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Zweites Eisfeld: «Mir ist klar, dass ich gehörig unter Druck stehe»
Zweites Eisfeld: «Mir ist klar, dass  ich gehörig unter Druck stehe» Langnau:

Die Markthalle kann bald abgerissen werden, die Baubewilligung für das zweite Eisfeld liegt vor. Dennoch hat Peter Jakob noch einige Fragen zu klären.

Peter Jakob, alles scheint bereit zu sein für den Bau des zweiten Eis-feldes. Wann gehts los?

In der Tat konnten wir in den vergangenen drei Jahren, seit wir das zweite Eisfeld konkret planen, vieles erledigen. Wertvoll ist insbesondere, dass wir mit den Bauern, welche die Markthalle betreiben, in Schüpbach eine sehr gute Lösung finden konnten. Zudem haben wir die Baubewilligung für das Vorhaben ohne eine einzige Einsprache erhalten. Dass die Bauarbeiten nicht schon im Frühling starten werden, liegt daran, dass die Finanzierung extrem schwierig ist. Ideal wäre, wenn wir im Frühling 2020 bauen können. 

 

Gehen Sie nach wie vor von Bau-kosten von 18 Millionen Franken aus?

Ja, damit ist zu rechnen, obschon ich hoffe, den Betrag durch verschiedene Optimierungen noch etwas senken zu können. 

 

Auch 17 oder 17,5 Millionen Franken sind ein stolzer Betrag. 

Ja, und noch ist nicht ganz klar, wie dieses Projekt finanziert werden soll. Ein Problem ist beispielsweise, dass die Banken keine Darlehen an Sportklubs gewähren. Deshalb habe ich mich grundsätzlich bereit erklärt, dass unsere Firma, die Jakob AG, als Bauherrin und Schuldnerin fungieren kann. Dasselbe haben wir ja bereits beim Stadionanbau gemacht. Nun habe ich vor drei Wochen erfahren, dass in dem Fall der Sportfonds des Kantons Bern seinen Beitrag nicht gewähren will, weil unsere Firma eine gewinnorientierte Unternehmung ist. 

 

Wie viel würde der Sportfonds denn an das Projekt beisteuern?

Das ist nicht ganz klar, weil nur die Kosten angerechnet werden können für Dinge, die rein dem Sport dienen. Gemäss ersten Berechnungen dürfte es sich um einen höheren sechsstelligen Betrag handeln. Wir werden nun versuchen, eine Lösung zu finden, damit der Sportfonds das zweite Eisfeld, das ja logisch der Sportförderung zugute käme, trotzdem unterstützt. Wir sind schlicht auf das Geld angewiesen. 

 

Die öffentliche Hand würde das Projekt weiter mit einer Million Franken aus dem Nationalen Sportanlagen-konzept und einem Darlehen von drei Millionen unterstützen. Für den Rest müssen private Geldgeber her. 

Wobei es fast unmöglich ist, gewillte Investoren für so ein Projekt zu finden. Möglich ist eher, dass sich Firmen oder Private mit Darlehen an dem Bau beteiligen. Für einen Teil der Baukosten habe ich konkrete Angebote erhalten. Darlehen sind gut und recht – die Leute wollen ihr Geld auch wieder zurück. Zudem muss der Betrieb des Eisfeldes für den Eishockeyklub später auch tragbar sein.  

Beim Anbau des Ilfisstadions hat Ihre Firma ungefähr gleich viel Geld aufgewendet wie das zweite Eisfeld kosten würde. Wie stehts da mit der Amortisation? 

Wir hatten dort den Vorteil, das wir einen grossen Teil mit Eigenkapital abdecken konnten, weil wir auf einen  Bau am Firmenstandort in Trubschachen verzichtet hatten. Die Darlehen konnten wir wie geplant zurückzahlen, so dass der von uns finanzierte Teil des Stadions im kommenden Jahr schuldenfrei sein wird. 

 

Derzeit investiert Ihre Firma in Trubschachen sowie in Vietnam rund 15 Millionen Franken. Könnte die Firma Jakob überhaupt noch ein weiteres Projekt stemmen?

Das ist die grosse Frage. Ich werde sicher keine Investition tätigen, welche unsere Firma gefährdet. Wir stehen kurz davor, dass die vierte Generation Jakob übernimmt und ich will kein marodes Unternehmen übergeben. Generell können wir auf gute Jahre zurückblicken, aber die weltweite Wirtschaft ist unter anderem mit den gegenseitigen Wirt-
schaftsembargos nicht eben einfacher geworden. Wir werden in den nächsten Monaten intensiv nach einer Lösung suchen – denn das Projekt ist für die SCL Tigers unbestritten von hoher Wichtigkeit.

 

Sie haben das zweite Eisfeld gefordert, um die wirtschaftliche Situation für die SCL Tigers zu verbessern. 

Eine verbesserte Nachwuchsabteilung ist der einzige Weg, um die Lohnkosten etwas einzudämmen. Wir brauchen bei den SCL Tigers mehr Eigengewächse und dafür eine bessere In-
frastruktur. Ansonsten sehe ich die Zukunft der Tigers in der höchsten Liga sehr düster. Dabei muss ich betonen, dass die SCL Tigers wirtschaftlich eines der grössten Unternehmen des oberen Emmentals sind – auch darum liegen die Tigers mir am Herzen. 

 

Also werden Sie alle Hebel in Gang setzen, um das zweite Eisfeld doch noch bauen zu können. 

Wird dieser Bau nicht in den nächsten Jahren erstellt, wird er wohl für immer ein Traum bleiben. 

 

Jetzt, wo abgesehen von der Finan-zierung alle Voraussetzungen gegeben sind, würde die Öffentlichkeit wohl kaum verstehen, wenn Sie die Übung abblasen würden. 

Mir ist klar, dass ich gehörig unter Druck stehe. 

 

Wie gehen Sie damit um? 

Wichtig ist, auf das Positive aufzubauen. An sich haben wir in den drei Jahren ja sehr viel erreicht. Und die Entwicklung der SCL Tigers stimmt ja auch positiv. Als ich begonnen habe, mich für die Tigers zu engagieren, sagten auch viele: Das kommt nicht gut. Die SCL Tigers AG war marode und hatte einen schlechten Ruf. Heute stehen die Tigers gut da und ein Matchbesuch ist ein gesellschaftliches Ereignis und mir macht es nach wie vor Spass, mich dafür einzusetzen.

Verworrene Geschichte um Eis, Kühe und Geld

Die Idee, beim Ilfisstadion ein zweites Eisfeld zu erstellen, hat die Führung der SCL Tigers bereits während der Sanierung und Erweiterung des Ilfisstadions 2012 ein erstes Mal aufgeworfen. Konkrete Pläne wurden auf Initiative von Peter Jakob, Verwaltungsratspräsident der SCL Tigers AG, ab 2015 geschmiedet. Schnell war klar, dass sich das zweite Eisfeld nur unmittelbar anschliessend an die Ilfishalle im Bereich der Markthalle realisieren liesse. Unter anderem weil dann technische Anlagen wie die Eisaufbereitung und die Lüftung für bei de Eisfelder laufen könnten, Garderoben für beide Eisfelder genutzt werden können und im Stadion noch eine kleine, zusätzliche Tribüne erstellt werden kann. 

Kritik an gemeinsamem Projekt

Zunächst wurde eine Kombination von Markt- und Eishalle verfolgt – was aber bei den Betreibern der Markthalle – regionale Viehzuchtvereine – zu Kritik führte. Eine ganze Reihe alternativer Standorte für eine Markthalle wurde geprüft und alle bis auf einen verworfen: Die Reitsporthalle Hübeli in Schüpbach. Ernst und Ulrich Kühni (Ersterer ist Verwaltungsrat der SCL Tigers AG) kauften die Reitsporthalle, werden diese baulich anpassen, mit einer neuen Zufahrt erschliessen und dann dem Verband Markthalle Oberes Emmental sowie dem Oberemmentalischen Reitverein verkaufen. Nur dank des Reitvereins kann die Markthalle in Langnau aufgelöst werden. Denn für die Viehzüchter wäre die Übernahme der Halle in Schüpbach kaum finanzierbar gewesen. Dank des Reitvereins hingegen kann das moderne Gebäude gut ausgelastet werden. Der Verein wird die Liegenschaft der alten Reithalle in Langnau abgeben. 

Baurecht wird abgelöst

Der Verband hatte die Markthalle in Langnau 1995 im Baurecht erstellt. Zur Ablösung des Baurechts hat das Gemeindeparlament vor knapp einem Jahr 1,1 Millionen Franken genehmigt. Gleichzeitig würde die Gemeinde ein Darlehen der Neuen Regionalpolitik in der Höhe von drei Millionen Franken, das einst für die Sanierung des Ilfisstadions gewährt, aber nicht gebraucht wurde, an die Bauherrschaft (Firma Jakob) weitergeben.  


 

25.10.2018 :: Bruno Zürcher
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