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Sonnenuntergang
Auszeit:

Es ist doch die grösste Selbstverständlichkeit, dass jeder Abend die Sonne untergeht. Der Sonnenuntergang verzaubert im frühen Frühling ganz besonders die Landschaft. Die Romantik steigt, besonders dann, wenn sie sich durch die leicht verschneiten Wälder für ein paar Stunden verabschiedet. Dieses Ereignis hat im Grunde genommen zwei Seiten. Es macht einerseits einen Strich unter den einen Tag: «Alles, was heute passiert ist, kannst du nicht mehr rückgängig machen. Die Freuden, aber auch die Sorgen, die den Tag geprägt haben, werden unter Umständen morgen ganz anders aussehen. Du kannst zwar jetzt darüber schlafen. Dabei musst du dir bewusst sein: Wenn der Tag wieder anbricht, dann werden andere Sachen dich beschäftigen, den neuen Tag prägen und ihn einmalig machen.» 

Jeder Sonnenuntergang lädt uns ein, über den zu Ende gehenden Tag nachzudenken, dankbar zu sein für all das, was einem gelungen ist, aber auch, was einem der Tag geschenkt hat. Das muss keineswegs etwas Ausserordentliches sein. 

Vielleicht begegnen wir bei einem Tagesrückblick auch den Momenten, da wir angeeckt sind. Das Gegenüber hat eine ganz andere Einstellung. Er oder sie setzt andere Prioritäten. Es könnte durchaus sein, dass einem in den Sinn kommt, dass ich doch dem einen oder anderen durch mein Dasein, mit einem einzigen Wort eine kleine Sonne bringen konnte, weil ich mir für ihn Zeit genommen habe. Vielleicht habe ich heute einmal ganz bewusst zugehört, ohne dem Gegenüber ins Wort zu fallen, um mich dann als «Besserwisser» zu brüsten.

Die ganze Fastenzeit ist immer eine Art Sonnenaufgang und -untergang.

Wir sind eingeladen, über unseren eigenen Tellerrand hinauszuschauen in eine ganz andere Welt. Manchmal ist das mühsam und manchmal sehr spannend. Wer es jedoch nie probiert, der bleibt stehen!

12.03.2020 :: Jakob Zemp, Wallfahrtspriester, Heiligkreuz im Entlebuch, Schüpfheim
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