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Der erste Emmental March Contest
Der erste Emmental March Contest

Einen Tag voller Blasmusik bescherte der erste Emmental March Contest dem Dorf Oberburg. Und die Leute hörten gerne zu.

Emmental March Contest – das klingt englisch, und von England kommt auch die Idee. Der Dirigent der Musikgesellschaft Frohsinn Oberburg, Jan Müller, nahm mit den Oberburgern dreimal am «Whit Friday» in England teil (siehe Kasten). Jedes Mal kehrten die Musikanten total begeistert zurück und überlegten sich schliesslich, selber etwas Ähnliches zu veranstalten. So entstand erstmals der neue, in der Schweiz einzigartige Blasmusik-Wettbewerb: der Emmental March Contest (EMC).

Ein prächtiges Bild

Vor dem Schulhaus war für die Musikanten eine überdachte Bühne aufgebaut. Das war nicht nur praktisch wegen des ungewissen Wetters, sondern auch eine Erleichterung für die Musiker, die nicht einmarschieren mussten. Sie boten in ihren schmucken Uniformen, flankiert von Blumen tragenden Ehrendamen und dem Fähnrich, ein prächtiges Bild. 23 angemeldete Formationen spielten dann in vier unterschiedlichen Kategorien: Brass Band A und B sowie Wind Band A und B. Das bedeutete immerhin sechs Stunden Spielzeit. Am Abend dann, nach der Rangverkündigung und Preisverleihung, ging es mit Musik weiter; Party mit Pfistermen’s Friends war angesagt. 

Falls der EMC zum Erfolg wird, und das wird er bestimmt, haben Jan Müller und sein Team schon ein Datum für die nächste Austragung reserviert: 5. September 2020. Dann ist bestimmt mit noch mehr Teilnehmenden zu rechnen.

Junge lieben Blasmusik

Für die je drei bestklassierten Musikgesellschaften gibt es nebst einer Trophäe ein Preisgeld von bis zu 1500 Franken zu gewinnen. Die Bezeichnungen der vier Kategorien seien international, erklärt Müller: Brass stehe für herkömmliche Blasmusik mit Perkussionsintrumenten, Wind dagegen seien ausschliesslich Bläser. Jan Müller ist Euphonium-Lehrer an der Musikschule Burgdorf, und er betreut nebst der Musikgesellschaft Frohsinn auch die Young Brassers Oberburg. Schon seine Eltern spielten in einer Blasmusik, er wuchs mit diesen Klängen auf. Das erklärt vielleicht seine grenzenlose Begeisterung. Er freut sich, dass immer mehr junge Leute sich für Blasmusik interessieren, da hier nicht nur traditionelle Märsche, sondern auch moderne, anspruchsvolle Stücke gespielt werden.

Jury urteilt blind

Die langen Bänke vor der Bühne füllten sich rasch, als die Harmonie Münchenbuchsee als Erste sich mit einem Choral einzuspielen begann. Bewertet wurde hingegen erst der darauffolgende Marsch, so wie bei allen folgenden Teams auch. Die Jury setzte sich aus den anerkannten Musikern und Dirigenten Thomas Rüedi und Jean-Claude Kolly zusammen. Sie waren in einem Gartenhäuschen mit abgedeckter Fensteröffnung versteckt. Nicht etwa, um sie vor Racheakten enttäuschter Teilnehmer zu bewahren, sondern damit sie absolut unparteiisch urteilen konnten, da sie die Spieler nur hören und nicht sehen konnten. 

Fachkundiges Publikum

Unter den Zuhörenden befanden sich nebst Blasmusik-Freunden viele ehemalige und natürlich auch aktive Musikantinnen und Musikanten. Fachkundig beurteilten sie die Vorträge, begrüssten alte Bekannte und freuten sich über ihnen vertraute Musikstücke. So etwa «Arnheim», das äusserst beliebt zu sein scheint, wurde es doch an diesem Nachmittag gleich viermal gespielt. Dabei liege der Komposition eine verlustreiche Schlacht zugrunde, wie der Moderator vor dem Spiel erläuterte. Daher also der melancholische Unterton. Man darf nicht vergessen, dass die Blasmusik ursprünglich vom Militär herkommt. Als Marschmusik führten die Musikanten die Soldaten in den Krieg und feuerten sie vor der Schlacht an.

Nachwuchsförderung

Parallel zum Wettbewerb fanden gratis Schnupperstunden auf verschiedenen Blechblas- und Perkussionsinstrumenten statt, welche vor allem die jungen Besucherinnen und Besucher ansprechen sollten. Nach wie vor gehört es zu den wichtigen Aufgaben der Musikgesellschaften, junge Leute zum gemeinsamen Musizieren anzuregen. Musikinstrumente werden zur Verfügung gestellt.

 

Die Erstplatzierten und die Rangierung der Vereine aus dem Gebiet der «Wochen-Zeitung»: Wind Band B: 1. Stadtmusik Lenzburg; 7. Musikgesellschaft Hasle-Rüegsau. Brass Band B: 1. Musikgesellschaft Därstetten; 4. Brass Band PC Lützelflüh-Grünenmatt; 5. Musikgesellschaft Biglen. Wind Band A: 1. Stadtmusik Biel. Brass Band A: 1. Brass Band Emmental.


 

Ein alter Brauch

Das Pfingstfest, englisch Pentecost oder Whitsunday, wurde in England eine ganze Woche lang gefeiert. Dabei wurden vor allem in Arbeiterstädten, Pfingstumzüge mit Blumen und Fahnen abgehalten, an denen auch Musikkapellen aufspielten. In Stalybridge und den umliegenden Dörfern werden seit 1870 am Whit Friday Brass-Band-Wettbewerbe durchgeführt, die Tausende von Musikern wie auch Zuhörern anziehen. Dabei ziehen die Musikgesellschaften bei jedem Wetter von Ort zu Ort und werden da von einer Jury bewertet. Nicht nur die Musik, auch Disziplin und Durchhaltevermögen zählen. Zuletzt wird ein Gewinner erkoren. 

12.09.2019 :: Gertrud Lehmann
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