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Geduld und eine ruhige Hand
Geduld und eine ruhige Hand Armbrustschiessen:

An der Weltmeisterschaft der Armbrustschützen in Russland holte Mirco Steiner aus Wasen in der Kategorie U-23 drei -Medaillen. Nun will er sich auch bei der Elite beweisen. 

Bei den Stichworten WM und Russland hat Mirco Steiner sofort ein breites Strahlen auf dem Gesicht. Gleich drei Medaillen konnte der 22-Jährige aus Wasen gewinnen: Gold über 30 Meter kniend, Gold mit dem Schweizer U-23-Team in der Kombination über 30 Meter (kniend und stehend) sowie Silber, ebenfalls mit dem U-23-Team, über zehn Meter. «Heuer konnte ich zum letzten Mal in der Kategorie U-23 starten, entsprechend machte ich mir schon Hoffnungen auf Spitzenränge», berichtet Mirco Steiner, welcher seit 2014 dem Nationalkader angehört.

WM-Qualifikation und Lehrabschluss

Die Vorbereitung war indes alles andere als einfach. Zunächst musste er sich überhaupt für die WM qualifizieren; die entscheidenden Wettkämpfe fanden just in den Wochen statt, in denen Abschlussprüfungen für seine Zweitlehre als Sanitärinstallateur anstanden. «Das war schon sehr happig», meint er rückblickend. Aber auch in der Lehre schaffte er ein tolles Resultat: die Note 5,4. «Im Hinblick auf die WM habe ich pro Woche drei Trainings à rund zwei Stunden absolviert und an den Wochenenden Wettkämpfe», erklärt Mirco Steiner. Nicht nur das Üben im Schiessstand in Langnau ist unerlässlich, sondern auch physisches Training. «Die Rumpfkraft ist sehr wichtig», weiss der 22-Jährige. Schliesslich wiegt die Armbrust gut sieben Kilogramm. Zwar tragen die Athleten, wie bei anderen Schiesssportarten auch, spezielle Kleidung, welche stützen. Anders als beim Schiessen mit dem Gewehr ist aber das Laden aufwändiger, weil die Armbrust mit dem Spannhebel für den nächsten Schuss vorbereitet werden muss. Und dann ist viel Geduld und Ausdauer gefragt: Der Wettkampf – 30 Schuss stehend, 30 Schuss kniend – läuft über je anderthalb Stunden. Dazwischen findet eine Pause von 30 Minuten statt. Der Wettbewerb dauere auch so lange, weil die Scheibe nach jedem Schuss zurückgefahren und eine neue Scheibe eingesetzt werden müsse, erklärt Mirco Steiner. Besteht nicht die Gefahr, dass er sich ablenken lässt, wenn beispielsweise der Schütze nebenan die Scheibe zurückfahren lässt, während er zielt? «Davon merke ich eigentlich nichts. Ich bin voll auf mich fokussiert», sagt Mirco Steiner, der seit zehn Jahren regelmässig mit der Armbrust schiesst. 

In Vaters Fussstapfen 

Auf diese Sportart aufmerksam geworden ist er über seinen Vater, Samuel Steiner, der seit 25 Jahren mit dem Armbrustvirus infiziert ist. Er habe zuvor andere Schiesssportarten betrieben. «Nach dem ersten Probetraining mit der Armbrust habe ich mir gleich ein Gerät gekauft», berichtet Samuel Steiner. Auch er hat an der WM in Russland teilgenommen, in der Kategorie Senioren, in der sich Athleten ab 45 Jahren messen. Und wie sein Sohn erzielte auch er über 30 Meter sein persönlich bestes Ergebnis. Am Ende resultierte die Bronzemedaille. Familienintern hat übrigens der Sohn die Nase vorn: Er schaffte bei den 30 Schüssen 283 Punkte, sein Vater 277. Beide aber betonen, dass die Voraussetzungen nicht gleich waren. «Manchmal hatte es extrem viel Wind», sagt Samuel Steiner und Mirco ergänzt: «Weil der Wind aus verschiedenen Richtungen und in verschiedenen Stärken auftrat, musste jeder Schütze eine Art Mittelmass definieren, bei dem er schiessen wollte.» 

Im kommenden Jahr wird Mirco Steiner bei der Elite anzutreten haben. «Das ist ein grosser ‹Gump›», meint der 22-Jährige. «Ich werde im selben Umfang weiter trainieren und hoffe, so rasch wie möglich den Anschluss an die Spitze zu schaffen.» Ein Fernziel ist die EM 2020, welche in Kroation stattfinden wird. 

An der WM in Russland war die Mannschaft des Gastgebers am erfolgreichsten. Russland hatte mehrere Athleten am Start, die Halbprofis sind, weiss Samuel Steiner. Davon ist die 15-köpfige Schweizer Delegation weit entfernt. Armbrustschiessen ist eine Randsportart. Ein Blick auf die Teilnehmerliste zeigt, dass die Sportart nur in wenigen Nationen Europas betrieben wird. Eine Delegation stammte zudem aus Indien.

Ein Hightech-Sportgerät

Dass es sich bei der Armbrust nicht um eine antiquierte Waffe handelt, wird einem sofort klar, wenn die Steiners ihre Sportgeräte erklären. So wird beispielsweise der Abzug elektronisch betätigt und damit der Schütze sicher ist, dass er seine Armbrust ganz gerade hält, ist beim Korn eine kleine Wasserwaage angebracht. Diese kann bei widrigen Lichtverhältnissen sogar beleuchtet werden.Der Armbrustkörper selber besteht aus verleimtem Holz. Beim Bogen hingegen kommt ein viel moderneres Material zum Einsatz: Er ist aus Karbon gefertigt. Aus demselben Material ist auch der Pfeil, eigentlich handelt es sich um einen Bolzen. Die Spitze aber ist aus Wolfram gebaut, dem härtesten Metall. «Auch wenn man manchmal mit dem Material hadert, wenn man nicht trifft, liegt der Grund so gut wie nie bei der Armbrust, sondern beim Schützen», meint Mirco Steiner. Zu hadern haben Mirco und Samuel Steiners momentan wenig.

 


29.08.2019 :: Bruno Zürcher
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