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«Am Trachtenfest sollen sich Bewährtes und Neues ergänzen»
«Am Trachtenfest sollen sich Bewährtes und Neues ergänzen» Langnau: Am Trachtenfest in einem Monat steht die Pflege der Gemeinschaft und des Brauchtums im Mittelpunkt. Das Interesse an der Volkskultur steige, findet der OK-Präsident.

1929 wurde in Biglen die Bernische Trachtenvereinigung gegründet – zum 90. Geburtstag lädt sie am Wochenende vom 29. und 30. Juni zum grossen Fest nach Langnau. Hier befinden sich sozusagen die Wurzeln des bernischen Trachtenwesens, wurde die erste Trachtengruppe doch in Langnau gegründet. Am bernischen Trachtenfest und am schweizerischen Volkstanzfest werden Trachtenfreunde aus der ganzen Schweiz erwartet. OK-Präsident Hansruedi Spichiger blickt dem Fest mit Freude, aber auch einer gewissen Spannung entgegen.

 

Das bernische Trachtenfest findet nur sporadisch statt, das letzte Mal vor 15 Jahren. Weshalb nicht häufiger?

Tatsächlich ist das jetzige Trachtenfest seit 1974 erst das fünfte in diesem Rahmen. Ich sehe zwei Hauptgründe: Einerseits findet bei uns, anders etwa als bei einem Jodlerfest, kein Wettkampf statt. Zudem gibt es noch eidgenössische Feste und Unspunnenfeste. Da die Vorbereitung für die einzelnen Trachtengruppen mit grossem Aufwand verbunden ist, könnte ein engerer Festkalender zu einer Festmüdigkeit führen.  

 

Sie leiten das Kern-OK mit zwölf und das erweiterte OK mit 35 Personen. Warum nehmen Sie diesen Aufwand auf sich?

Ich bin seit 54 Jahren in der Trachtenbewegung verwurzelt, 13 Jahre war ich Obmann der bernischen und zwölf Jahre der schweizerischen Trachtenvereinigung. Ich möchte mit meinem Engagement dazu beitragen, das ideelle und kulturelle Gut der Schweiz hoch zu halten, um es der nächsten Generation übergeben zu können.

 

Das Trachtenfest soll ein Fest für alle Generationen werden. In einem Monat geht es los, was steht noch an?

Auf dem Papier ist alles bereit, jetzt beginnt die Umsetzung: Versand der Festführer, Aufbau und Einrichten der Zelte, weitere Helferinnen und Helfer rekrutieren und vieles mehr. Wichtig ist, dass wir auf Unvorhergesehenes flexibel reagieren können. Beispielsweise erhielten wir für das Kinderfest 550 Anmeldungen! Viel mehr, als wir gedacht hatten. Die Folge war, dass wir den Handwerkermärit verlegen mussten, um auf dem Viehmarkt genug Platz zu haben.

 

Scheint, dass Sie und das OK alles im Griff haben. Dann blicken Sie dem Fest entspannt entgegen?

Ich bin zuversichtlich, dass alles gut laufen wird, aber eine gewisse Anspannung kann ich nicht leugnen. Was wir definitiv nicht planen können, ist das Wetter. Damit verbunden ist ein gewisses finanzielles Risiko. Bei Regenwetter würden weniger Besucher kommen als bei Sonnenschein. Die Einnahmen aus dem Abzeichenverkauf und der Festwirtschaft wären dann geringer.

 

Wie hoch ist Ihr Budget? 

Etwas über 600’000 Franken. Kalkulierbare Einnahmen sind die Festkarten, welche alle Mitglieder, die mitmachen, lösen. Froh sind wir auch um die Beiträge von verschiedenen Partnern und Sponsoren. Eintritt verlangen wir nirgends. Das wäre angesichts der öffentlichen Festplätze organisatorisch kaum möglich und würde unserem Gedanken, ein Volksfest für alle durchzuführen, widersprechen. 

 

Ein Volksfest, bei dem die Tracht und das Brauchtum im Mittelpunkt stehen. Wie zeitgemäss ist das?

Gerade in unserer globalisierten und schnelllebigen Zeit stelle ich auch bei jungen Menschen eine gegenläufige Bewegung fest. Das Interesse am Brauchtum, an den Traditionen ist in den letzten Jahren gewachsen. In einer unübersichtlichen Welt besinnt man sich eher wieder auf seine Wurzeln.  

 

Dann glauben Sie, dass es auch in 15 oder 30 Jahren ein Trachtenfest geben wird?

Ja, denn Zukunft ist Herkunft, daran ändert sich nichts. Verändern könnte sich die Form, wie das Brauchtum, die Volkskultur gelebt werden. Bei jungen Menschen ist eine Vereinsmitgliedschaft nicht mehr so beliebt, sie engagieren sich lieber projektbezogen. Dem werden die Vereinigungen Rechnung tragen müssen. 

 

Klingt das auch im Motto «Bewährtes erhalten – Neues gestalten» an? 

Mit diesem Motto wollen wir zeigen: Wir sind in Bewegung. Die Tracht, die Lieder und der Volkstanz leben in und mit der Zeit. Die Tracht von heute unterscheidet sich beispielsweise bei den Stoffen und den Schnitten von jenen aus den Gründungsjahren, ohne dass das Erscheinungsbild geändert wurde. Beim Volkstanz und beim Liedgut finden auch neue Schöpfungen Zuspruch. Eben: Altbewährtes und Neues ergänzen sich.

29.05.2019 :: Silvia Wullschläger
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