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Ich bin im Emmental zu einer Zeit aufgewachsen, in der das Grüssen eine Selbstverständlichkeit war. Ob Bekannter oder nicht – gegrüsst wurde jede und jeder. Nach vielen Jahren zurück in einem 1000-Seelen-Dorf in der Region stelle ich erstaunt fest, wie sehr in all den Jahren die Höflichkeit und das Benehmen auf der Strecke geblieben sind. Mein Gruss wird von einem Grossteil der Einwohnerinnen und Einwohner nicht erwidert und nicht nur das: Viele schauen mich an, als ob ich etwas falsch gemacht hätte und sowieso nicht hierher gehöre. Nun zum Ertaunlichsten: Ich berichte nicht von Jungen, nein, von Älteren, von Leuten also, die so aufgewachsen sind wie ich! Da meinetwegen niemand sein Verhalten ändern wird, passe ich mich künftig an, akzeptiere und höre ab sofort mit dem Grüssen auf. 

Zu Ihnen aber, die diese Zeilen gelesen haben, sage ich «guten Tag» und «auf Wiedersehen»!

 


Hans Tellenbach, Linden

Ich bin schon froh, dass ich jetzt weiss, dass die «Volksschule dem Volk gehört», und nicht, wie bisher angenommen, den Kindern und Jugendlichen. So wenigstens steht es auf dem Propaganda-Flyer «Ja zu einer starken Volksschule», der kürzlich flächendeckend jedem Haushalt zugeflattert ist (wo die nebst Gratis-Bratwurst- und Rösti-Meeting auch immer wieder das viele Geld her haben?). Da ist viel und immer wieder die Rede von Volk und Demokratie, so dass einem unheimlich zumute wird und ich deshalb den Verdacht nicht los werde, dass es bei der Vorlage um eine Volks- und Gesinnungskontrolle geht. Bekanntlich verderben viele Köche den Brei und den Schülerinnen und Schülern die Begeisterung für die Schule. Halten wir uns deshalb zurück und beschränken uns auf ein deutliches «Nein» an der Urne. 

Peter Kägi, Langnau

Ich bin überzeugt, dass die Annahme der Initiative «Ja zu einer starken Volksschule» auf keinen Fall Unsicherheit im Bildungswesen auslösen wird. Im Gegenteil wird der Regierungsrat dadurch, dass das Volk eine demokratische Notbremse hat, seine Arbeit umso besser machen. Dass der Grosse Rat genügend Möglichkeiten hat, die Schule über die Finanzen zu steuern, wie der Regierungsrat behauptet, finde ich fraglich. Zum Beispiel muss das neue, teure Französischlehrmittel «Mille feuilles» jetzt für viel Geld überarbeitet werden, weil es schlicht nicht taugt. Da sehen wir doch, dass mit Geld gar nichts gesteuert wird, was für die Bildung förderlich ist. Sonst wäre dieses Lehrmittel nicht in dieser Form eingeführt worden. 



Heidi Reist, Sumiswald

Die Tatsache, dass wir eine tiefe Jugendarbeitslosigkeit ausweisen, beweist, dass unsere Schule auf dem richtigen Weg ist. Der Lehrplan 21 stellt die an unsere schnelllebige Zeit angepasste Entwicklung unserer Schule sicher. Mit der Initiative soll vor allem dieser Lehrplan 21 gebodigt werden, Lehrplaninhalte sollen zukünftig im Grossrat diskutiert, möglicherweise sogar dem Volk vorgelegt werden. Dem Erziehungsdirektor wird unterstellt, den neuen Lehrplan praktisch im Alleingang einzuführen, ein unberechtigter Vorwurf. Das umstrittene Werk wurde von unzähligen Fachleuten entworfen und nach einer Vernehmlassung in der Lehrerschaft überarbeitet. Noch nie hatten wir im Kanton einen Bildungsdirektor, der derart intensiv den Kontakt zur Lehrerschaft gesucht hat, Anliegen entgegennimmt und in seine Arbeit einfliessen lässt, wie Herr Pulver dies tut. Ich habe den Verdacht, dass die Initianten nur solange eine Einheit bilden, als sie einen gemeinsamen Feind haben. Im Falle einer Annahme würde bald einmal ein grosses Hickhack um die zukünftige Gestaltung der Schule losgehen, was dem Wohl unserer Jugendlichen nicht förderlich wäre. Gerade weil ich für eine starke Schule bin, werde ich die Initiative «Lehrpläne vors Volk» ablehnen. 

Heinz Wittwer, Langnau
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