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Naturschauspiel mit Tausenden von Zugvögeln beobachtet
Naturschauspiel mit Tausenden von Zugvögeln beobachtet UBE Entlebuch:

Zu Zehntausenden ziehen die Zugvögel im Herbst in den Süden. Im Mettilimoos, Entlebuch, zählten Ornithologen den Bestand der unterschiedlichsten Vogelarten.

Die Ornithologen Paul und Christian Rogenmoser zählen seit Jahren mit ihrem Verein «Natur Netz Schüpfheim» die Zugvögel; am vergangenen Wochenende zum dritten Mal für «Bird Life Luzern». Sie betrieben eine von 63 Schweizer Beobachtungsstationen, die an der «Euro Birdwatch» teilnahmen. Paul Rogenmoser empfing beim Moor Mettilimoos, Entlebuch, die Besucher der UBE-Beobachtungsexkursion. Grosse Schautafeln bei der alten Torfstecherhütte berichteten über den Zug der Vögel und deren Routen, die seit Menschengedenken die gesamte Oberfläche unseres Planeten umspannen. Rund 50 Milliarden Zugvögel sind jährlich unterwegs. 

Vögel am Flugbild erkennen

Mit Fernrohren und Feldstechern suchten Paul und Christian Rogenmoser mit ihrem Team den Horizont ab. Aus allen Richtungen kamen Vögel. Sie flogen schnell und hoch und waren am bewölkten Himmel nicht so leicht zu entdecken. Doch die geübten Augen und Ohren der Ornithologen erkannten sie am Flugbild und Gesang. «30 Stare, 20 Erlenzeisige, 40 Buchfinken», riefen die Zähler fast gleichzeitig. Diese drei Arten gehören zu den 20 häufigsten Zugvogelarten im Mettilimoos. Einige wie Erlenzeisige und Buchfinken überwintern auch hier und gelten als Teilzieher. Die aufgezeichneten Daten geben Rückschlüsse auf die Bestände. Gewisse erholten sich dank Schutzmassnahmen, andere gingen zurück, so die Ornithologen.

Bodenbrüter ist verschwunden

Plötzlich tauchte ein Wiesenpieper auf. «Der hat vor 30 Jahren im Mettilimoos gebrütet», erinnerte sich Paul Rogenmoser. «Inzwischen haben sich im Moor neue Bäume angesiedelt und der Bodenbrüter Wiesenpieper ist verschwunden. Nur der Baumpieper, dessen Bestände auch zurückgehen, brütet noch hier.» Letzte Woche seien die ersten in Richtung Winterquartier gestartet. Wie die drei anderen Arten seien sie Kurzstreckenzieher und überwinterten in Südeuropa. 

Noch ein paar Nachzügler

Auch der Storch sei über das Mettilimoos geflogen, sei aber bereits weg, erzählte Paul Rogenmoser. Dasselbe gelte für die Mauerläufer. «Von den Schwalben haben wir nur noch einige Nachzügler gezählt.» Diese Langstreckenflieger ziehen früh in den Süden.Die Mehlschwalbe überwintert zwischen Sahelzone und Südafrika. Sie zieht im September weg und kehrt Anfang April in ihr Brutgebiet zurück. 

Sonne und Sterne leiten

«Beim Finden des Überwinterungsgebietes und Wiederfinden des Brutplatzes bei der Rückkehr helfen der Schwalbe zwei Orientierungssysteme», erläuterten die Ornithologen. Die Richtungsorientierung lasse sie der Position von Sonne und Sternen folgen. Wenn die Sonne nicht scheine und die Sterne verdeckt seien, richte sie sich nach dem Magnetfeld der Erde. Die Zielorientierung ermöglicht ihr, Leitlinien wie Gebirgen, Flüssen oder Küstenstreifen zu folgen. Die Karte ihres Geburtsorts haben die Vögel im Kopf gespeichert.

Fliegen im Schutz der Nacht

Um halb elf Uhr zeigte sich plötzlich die Sonne. Vier Rohrweihen flogen vorbei und als Höhepunkt für Christian Rogenmoser ein Merlin. Dieser kleine, falkenartige Vogel kommt in der Schweiz nicht vor. Wie die Rohrweihe ist er ein Durchzieher und überwintert im Mittelmeerraum. Greifvögel sind Segelflieger und am Tag unterwegs, weil sie auf warme Luftmassen angewiesen sind. Zwei Drittel der Vögel sind Nachtflieger. In der Dunkelheit sind sie besser vor Feinden geschützt und haben nicht mit Hitze und weniger mit Winden zu kämpfen. 

Um 16 Uhr nachmittags wurde die Zählung beendet, obwohl man bis zum Eindunkeln hätte weitermachen können, denn die Vögel machten keine Pause. Die drei am häufigsten gezählten Arten waren die Buchfinken mit 20’000 Exemplaren, gefolgt von 18’300 Erlenzeisigen, 450 Staren und weiteren 22’500 Vögeln anderer Arten. 55 Interessierte haben den Vogelzug im Mettilimoos mitverfolgt.

10.10.2019 :: Bernadette Waser
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