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«Landschaftsschutz überwiegt das wirtschaftliche Interesse»
«Landschaftsschutz überwiegt  das wirtschaftliche Interesse» Oberdiessbach:

Die kantonale Baudirektion hiess eine Beschwerde gegen die Überbauung Chriseggle gut und erteilte den Bauabschlag. Die Gemeinde ist anderer Meinung.

An der Gemeindeversammlung letzten Montag (siehe Kasten) orientierte Gemeindepräsident Niklaus Hadorn, dass die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) die Beschwerde zur Überbauung Chriseggle gutgeheissen habe. Dort sind sechs zweigeschossige Mehrfamilienhäuser mit Attika geplant, insgesamt 40 Wohneinheiten. Zudem soll eine Autoeinstellhalle erstellt werden. Gegen das Projekt wehrten sich Anwohner. Das Bauvorhaben sei unvereinbar mit dem Orts- und Landschaftsbild, lautet ihr wichtigstes Argument. Das Regierungsstatthalteramt als Bewilligungsbehörde wies die Einsprachen der Anwohner ab und bewilligte das Vorhaben. Darauf zogen die Anwohner die Beschwerde an die BVE weiter, welche diese am 12. November guthiess und den Bauabschlag erteilte. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig, nächste Instanz ist das Verwaltungsgericht.

Eine bauliche Wand

Die BVE nimmt auch Bezug auf die Stellungnahme der Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) Bern-Mittelland. Diese kam nach diversen Begehungen zum Schluss, das Bauvorhaben sei nicht bewilligungsfähig. Die Bauparzelle auf der Chriseggle befinde sich auf einer Hügelebene. Sie sei von verschiedenen Anhöhen im Dorf einsehbar und prägend für den Siedlungsrand. Der Standort erfordere ein sensibles, dem Ort angemessenes Eingreifen. Sechs Mehrfamilienhäuser in diesen Dimensionen und mit einer verbauten Umgebungsgestaltung sind aus Sicht der OLK dort nicht denkbar. Das Projekt sei zu dicht für den Siedlungsrand. Es weise weitgehend einheitliche Gebäudehöhen und eng beieinander stehende Häuser auf. «Dadurch gibt es keine Durchblicke mehr ins Alpenpanorama», schreibt die OLK. Es entstehe regelrecht eine bauliche Wand. Die BVE stützt die Beurteilung der Kommission. «Die Anforderungen an eine gute Gesamtwirkung sind nicht erfüllt, weshalb das Bauvorhaben nicht bewilligungsfähig ist.» 

Die BVE nahm zudem eine Interessenabwägung zwischen Ortsbild- und Landschaftsschutz sowie den privaten und öffentlichen Interessen vor. Einerseits gehe es darum, die Landschaft zu schonen, andererseits den Boden haushälterisch zu nutzen. «Angestrebt wird aber nicht eine maximale Ausnutzung und Verdichtung von Parzellen am Siedlungsrand, sondern eine hochwertige Siedlungsentwicklung nach innen», hält die BVE fest. Dies sei im Fall Chriseggle nicht der Fall. «Das Interesse des Ortsbild- und Landschaftsschutzes überwiegt das private, wirtschaftliche Interesse der Bauherrschaft an einer maximierten Ausnutzung der Parzelle.» 

Gemeinde sieht es anders

Anders ist die Sicht der Gemeinde Oberdiessbach, wie sie in einer Stellungnahme schreibt: «Die Gemeinde hat sich mit dem Bauvorhaben und dem Erscheinungsbild am Siedlungsrand eingehend befasst und teilt die Haltung der OLK nicht.» Das Projekt überzeuge durch seine Ausarbeitung und Gestaltung, die Überbauung sei zeitgemäss und gut durchgrünt. Die Einbettung in die Landschaft sei durchaus verträglich und es entstehe ein hochwertiges Quartier. Das Projekt wurde vom Gemeinderat und von der Baukommission gutgeheissen.

Wie die Bauherrschaft, die Steiner AG mit Sitz in Zürich, auf Anfrage mitteilt, werde derzeit intern abgeklärt, wie das weitere Vorgehen sei und ob der Entscheid weitergezogen werde.  

Im Kirchbühl solls im neuen Jahr weitergehen

An der Gemeindeversammlung in Oberdiessbach war im Verschiedenen die Überbauung Kirchbühl ein Thema. Die Arbeiten seien seit April eingestellt, informierte Gemeindepräsident Niklaus Hadorn. Der Investor habe gewechselt, es sei geplant, nach Neujahr mit Bauen fortzufahren. 

Genehmigt haben die 58 anwesenden Stimmberechtigten die Totalrevision der Gemeindeordnung. Die Kommission Tiefbau und Betriebe erhalte damit mehr Entscheidbefugnisse, führte Hadorn aus. Weiter werde die Finanzkompetenz des Gemeinderates von 100’000 auf 200’000 Franken erhöht und das fakultative Finanzreferendum für den Allgemeinen Haushalt abgeschafft. Diesem unterstehen heute Kredite zwischen 100’000 und 200’000 Franken. «In den letzten zehn Jahren wurde dieses kein einziges Mal ergriffen», so der Gemeindepräsident. Die Kompetenz für
wiederkehrende Ausgaben im Allgemeinen Haushalt wird von 20’000 auf 40’000 Franken erhöht. 

Einstimmig genehmigt wurde auch das Wahl- und Abstimmungsreglement sowie das Budget 2020. Dieses sieht im Gesamthaushalt bei einem Aufwand von 21,3 Millionen ein Defizit von 343’000 Franken vor. Die Steueranlage bleibt bei 1,54 Einheiten. Der Finanzplan prognostiziert von 2020 bis 2024 Defizite, welche mit dem Eigenkapital gedeckt werden können. 

 

05.12.2019 :: Silvia Wullschläger
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