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Eine gute Lektüre ist wie sauberes Wasser
Auszeit:

Zuerst eine Geschichte aus der Zeit der altchristlichen Wüstenväter, die uns helfen kann, den Advent sinnvoll zu begehen.

Am Rande der Wüste lebte ein Eremit. Eines Tages besuchte ihn ein junger Mann und klagte ihm sein Leid. «Ich lese so viele heilige Texte», sagte er. «Ich studiere in den Büchern und vertiefe mich in die Schönheit all der Worte. Ich möchte sie behalten und als einen Widerschein der ewigen Wahrheit in mir bewahren. Aber es gelingt mir nicht. Alles vergesse ich! Ist die mühevolle Arbeit des Lesens und Studierens umsonst?»

Der Eremit hörte ihm gut zu und gab ihm einen Binsenkorb. «Hol mir aus dem Brunnen dort Wasser», sagte er zu dem Jüngling. «Hat er meine Frage nicht verstanden?», fragte sich dieser. Widerwillig nahm er den von Staub verschmutzten Korb auf und schöpfte Wasser, das längst herausgelaufen war, als er zurückkehrte. «Geh noch einmal», sagte der Eremit. Der junge Mann gehorchte. Immer wieder füllte er Wasser in den Korb, immer wieder rann es zu Boden. Nach dem zehnten Mal konnte er aufhören. «Sieh den Korb an», sagte der Eremit. «Er ist ganz blank geworden. So geht es dir mit den Worten, die du liest und bedenkst. Du kannst sie nicht festhalten, sie gehen durch dich hindurch und du hältst die Mühe für vergeblich. Aber, ohne dass du es merkst, klären sich deine Gedanken und machen dein Herz rein.»

Wie viel Minderwertiges lesen, hören oder sehen wir Tag für Tag! Das alles hinterlässt einen unschönen Belag in unserem Denken und Verhalten. Der Advent ist eine Zeit, die uns einlädt, an eine innere Reinigung zu denken. Diese geschieht aber nicht in einem einmaligen Hau-Ruck-Verfahren. Der schmutzige Belag muss immer von Neuem hinausausgespült werden, in einem langsamen Reinigungsprozess, wie uns die obige Geschichte zeigt. Dabei hilft das klare Wasser einer guten Lektüre. Warum nicht wieder einmal ein Griff zur Bibel?



05.12.2019 :: Rudolf Vogel, röm.-kath. Pfarrer im Ruhestand, Schüpfheim
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