtig, ruhig und konzentriert ans Werk zu gehen. Angst haben dürfe man nicht, diese würde sich sofort übertragen, Respekt aber sei angezeigt. Jedes Hufeisen ist eine Massanfertigung. «Ich betrachte den Huf und muss dann das Eisen auf dem Amboss dessen Form anpassen.» Nicht nur Muskelkraft ist also gefragt, sondern auch räumliches Vorstellungsvermögen und Augenmass. 

Berufe mit Zukunft

Samuel Aeschlimann findet es schön, dass sein Beruf eine lange Tradition aufweist. Obwohl das Handwerk noch dasselbe sei wie vor hunderten von Jahren, gebe es doch auch gewisse Veränderungen. «Es werden zum Teil neue Materialien verwendet wie Kunststoff oder Alu.» Schön findet er den Zusammenhalt unter den Hufschmieden. «Jeder, der diesen Beruf ausübt, ist stolz darauf.» Doch wichtiger als die Vergangenheit ist für den jungen Mann, dass der Beruf Zukunft hat. «Es gibt immer mehr Reitpferde, so dass die Arbeit nicht so schnell ausgeht. Ein Pferd muss zirka alle sechs bis zehn Wochen neu beschlagen werden.»

Mit Tradition kann Simona Augstburger nicht aufwarten. Die Ausbildung zur Mediamatikerin ist noch jung und hat sich seit den Anfängen vor zirka 15 Jahren stark weiterentwickelt. «Die meisten Leute können sich nicht vorstellen, was wir machen», hat sie erfahren. Weil der Beruf so vielseitig sei, könne er nicht einfach beschrieben werden. «Medien, wie es der Name sagt, sind zwar ein wichtiger Bestandteil, aber eben nicht alles.» Sie umschreibe ihre Arbeit meist als einen Mix aus Grafikerin, Informatiker und KV. Simona Augstburger ist sich bewusst, dass es noch Zeit braucht, bis der Beruf bekannt ist – auch bei Arbeitgebern. «Stellen, bei welchen explizit Mediamatiker gesucht werden, sind eher rar», stellt sie fest. Weil sie aber eine breite Ausbildung vorzuweisen hätten, könnten sie in vielen Bereichen eines Unternehmens eingesetzt werden. «Ich kenne viele, die als Webdesigner oder im Marketing arbeiten.» Die Kritik, dass die Ausbildung zu breit und damit zu wenig tief sei, teilt Simona Augstburger nicht. Mitarbeitende, die im Bereich Medien, Informatik, Gestaltung und Administration flexibel eingesetzt werden könnten, würden in Zukunft gefragt sein. 

Sich nicht unter Druck setzen

Allzuweit in die Zukunft blicken möchten Simona Augstburger und Samuel Aeschlimann derzeit aber nicht. Ihr nächstes Ziel ist ein gutes Abschneiden an den Swiss Skills. Der Eggiwiler qualifizierte sich zusammen mit elf anderen in einer nationalen Ausscheidung der Hufschmiede für die Schweizer Meisterschaften. Die Konolfingerin dagegen musste nicht bei den regionalen Qualifikationen antreten, da sie letztes Jahr an den Schweizer Meisterschaften der Mediamatiker und Informatiker den zweiten Rang belegte. Ist diese Platzierung eine Ansage für die Swiss Skills? Sie sei zwar ehrgeizig und stelle hohe Erwartungen an sich, aber sie wolle sich trotzdem nicht unter Druck setzen. «Natürlich wäre ein Podestplatz schön, aber wenns nicht klappt, ist das nicht schlimm», meint sie. Wichtiger seien das Erlebnis und die Erfahrungen, die man sammeln könne. 

Vorbereitung nicht einfach

Auch Samuel Aeschlimann geht mit Ambitionen an die Swiss Skills. «Zu gewinnen, wäre schon schön.» Die Vorbereitung sei aber nicht ideal verlaufen, da er momentan die RS absolviere. Dies zwar auch als Hufschmied, aber für den Wettbewerb üben könne er nicht so viel. So verbringt er die Wochenenden, die er frei hat, zum grössten Teil in der Schmiede in Signau. Anders als Simona Augstburger weiss er ziemlich genau, was der Inhalt der sechs Aufgaben ist, die es zu lösen gilt. Beispielsweise müssen ein orthopädisches Hufeisen und ein Alltagswerkezug geschmiedet werden. 

Bei den Mediamatikern sind die Details nicht zum Voraus bekannt, entsprechend schwierig ist die Vorbereitung. «Wir erhalten ein Thema beziehungsweise ein Produkt und müssen dazu ein Marketingkonzept schreiben, einen Flyer oder ein Poster gestalten, zeigen, wie das Design der Webseite aussehen könnte und das Storyboard für einen Trailer schreiben – alles in Englisch.» Während Simona Augstburger also mit rauchendem Kopf am Computer sitzen wird, dürfte bei Samuel Aeschlimann Rauch aufsteigen, wenn er das heisse, geschmiedete Eisen auf den Huf auflegt.

Die besten 900 jungen Berufsleute messen sich

Die Swiss Skills finden vom 12. bis 16. September mit 135 Berufen auf dem Bernexpo-Gelände in Bern statt. Aus dem Kanton Bern haben sich 214 Frauen und Männer qualifiziert. Sie gehören somit zu den 900 besten jungen Berufsleuten der Schweiz. Sie werden an den zweiten zentralen Berufsmeisterschaften um den Schweizermeistertitel kämpfen – vor den Augen von über 120‘000 erwarteten Besucherinnen und Besuchern. Diese können über 100 Berufe im Rahme von My Skills selber ausprobieren.

Die SRG wird am 15. September auf SRF 1 eine neunstündige Live-TV-Sendung von den Swiss Skills übertragen.

Die Swiss Skills werden nach 2014 zum zweiten Mal durchgeführt. Das Spezielle an diesem Grossevent: Meisterschaften der verschiedensten Schweizer Lehrberufe finden zentral zur gleichen Zeit am gleichen Ort statt.

40 Berufsleute aus dem Emmental und Entlebuch

Aus dem Verteilgebiet der «Wochen-Zeitung» haben sich folgende Berufsleute für die Swiss Skills qualifiziert:

Samuel Aeschlimann, Eggiwil, Hufschmied, Peter Rindisbacher, Signau; Simona Augstburger, Konolfingen, Mediamatikerin, Bundesamt für Informatik und Telekommunikation, Bern; Marco Beer, Trub, Boden-Parkettleger, Kühni AG, Ramsei; Sebastian Binggeli, Lützelflüh, Konstrukteur, Rondo Burgdorf AG, Burgdorf; Luca Brenzikofer, Langnau, Boden-Parkettleger, Weiss + Appetito, Kerzers; Jan Bucher, Hasle (LU), Schreiner, Schreinerei Eichenberger, Trub; Tirza Finsterwalder, Oberburg, Coiffeuse, Schnitt B, Grosshöchstetten; Jan Fuhrer, Hasle-Rüegsau, Informatiker, Bundesamt für Informatik und Telekommunikation, Bern; Sandra Gerber, Gohl, Malerin, GLB Emmental, Emmenmatt; Anita Gerber, Trub, Bäckerin-Konditorin-Confiseurin, Bäckerei Konditorei Eichenberger AG, Langnau; Sven Gerber, Röthenbach, Informatiker, Predata AG, Thun; Matthias Gerber, Wiggen, Zimmermann, Wicki Holzbau AG, Marbach; Martin Gottier, Worb, Plattenleger, Bründler + Partner AG, Hasle-Rüegsau; Stefanie Grädel, Ursenbach, Coiffeuse, KV-Lehre bei Ersparniskasse Affoltern (Zweitlehre); Fabian Graf, Bleiken, Fassadenbauer, Bauimpuls AG, Heimberg; Sabrina Held, Rüegsbach, Malerin, Jakob AG, Oberburg; Nick Hirsbrunner, Sumiswald, Boden-Parkettleger, Kühni AG, Ramsei; Michael Hirschi, Oberfrittenbach, Heizungsinstallateur, Heiztechnik Widmer AG, Langnau; Stefan Iseli, Schangnau, Landmaschinenmechaniker, Arm Eggiwil AG, Eggiwil; Caroline Jutzi, Grünen, Bäckerin-Konditorin-Confiseurin, Bäckerei-Confiserie Brioche, Kirchberg; Simon Keller, Häutligen, Fassadenbauer, Guggisberg Dachtechnik AG, Wabern; Patrick Krähenbühl, Mirchel, Heizungsinstallateur, Stalder AG, Zäziwil; Jan Lauber, Konolfingen, Informatiker, Fritz Studer AG, Steffisburg; Janik Lauber, Marbach, Gemüsegärtner, Bösiger Gemüsekulturen AG, Niederbipp; Sarina Liechti, Lauperswil, Plattenlegerin, Bauhandwerk AG, Langnau; Rebecca Limacher, Ranflüh, Gipserin-Trockenbauerin, Erhard GmbH, Emmenmatt; Lea Meier, Zollbrück, Malerin, G. Beck AG, Hasle-Rüegsau; Tizian Moret, Zollbrück, Logistiker, ESA, Burgdorf; Tabita Nussbaumer, Heimisbach, Floristin, Blumen Gfeller GmbH, Sumiswald; Silas Reist, Sumiswald, Automobil-Mechatroniker, S. Flückiger AG, Auswil; Manuel Riesen, Rüegsauschachen, Informatiker, Bict AG, Bern, Anina Rüegsegger, Linden, Wohntextilgestalterin, Eschle Innendekorationen, Thun; Cedric Salzmann, Eggiwil, Elektroinstallateur, Salzmann Elektro GmbH, Eggiwil; Sandra Schwarz, Sumiswald, Fachfrau Gesundheit, Spital Emmental AG, Langnau; Chiara Thierstein, Marbach, Detailhandelsfachfrau, Athleticum Sportmarkets AG, Heimberg; Lea von Bergen, Grünenmatt, Fleischfachfrau, Metzgerei Gygax AG, Lützelflüh; Chantal Wiedmer, Fankhaus, Floristin, Blumen Gardyland GmbH, Langnau; André Wüthrich, Affoltern, Heizungsinstallateur, D. Ramseier AG, Grünenmatt; Nadja Wüthrich, Langnau, Detailhandelsfachfrau,Bäckerei-Konditorei Eichenberger AG, Langnau; Remo Zaugg, Freimettigen, Landwirt.

06.09.2018 :: Silvia Ben el Warda-Wullschläger
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