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Es hoppelt selten
Es hoppelt selten Wildtiere vor unserer Haustür:

Der Feldhase ist im Emmental und Entlebuch nur noch selten anzutreffen. Eine ganze Reihe von Faktoren beeinflussen seinen Bestand.

«Sorgen bereitet mir vor allem, dass der Bestand der Feldhasen in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen hat, obwohl die Tiere an sich eine gute Nahrungsgrundlage haben und sich rasch fortpflanzen», sagt Simon Capt. Der Biologe betreut am Schweizerischen Zentrum für die Kartografie der Fauna die Datenbank der Säugetiere. Die Bestände der Feldhasen werden seit Jahren regelmässig in verschiedenen Gebieten der Schweiz erhoben. «Verantwortlich für den Rückgang ist primär die gestiegene Jungensterblichkeit», erklärt er. 

Leise Hoffnung

Nach Jahrzehnten stets kleiner werdenden Populationen scheint sich diese zumindest etwas zu stabilisieren. «2018 weist die Feldhasendichte eine leichte Aufwärtstendenz auf», steht im Feldhasenmonitoring des Bundesamtes für Umwelt (Bafu). Wertet man die Zahlen genauer aus, so fällt auf, dass die Bestände im Ackerbaugebiet auffallend höher sind als in Gegenden mit ausschliesslich Grünland. Die Dichte in den Ackerbaugebieten schwankt seit dem Jahr 1991 zwischen 4,9 und 10,5 Feldhasen pro 100 Hektaren. 2018 lag der Wert bei durchschnittlich 8,5 Feldhasen. «In den Grünlandgebieten nahm der Bestand von 1991 bis 2010 ab und verharrt seither auf tiefem Niveau (zirka 1,7 Feldhasen pro 100 Hektaren)», geht aus dem Feldhasenmonitoring weiter hervor. 

«Dort, wo Ackerbau betrieben wird, können die Hasen ihre Jungen beispielsweise im Getreide aufziehen, das erst in diesen Tagen gedroschen wird. Auch dann haben die Hasen noch die Möglichkeit, sich in später reifenden Kulturen zu verstecken», weiss Simon Capt. Im reinen Grünland haben es die Feldhasen schwerer, weil die Wiesen immer früher und häufiger gemäht werden. «Auch fehlen hier die Pufferzonen, welche kaum bewirtschaftet werden. Ebene Wiesen werden fürs Heuen genutzt, steilere als Weiden, und diese reichen oft bis unmittelbar an den Wald», hat Simon Capt beobachtet, der durchaus Verständnis für das Bestreben der Landwirte hat, ihre Erträge zu optimieren. Er hält aber fest, dass das Land aus Sicht der Fauna immer stärker unter Druck gerate. «Der Feldhase ist ein guter Indikator für die ökologische Qualität einer Landschaft», sagt der Biologe. Die Tierart reagiert empfindlich auf Eingriffe, wobei nicht nur die Landwirtschaft eine Rolle spielt. «Auch Siedlungen und Strassen verdrängen und zerschneiden die Lebensräume der Feldhasen.» In der Region Belp beispielsweise haben neue Strassen, das Siedlungswachstum sowie die intensive landwirtschaftliche Nutzung zu einem völligen Zusammenbruch des Hasenbestandes geführt. 

Es sei schwierig, auf die Problematik aufmerksam zu machen, weil dieser Prozess schleichend vonstatten gehe: Hier wurde vor Jahrzehnten ein Bach eingedohlt, da entsteht eine neue Wohnüberbauung, dort kann dank neuer Maschinen ein steiles Wiesenbord gemäht werden, dass früher kaum genutzt wurde. Diese Entwicklung macht auch vor der Region Emmental-Entlebuch nicht Halt. «Auf den ersten Blick macht die Gegend einen natürlichen, lieblichen Eindruck», sagt Simon Capt. Die veränderte Landschaft hat dem Bestand der Feldhasen aber derart zugesetzt, dass sie seit einigen Jahren beim Feldhasenmonitoring nicht mehr berücksichtigt wird. 

Fehlende Biodiversitätsflächen 

Simon Capt begrüsst die Bestrebungen der Agrarpolitik, ökologisch wertvolle Flächen mit Zahlungen an die Landwirte zu honorieren. Dies unterstreichen auch die Erhebungen des Bafu: «Neuste Modellrechnungen zeigen, dass Feldhasen nur dann eine gewisse Populationsdichte erreichen, wenn der Anteil wertvoller Biodiversitätsförderflächen (BFF) mindestens zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmacht, diese sinnvoll vernetzt ist und wenn die BFF eine hohe ökologische Qualität aufweisen.» – «Nach wie vor fehlt bei vielen Landwirten aber die Wertschätzung für Massnahmen zugunsten der Natur, die Produktion steht im Vordergrund», findet Capt. Hinzu komme, dass bei den Landwirten wie auch bei der restlichen Bevölkerung das Wissen über die Tierarten in ihrer unmittelbaren Umgebung fehle oder verloren gehe, hat Capt bei Führungen die Erfahrung gemacht. «Viele haben noch nie einen Siebenschläfer, ein Hermelin oder einen Feldhasen gesehen.» 

Jagende Katzen

Dass sich die Hasen trotz ihrer Gabe, sich rasch fortpflanzen zu können – eine Häsin kann pro Jahr bis 20 Junge haben – nicht verbreitet, liegt auch an den Räubern. «Was glauben Sie, ist das häufigste Raubtier in der Schweiz?», fragt der Biologe. Füchse? Rotmilane? – «Nein, die Hauskatze! In der Schweiz hat es rund 1,5 Millionen Katzen, und lange nicht alle halten sich immer drinnen auf. Der Bestand der Füchse, welche natürliche Feinde der Feldhasen sind, wird hingegen auf nur gut 200’000 geschätzt.» Weiter treffen nebst den Füchsen und weiteren natürlichen Räubern auch herumstreunende Hunde auf junge Feldhasen. «Wir haben festgestellt, dass um Siedlungen mit vielen Hunden und Katzen sehr selten Feldhasen zu finden sind.» Auch die Bestände der Greifvögel beeinflussen jene des Feldhasen. «Der Rotmilan war einst ein Zugvogel. Weil die Winter milder werden, bleiben die meisten Milane im Land», nennt Capt ein Beispiel. Zusetzen können dem Feldhasen, insbesondere den Junghasen, auch längere nasskalte Wetterbedingungen.   

«Es sind ganz viele Faktoren, die den Bestand der Feldhasen beeinflussen», fasst der Biologe zusammen. Deshalb sei es so schwierig, die Entwicklung überhaupt zu erfassen und die richtigen Massnahmen zu ergreifen. «Gute Resultate wurden in Gegenden mit einer stabilen Feldhasenpopulation erreicht, indem die Lebensräume gut miteinander vernetzt wurden und der Natur einen Anteil an Freiräumen zugestanden wurde», erklärt Simon Capt. Und was kann der einzelne tun? «Es hilft sicher, wenn man im privaten Garten mit gutem Beispiel voran geht und ihn naturnah gestaltet. Davon profitieren auch andere Tierarten wie der Igel oder die Haselmaus», empfiehlt Simon Capt. 

 

In der kommenden Woche schauen wir, was sich in den hiesigen Bächen und Flüssen tummelt. 

 

Steckbrief des Feldhasen

Der Feldhase (Lepus europaeus) besiedelt offene und halboffene Landschaften. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 42 bis 68 Zentimeter. Das Gewicht beträgt 2,5 bis 6,4 Kilogramm. Der Feldhase ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Tiere sind ausserhalb der Paarungszeit Einzelgänger und ruhen am Tag in flachen, meist gut gedeckten Mulden. Feldhasen erreichen über kurze Distanz Geschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometern und springen bis zu zwei Meter hoch; auch können sie gut schwimmen. Die Fortpflanzung dauert von Januar bis Oktober, die Weibchen bekommen drei- bis viermal Junge. Die Tragzeit beträgt etwa 42 Tage. Die Würfe umfassen meist ein bis fünf Junge; sie werden behaart und sehend geboren. Mehr als die Hälfte der jungen Hasen wird kein Jahr alt. Seit den Sechzigerjahren ist der Bestand in vielen Teilen Europas stark abnehmend. 

Quelle: Wikipedia.org

31.07.2019 :: Bruno Zürcher
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