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Schulhausabwarte kegeln seit 40 Jahren
Schulhausabwarte kegeln seit 40 Jahren Zollbrück: Kegeln war oft Nebensache, und trotzdem blieben sie bis heute dabei und haben Spass: Die kegelnden Schulhauswartinnen und Schulhauswarte.
Schulhausbetreuen und kegeln, das hat auf den ersten Blick nicht besonders viel miteinander zu tun. Vielleicht, dass die nie endende Putzar-beit oder die frechen Lausbuben die fleissigen Betreuer der Stätten der Weisheit manchmal so auf die Palme brächten, dass ein wuchtiger Schuss mit der Holzkugel sie vom Frust befreien könnte? Doch dem ist überhaupt nicht so. Die Schulhauswartinnen und -warte nutzten den gemeinsamen Zeitvertreib, um sich auszutauschen, über ihre Probleme zu reden, die Berufskollegen so gut verstehen wie sonst keiner. Und weil man dabei Freundschaft schloss, konnte man einander nicht nur praktisch aushelfen, sondern sich als Gruppe stärker Gehör verschaffen, wenn es um Anliegen gegenüber den Behörden ging.

40 Jahre kegeln
Die Kugel rollt, bahnt sich krachend eine Spur durchs Feld der Kegel. Kein «Babeli», auch nicht nach 40 Jahre üben! So lange schon treffen sich diese Frauen und Männer re-gelmässig sieben bis acht Mal jährlich zum Kegeln. Was Eduard und Martha Gerber zusammen mit Hans und Marianne Hirschi – heute leider verhindert – im einstigen «Schlüssel» in Langnau aufgegleist hatten, dehnte sich bald auf über 30 Teilnehmer aus dem Emmental und Oberaargau aus: Der Klub der kegelnden Schulhauswarte. Heute sind die acht ältesten, sozusagen Gründungsmitglieder der ersten Stunde, unter sich. Sie sind alle pensioniert, die aktiven Kollegen werden später folgen.

Böse Zeiten
Der Rückblick auf den Beginn ihrer gemeinsamen Kegelabende entlockt mancher gestandenen Hauswartin einen Seufzer. «Ich war damals froh um den Nebenverdienst und traute mich nicht, zu reklamieren», sind sich alle einig. Immerhin konnten sie sich die Zeit selber einteilen und mussten die Kinder nicht fremdbetreuen lassen. Dafür brachten sie sämtliche Geräte und Putzmittel von Zuhause mit und waren erst noch schlecht bezahlt – von Versicherung und Sozialzulagen keine Rede. Hauptamtlich angestellte Hauswarte waren etwas besser dran. Warum man aber im Sekundarschul-haus mehr Stundenlohn erhielt als im Primarschulhaus, konnte niemand erklären, es war aber so.
Die Frau des Hauswarts war nicht nur zur unentgeltlichen Mithilfe verpflichtet, sondern musste selbstverständlich sein gesamtes Arbeitspensum übernehmen, wenn er im Militärdienst oder krank war. Dass der Hauswart im Schulhaus wohnte und zu jeder Tages- und Nachtzeit für alle Fälle erreichbar war, schien selbstverständlich. Auch Kohleschaufeln und Heizen gehörte zu den Pflichten. Zugleich war der Hauswart Erste-Hilfe- und Sanitätsposten für jegliche Unfälle auf dem Areal. Weil die kleinen Patienten so fürsorglich betreut wurden, kamen sie ins Schulhaus gerannt, auch wenn sie anderswo oder auf der Strasse eine Verletzung erlitten hatten. Beim Grossreinmachen im Frühling und Herbst engagierten sich die Kinder gerne als Putzhilfe, wegen des Taschengeldes und dem feinen Zvieri – beides vom Hauswart spendiert.

Heute anerkannt
«Das ist vorbei, wir sind heute eine anerkannte Berufsgruppe mit gerechtem Lohn und Mitspracherecht», freut sich Johann Zürcher, der Präsident des Kegelklubs. Gemeinsam hätten sie für die Besserstellung gekämpft und dürften auch ein wenig stolz auf das Erreichte sein. Das Kegeln sei aber auch immer schön gewesen, sind sich alle einig, und darum kommen sie weiterhin zusammen, um statt des Besens die Kugel zu schwingen. Gut Holz!
12.01.2017 :: Gertrud Lehmann
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