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Geschäfte im Ortskern halten: Einiges, aber nicht alles lässt sich steuern
Geschäfte im Ortskern halten: Einiges, aber nicht alles lässt sich steuern Langnau:

Mit dem Wegzug des Modegeschäfts Kaktus Fashion ins Ilfiscenter verliert der Dorfkern einen weiteren Laden.
Das ist schlecht für die Kundenfrequenz. Was ist zu tun?

Am 25. Februar wird die Import Parfumerie ihre Filiale im Ilfiscenter in Langnau schliessen. Über die Gründe gibt das Unternehmen, das der Coop-Gruppe gehört, keine Auskunft. Lange wird die Verkaufsfläche nicht leer bleiben. Am 20. März eröffnet nämlich das Modegeschäft Kaktus Fashion dort seinen Laden. Der Grund für den Wechsel von der Kirchgasse ins Ilfiscenter liege an der Kundenfrequenz, sagt Riario Merlin, Mitglied der Geschäftsleitung der Modehaus Oesch AG, zu der Kaktus Fashion gehört. Seit der Schliessung der Vögele- beziehungsweise OVS-Filiale habe sich diese verschlechtert. «Den neuen Standort sehen wir als Chance und als gute Ergänzung zum Angebot im Center.» Der Laden sei etwa gleich gross und man werde dasselbe Sortiment führen.

Kampf an verschiedenen Fronten

Dass an der Kirchgasse erneut ein Geschäft schliesst, bedauert Thomas Gerber, Vizepräsident des Vereins Pro Langnau (VPL). Dieser Verein hat den Zweck, «Langnau als regionales Einkaufszentrum umfassend zu profilieren», wie es auf der Homepage heisst. «Wir sind bestrebt, möglichst viele Geschäfte im Ortskern zu halten; das belebt das Dorf. Je breiter das Angebot, desto mehr Leute kaufen hier ein.» Dies zu erreichen, sei ein schwieriges Unterfangen, kämpfe der Detailhandel heute doch an verschiedenen Fronten. Gerber nennt die wachsende Konkurrenz durch den Onlinehandel und fehlende Nachfolgelösungen als grösste Herausforderungen. Aber auch die Tendenz, Einkaufszentren am Dorfrand zu bauen, sei unerfreulich. In Langnau sind drei grössere Überbauungen geplant, alle südlich der Bahnlinie: Bahnhof-Süd, Ilfiskreisel und Stämpfliareal. In beiden letzteren wollen Aldi beziehungsweise Lidl ein Geschäft eröffnen. «Das wird die Leute noch mehr vom Dorfkern wegziehen», befürchtet Thomas Gerber. Machen gegen diese Entwicklung könne der VPL nichts. Der Inhaber der Metzgerei am Viehmarkt hofft, dass die Kundschaft den Geschäften im Dorfkern trotzdem die Treue halten wird. Und er appelliert an die Politik, am bestehenden Verkehrs- und Parkplatzregime nichts zu ändern. «Die gute Erreichbarkeit ist ein wichtiger Faktor für die Läden.» 

Nur Gewerbe im Erdgeschoss

Der Einfluss des Gemeinderats auf die Entwicklung im Dorfkern dürfe nicht überbewertet werden, betont Gemeindepräsident Walter Sutter. «Wenn ein Geschäft schliesst oder ein Discounter ausserhalb des Dorfkerns eine Filiale eröffnen will, können wir dies kaum verhindern. Da spielen der freie Markt und das Konsumverhalten eine Rolle.» Mitbestimmen könne die Politik jedoch bei den Rahmenbedingungen und der Gestaltung. Sutter nennt zwei Beispiele: Aldi müsse am Ilfiskreisel mehrstöckig bauen. Ein eingeschossiges Gebäude, wie sie mancherorts auf der grünen Wiese stünden, sei nicht erlaubt. Zudem sei im Rahmen der Ortsplanungsrevision vorgesehen, dass in der Kernzone das Erdgeschoss weiterhin gewerblich genutzt werden müsse, wo dies heute schon der Fall sei. «Damit stärken wir den Dorfkern und verhindern, dass Gewerbeflächen zu Wohnraum umgenutzt werden», führt Walter Sutter aus. 

Mieter stehen nicht Schlange

Dass es nicht ganz einfach ist, für leerstehende Gewerberäume im Dorfzentrum neue Mieter zu finden, weiss
Patricia Kunz. Seit Vögele Shoes beziehungsweise die Modekette OVS im Juni 2018 die Türen schliessen musste, sind die insgesamt 1000 Quadratmeter im Erd- und Untergeschoss ungenutzt. «Die Nachfrage ist nicht gross», sagt Kunz, die im Auftrag der Liegenschaftsbesitzerin, der Loreda Real Estate GmbH aus Zürich, die Fläche vermarktet. Sie nennt verschiedene Gründe: Für einige Detailhändler sei Langnau zu klein, für andere die Fläche zu gross und dritte bevorzugten die Lage am südlichen Dorfrand. Trotzdem: «Wir geben nicht auf und stehen immer wieder mit Interessenten in Kontakt.»

In Aarberg funktionierts

Dieses Dranbleiben gefällt Philipp Hubacher, Ortsplaner der Gemeinde Langnau. Die Vorgabe, in der Kernzone im Erdgeschoss von bestehenden Geschäftshäusern grundsätzlich nur eine gewerbliche Nutzung zu erlauben, erhöhe den Druck auf die Liegenschaftsbesitzer, eine solche Lösung auch wirklich anzustreben. «Mit Gewerbe sind nicht nur Verkaufsläden gemeint, sondern auch Praxen oder Büros, die ebenfalls Kundschaft und Mitarbeitende ins Zentrum bringen.» Dass dies funktioniert, hat der Ortsplaner in verschiedenen Gemeinden mit einer ähnlichen Lösung erlebt, so etwa in Aarberg. Detailhandel und Gewerbe erfreuten sich im Ortskern einer guten Frequenz, obwohl es in der Vorstadt auch Grossverteiler und Discounter habe. «Es ist besser, solche Anbieter nahe am Zentrum anzusiedeln als in der Peripherie», betont Hubacher. Der geplante Aldi beim Ilfiskreisel werde die Angebote der Geschäfte im Ortskern ergänzen und so auch Kundschaft bringen. «Dies wäre anders, wenn im Schärischachen gebaut würde.» 

Philipp Hubacher attestiert dem Gemeinderat von Langnau, eine gute Durchmischung und vielfältige Nutzung im Dorfkern zu fördern. «Alles lässt sich aber nicht steuern und der gesellschaftliche Wandel nicht aufhalten.» 



16.01.2020 :: Silvia Wullschläger
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