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«Viele Arbeiten beim Bahnhofumbau müssen nachts ausgeführt werden»
«Viele Arbeiten beim Bahnhofumbau müssen nachts ausgeführt werden» Konolfingen:

Viele Arbeiten beim Bahnhof-Umbau können nur in der Nacht ausgeführt werden. Letzte Woche wurden die Hilfsbrücken über die neue Unterführung ausgebaut. 

Es ist 21.45 Uhr. Rund ein Dutzend Bauleute, Gleisebauer und Sicherheitsleute marschieren auf. Später, wenn die grossen Maschinen zum Einsatz kommen, werden es etwa 20 sein. Der Strom in den Fahrleitungen der Gleise 4 und 5 ist abgeschaltet. Die paar noch verkehrenden Züge fahren jetzt alle auf Gleis 2 und 3. «Während der drei Jahre dauernden Umbauphase gibt es viele Arbeiten, die wir in der Nacht ausführen müssen», sagt Guiomar Molina Ruiz. Sie ist als Oberbauleiterin für den Umbau in Konolfingen zuständig. In der Baracke präsentiert sie das Bauprogramm. Auf einem 140 mal 90 Zentimeter grossen Blatt Papier sind über 500 Positionen eingetragen, Jede mit einem Ausführungsdatum versehen. «Ausbau der beiden Hilfsbrücken im Bereich der neuen Personenunterführung» ist für die beiden Nächte vom 28. und 29. November 2017 terminiert. 

Was bedeutet dies genau? Die Oberbauleiterin erklärt: «Bevor wir die Personenunterführung Richtung Norden unter den Gleisen durchschieben konnten, mussten wir die Schienen auf eine tragfähige Hilfsbrücke stellen. Über eine Länge von zirka 20 Metern legten wir damals Stahlträger, welche nun wieder zurückgebaut werden.»

Bis ins kleinste Detail geplant

Auf der Baustelle sind die Arbeiten nun voll im Gange. Der Schienenbagger hebt die mit einem Benzinaggregat betriebene Flutlichtanlage unmittelbar neben den Ort des Geschehens. Bauarbeiter bringen Werkzeuge und kleinere Maschinen aufs Perron. Zwei Männer tragen je eine Metallfräse an die Enden der Hilfsbrücke. Mit dieser Fräse trennen sie die Schienen, so dass die Brücke nun frei liegt und der schwere Baukranzug sie wegtransportieren kann. Das Fräsen verursacht Lärm, dauert aber nur wenige Minuten. Der Polier Patrick Bigler bestellt per Funk den Kran, welcher auf dem Bahnhofareal, Richtung Zäziwil, auf seinen Einsatz wartet. Alles ist bis ins kleinste Detail geplant, jedes Gerät, jedes Werkzeug für seinen spezifischen Zweck gebaut. Der Kran ist mit einer Greifvorrichtung ausgerüstet, die explizit zum Heben dieser Stahlträger konstruiert wurde. 

Bis jetzt läuft alles wie am Schnürchen. Die Oberbauleiterin gibt keine Anweisungen. «Das ist nicht meine Aufgabe. Die anwesenden Bauführer und Poliere haben alles bestens im Griff», lobt sie ihre Mannschaft. 

Während der Baukranzug wieder Richtung Zäziwil in der Dunkelheit verschwindet, bohren zwei Bauarbeiter am Schienenende ein Loch, um später die bestehenden Schienen mit dem neu einzubauenenden Gleise fixieren zu können. Dies wird vorerst mit Schrauben und Eisenplatten (Laschen) gemacht. Nach ein paar Tagen und Nächten werden die Schienen zusammengeschweisst. 

Wozu braucht es so viele?

Nicht permanent steht jeder der Arbeiter in vollem Einsatz. Ähnlich wie in einem Theater die Schauspieler, wartet jeder konzentriert auf den Moment, in welchem er seine ihm zugeteilte Rolle spielen kann. Dann muss er parat sein. Die Handgriffe müssen sitzen. Beispielsweise jetzt, da die Schienen fixiert und und mit Laschen verbunden werden. Ein weiterer Part ist, die Erdung des neu eingesetzten, noch frei stehenden Zwischenstücks sicherzustellen. Hierfür wird es durch ein Drahtseil mit dem bestehenden Gleise verbunden. 

Besser vorangekommen als geplant

Auf dem Nebengleise kommt der Schotterwagen herangerollt. Er bringt Material, um die Lücke, welche die Hilfsbrücke hinterlässt, aufzufüllen. Den Untergrund bilden runde Steine, die das Wasser gut durchsickern lassen. Darauf kommt der eigentliche Schotter; das sind kantige Steine, die nach einer guten Einarbeitung mit einer kleinen Stampfmaschine eine feste Grundlage für das Gleise bilden.   

«Bis jetzt sind wir schneller vorangekommen als geplant», sagt Guiomar Molina Ruiz. Die grosse Stopfmaschine ist erst für 2 Uhr aufgeboten. So gibt es eine Pause.

Trotz Technik ist Handarbeit gefragt

Die eigentliche Stabilität erhält das neu eingelegte Gleise durch die Stopfmaschine, auch Gramper genannt. Mit vibrierenden, pickelartigen Eisenspitzen verdichtet dieser rund 35 Meter lange Koloss die Schottersteine unter den Schienen und Schwellen. Es geht ziemlich laut zu und her. Jetzt ist jeder der nun rund 20 Männer im Einsatz. Trotz Präzisionsarbeit der Maschine und deren Führer ist auch viel Handarbeit gefragt. Mit Schottergabel und Pickel werden einzelne Steinhäufchen so platziert, dass die Maschine sie gut verbauen kann. 

Nun zieht auch diese Maschine wieder ab. Es geht gegen 4 Uhr. Auf dem Bahnhof Konolfingen wird es still. Die nächsten Nächte werden die Anwohner wieder ruhig schlafen können. Und der Bahnhofumbau ist seiner Vollendung um eine Nachtschicht nähergekommen.

07.12.2017 :: Jakob Hofstetter
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