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Wenn administrative Umwege zur neuen ARA-Brücke führen
Wenn administrative Umwege zur neuen ARA-Brücke führen Langnau:

Die so genannte ARA-Brücke soll neu gebaut werden und zwar so, dass sie bei Hochwasser rasch angehoben werden kann. Sinken müssen hingegen noch die Baukosten.



Viel Wasser der Ilfis ist schon talwärts geflossen, seit in Langnau darüber diskutiert wird, die ARA-Brücke neu zu bauen oder zumindest zu sanieren. «Ja, da hat sich einiges getan», meint der zuständige Gemeinderat Beat Gerber, Ressort Bauwesen. «Gut, dass es nun vorwärts geht.» 

Am Montag ist die Einsprachefrist abgelaufen für den Neubau der Brücke. Einsprachen sind bis zu diesem Zeitpunkt keine eingegangen, wie das Regierungsstatthalteramt Emmental auf Anfrage mitteilt. Das Baugesuch war bereits zum zweiten Mal aufgelegen, weil beim ersten die Grundwasserabsenkung vergessen ging. «Um die Fundamente der Auflager bauen zu können, muss in diesen Bereichen das Wasser abgepumpt werden», erklärt Beat Gerber.  

Seit 2015 braucht es mehr Platz

Das zusätzlich Baugesuch ist nicht der erste Umweg, den das Bauvorhaben nehmen muss: Vor sieben Jahre lautete die Absicht, die bestehende Brücke zu sanieren und zu verstärken, so dass sie künftig von 40-Tönnern befahren werden kann. Der Grosse Gemeinderat genehmigte die gut 600’000 Franken damals aber nicht. «Zum Glück», wie Gemeinderat Gerber heute sagt. «Hätte man die Brücke so angepasst, wie damals vorgesehen, würde sie den Anforderungen bezüglich Hochwasser bereits heute nicht mehr genügen und wäre in der Gefahrenkarte vermerkt.» Wie das? «2015 wurden auf Bundesebene die Hochwasserquote verschiedenster Gewässer angepasst. Weil die Ilfis bei einem Unwetter viel Schwemmholz mit sich führt, wurde der minimale Durchlass im Vergleich zu anderen Flüssen erhöht», führt Beat Gerber aus. Bei der ARA eine fixe Brücke zu bauen, welche genügend Durchlass bietet, ist situationsbedingt kaum möglich; vor allem rechtsseitig hat es zu wenig Platz. Vorgesehen ist nun eine Brücke, die sich bei Bedarf anheben lässt. «Der Hubmechanismus besteht aus zwei Gewichten aus Beton und einer hydraulischen Bremsanlage. Die Gewichte sind schwerer als die Brücke und befinden sich bei abgesenkter Brücke oben. Es muss sich nur ein Ventil der hydraulischen Bremse öffnen und die Brücke hebt sich in Sekunden über ein fest verbundenes Seil selbständig an», erklärt Gerber. Erst eine solche Brücke ist schweizweit in Betrieb und zwar im Wallis.    

Reicht das Geld aus?

Das Gemeindeparlament wie auch das Stimmvolk Langnaus haben im vergangenen Jahr den Kredit über 1,57 Millionen Franken genehmigt. 

Beat Gerber orientierte Ende 2019 das Gemeindeparlament, dass die Baukosten gemäss der eingereichten Offerten «ordeli» höher ausfallen würden. Mittlerweile ist klar, warum dem so ist: «Bei der Kostenberechnung, welche zum Betrag von 1,57 Millionen Franken führten, ist dem Ingenieurbüro ein Fehler unterlaufen: Ein Posten mit Baumaterial ist im Kostentotal nicht berücksichtigt worden.» Nun wurden die Arbeiten noch einmal ausgeschrieben und das Ingenieurbüro habe die Unterlagen dazu kostenlos zusammengestellt, wie Gerber betont. Zuerst werden nun die Arbeiten für den Brückenbau und den Hubmechanismus vergeben, erst dann jene für den Baumeister. Gerber hofft, dass so die Bauführung günstiger werde. Resultate habe er noch keine, die schweizweite Ausschreibung laufe noch bis Anfang März. «Wenn wir die Zahlen haben, können wir entscheiden, wie es weitergeht», blickt Gerber voraus. «Sind die Kosten innerhalb des bewilligten Kredits ist alles in Ordnung, andernfalls müssen wir dem Parlament einen Nachkredit beantragen.» Bruno Zürcher



Zwei weitere Brücken mit mangelndem Durchlass

Wie tauglich sind die anderen -Brücken Langnaus bezüglich der Hochwasserquote? Die alte Holzbrücke bei der Badi verfüge ebenfalls über zu wenig Durchlass, sagt Beat Gerber, Gemeinderat mit dem Ressort Bauwesen. Dort sei vorgesehen, diese im Rahmen der bereits geplanten Sanierung anzuheben. Zu klein ist der Durchlass auch bei der Bädlibrücke. «Dort kommt wohl nur ein Neubau mit einer neuen Konstruktion in Frage», meint Gerber. In Ordnung ist die Ilfisbrücke beim Kreisel (Kanton) wie auch die Ramsere- und die Flühackerbrücke, bei denen die Gemeinde zuständig ist. 

Was kosten diese Bauvorhaben die Gemeinde Langnau? «Für die -Brückensanierungen sind im -Investitionsplan 4,2 Millionen Franken eingestellt», sagt Gerber. Diese Kosten müsse die Gemeinde selber tragen. 

Daneben werden laut einer ersten groben Zusammenstellung rund zwölf Millionen Franken für den Hochwasserschutz mit Unterhalts- und Renaturierungsmassnahmen eingesetzt werden müssen. Dank Subventionen von Bund und Kanton werden sich hier die Restkosten der Gemeinde auf rund eine Million Franken belaufen. 

 

20.02.2020 :: sds
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