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Die Stände am Signauer Märit stehen wieder enger beieinander
Die Stände am Signauer Märit stehen wieder enger beieinander Emmental/Entlebuch:

Eine Interessengemeinschaft setzte sich das Ziel, den Signauer Märit wiederzubeleben. Auch andernorts versucht man, rückläufigen Besucherzahlen entgegenzuwirken.

Auf Schritt und Tritt begegnen einem lachende Gesichter oder Fratzen in Form von Kürbissen. Leute in spitzen, schwarzen Hüten oder als Teufel und Hexe verkleidet stehen hinter Ständen. In dichten Spinnweben sitzen fette, schwarze Achtbeiner. Auch das trübe, düstere Wetter passt zum Motto des Signauer Märits vom 31. Oktober: Halloween. Die Stimmung jedoch ist heiter und gelöst. Man trifft Bekannte, betrachtet die Auslagen und ersteht die schon lange gesuchten Socken oder ein erstes Weihnachtsgeschenk. «Der Märit ist viel besser und vielfältiger geworden», sagt eine Besucherin. Ihr Begleiter zeigt die vollen Taschen: «Wir jedenfalls haben alles gefunden.» Auch bei den Marktfahrerinnen und -fahrern ist Lob zu hören: Das Angebot sei attraktiv, die Anordnung der Stände sinnvoll und die Organisation gut. Einzig der Verkauf sei eher mässig, die Leute etwas zurückhaltend. «Es braucht Zeit, bis sich der Markt in der heutigen Form etabliert», meint eine Marktfahrerin. Sie sei auf jeden Fall nächstes Jahr wieder dabei.

Sortiment vielseitiger

Solches Lob hört Heinz Wüthrich von der Interessengemeinschaft Signauer Märit gerne. Noch vor drei Jahren überlegten sich die Verantwortlichen im Gewerbeverein, die beiden Jahrmärkte nicht mehr durchzuführen: zu gering die Zahl der Besucher und der Stände (50 bis 60), zu gross die Verluste. Doch dann schlossen sich einige Gewerbetreibenden zusammen mit dem Ziel, dem Märit neues Leben einzuhauchen. «Wir haben die Situation analysiert und ein Konzept erstellt», erklärt Heinz Wüthrich das Vorgehen. Dazu hätten sie verschiedene Märkte besucht und mit den Verantwortlichen Erfahrungen ausgetauscht. Als erstes wurde das Sortiment unter die Lupe genommen. «In den letzten Jahren hatte es viele ähnliche Stände, vorwiegend mit Kleidern, was natürlich für die Besucherinnen und Besucher nicht attraktiv ist», beschreibt er ein Problem. Sie hätten darauf geachtet, eine gute Durchmischung zu erreichen und deshalb gezielt Marktfahrer angefragt. Ein besonderes Augenmerk richteten die Organisatoren dabei auf Anbieter aus der Region. 

Stände dichter beieinander

«Auch bei der Anordnung der Stände haben wir Änderungen vorgenommen», führt Heinz Wüthrich aus. «Sie stehen wieder näher beieinander. Auf einem Markt darf es etwas eng werden, so kommt die richtige Stimmung auf.» Im Dorfkern sei nun der Handwerker- und Warenmarkt angesiedelt und beim Bahnhof verschiedene Attraktionen wie Ponyreiten und Trampolinspringen. «Vorher war das nicht so klar strukturiert», sagt Wüthrich. Die Werbung sei zudem intensiviert worden, dank Sponsoringbeiträgen stehe man finanziell besser da. 

Die ersten beiden Märkte nach diesem Konzept stimmen den Vorsitzenden der IG zuversichtlich. «Im Frühling hatten wir 85 Stände, heute über 100. Auch die Zahl der Besucher entwickelt sich positiv.» Auf den Lorbeeren ausruhen dürften sie sich jedoch nicht, ist sich Heinz Wüthrich bewusst. So suche der Marktchef das Gespräch mit Standbetreibern und Besucherinnen, um weitere Verbesserungen vorzunehmen. «Es wird sich herumsprechen, dass der Signauer Märit wieder attraktiv ist.»

«Firabe-Märit» und Alpabfahrt locken Leute an

Viele Organisatoren von Jahrmärkten machen sich Gedanken über den Fortbestand dieser Tradition. In Sumiswald wollte die Gemeinde vor zehn Jahren die damals fünf Jahrmärkte mangels Interesse streichen. Die Marktfahrer Hansueli Beyeler und Rosmarie Rüegsegger entschlossen sich, den Märit noch zweimal im Jahr selber zu organisieren. Es laufe recht gut, sagt Beyeler, der in Schangnau ein Schuhgeschäft betreibt. Jedoch sei die Zahl der Stände mit den Jahren gesunken, von rund 40 auf 30.

Auch in Grosshöchstetten hat man wegen des Besucherrückgangs Änderungen vorgenommen; der Frühlingsmarkt wird seit letztem Jahr versuchsweise als «Firabe-Märit» organisiert. «So können die Leute nach der Arbeit noch über den Märit», erklärt Nicolle von Arx, zuständige Sachbearbeiterin auf der Gemeindeverwaltung. Die ersten Erfahrungen seien positiv. Der Markt im Herbst findet unverändert statt.

In Schüpfheim verzichtet man seit diesem Jahr ganz auf den Frühlingsmarkt, dies wegen markant rückläufiger Besucherzahlen, wie Gemeindepräsidentin Christine Bouvard Marty erklärt. «Wir geben uns etwas Zeit, um zu prüfen, ob es einen Ersatzmarkt braucht und wenn ja, in welcher Art.» Eine Arbeitsgruppe werde sich der Sache annehmen. Auf grosse Beliebtheit stosse der Kalte Markt.

Keine Probleme mit dem Besucherinteresse kennt man in Eggiwil. Besonders der Herbstmarkt, der mit der Alpabfahrt vom Rämisgummen ge-
koppelt werde, ziehe viele Leute an, sagt Gemeindeschreiber Stefan Ruch. «Manchmal werden wir fast überrannt.» Etwas kleiner mit 70 bis 80 Ständen sei der Frühlingsmärit.

07.11.2019 :: Silvia Wullschläger
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