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Vom Wille des ­Menschen, zu leben
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Der Schriftsteller -Michael Lampart schildert in -seinem neusten Buch die Lebens-geschichte sieben hirnverletzter Menschen. Dabei steht deren -Lebenswille im Vordergrund.

Michael Lampart porträtiert sieben Patienten der Rehaklinik Zihlschlacht. Der Spokenword-Autor aus Langnau hört genau hin. Er protokolliert nicht nur, was die Leute ihm erzählen, sondern notiert auch, welche Ausdrücke sie verwenden. Auf diese Weise entsteht ein lebendiges Bild von sieben Menschen, von denen der Älteste 60 und die Jüngste 27 Jahre alt ist. 

Der Tag X

Alle erinnern sich genau an den Tag X, als das Unglück geschah und nichts mehr war wie vorher. Sandy Fischl, die ehemalige Kundenberaterin einer Bank: Der Grund für meinen Schlag war ein missgebildetes Blutgefäss im Gehirn. Das hatte ich seit meiner Geburt, wusste aber nichts davon. Anscheinend gibt es das oft. Dass es platzt, so wie bei mir, ist aber selten. Passiert ist es im Schlaf, an einem Sonntagnachmittag. Ich war schwanger und ein bisschen krank. Ich legte mich für zwei Stunden hin und als ich wieder erwachte…

Der Unfall, die Krebsdiagnose, der Hirnschlag trifft die Menschen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Betroffenen staunen bis heute darüber. René, der Buschauffeur: Du lebst in deinem Alltag, gehst deinem Beruf nach, du lebst im Fluss wie dein Nachbar, wie dein Kollege. Und eines Tages erwachst du mit Kopfweh. Du hast einen Hirnschlag. Und du bist in einer anderen Welt. Da denkt man schon: Wer steuert das?

Therapie ohne Ende

Nach dem Unfall lag Jana sechs Wochen im Spital, drei davon im Koma. Dann war sie zehn Monate in Zihlschlacht zur Reha. Ja, wirklich, zehn Monate. Anschliessend zwei Jahre Therapie in St. Gallen. Ergo-Logo-Physio, viermal die Woche. Von harten, endlosen Therapien erzählt nicht nur Jana, die Drogistin, sondern alle zu Wort kommenden Patienten im Buch. Nur langsam macht man Fortschritte. Immer wieder wird man konfrontiert mit dem, was man nicht kann. 

Sieben Leben

Die Patienten jammern nie. Dabei hätten sie guten Grund angesichts der Einschränkungen. Lukas, der Manager, weint manchmal vor Leuten. Sandra, die Jüngste im Bund, badet im Pool mit Schwimmweste, statt im Meer zu schwimmen, weil sie halbseitig gelähmt ist. Doch die Leute hadern nicht. Das Geschenk des wieder erlangten Lebens wiegt stärker. Neue Ausbildungen werden in Angriff genommen, zwei Frauen werden Mütter von gesunden Kindern, Liebesgeschichten werden wahr. 

Mit grossem Gespür und Können setzt der Schriftsteller Michael Lampart jedem der sieben ein Denkmal. Sandys Bericht lässt er mit folgenden Worten enden: Die Behinderung gehört zu mir. Sie ist zwar anstrengend, aber irgendwie auch spannend. Manchem würde es guttun, mal einen Tag lang so zu leben – festzustellen, dass man eigentlich ein gutes Leben hat. Ich bin heute zufriedener. Ja, ich glaube, ich bin glücklicher als vorher. 

Das Buch von Michael Lampart zeigt, dass nicht nur Katzen «sieben Leben» haben, sondern auch der Mensch. 

 

Michael Lampart, Sieben Leben, Verlag Wolfau-Druck AG,
Weinfelden, 2017.


 

08.03.2018 :: bhl.
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