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Das Januarloch

Neustens habe ich irgendwo gelesen, dass das Januarloch ein typisches Wort der Schweizer ist. Auch wenn ich nicht ganz daran glaube, könnte dies durchaus möglich sein: Der «Black-Friday» und viele andere Angebote gängeln uns Konsumenten seit den vergangenen Wochen mit Billig- und Billigstangeboten. Sie reden uns ein, dass wir nur dann glücklich sind und nur dann die Bedürfnisse unserer Liebsten stillen können, wenn wir diesen oder jenen Artikel kaufen, der inzwischen spottbillig ist. Es werden die billigsten Billigangebote angepriesen. Die vorweihnachtliche Zeit ist vorbei und trotzdem werden wir Konsumenten nicht in Ruhe gelassen. Wegen des Januarlochs gibt es scheinbar noch billigere Angebote als sonst. Wir werden mit allen möglichen und unmöglichen Tricks geangelt: «Drei für zwei!», «Zusatzpunkte – aber nur eine kurze Zeit.» Für wie vieles muss der Monat Januar sonst noch herhalten: Er muss erdulden, dass in den ersten Tagen immer noch die alte Jahreszahl geschrieben wird – es sei denn, dass der Computer automatisch korrigiert. Unser Denken wird oft arg strapaziert. 

Das Januarloch kann durchaus auch eine positive Seite haben. Ich möchte dies mit ein paar Sätzen von Monika Minder unterstreichen: «Die Tage sind stiller geworden. Man hat sogar das Gefühl, die Autos fahren leiser als gewöhnlich. Die Menschen sind müde, fast noch müder als die Katzen. Wer sich würdig Vorsätze fasste, hat sie brummig schon wieder verlassen. Wenig Zeit und noch weniger Geld, und doch seltsam, wie sich alles verhält. Verlangt denn das Jahr schon so viel?» Es verlangt bereits uns selber! Wenn wir uns in einem Januarloch befinden, dann sind wir weitgehend selber schuld. Es ist gut, wenn wir dem vertrauen können, der einen auch in einem solchen Loch nicht vergisst. 


16.01.2020 :: Jakob Zemp, Wallfahrtspriester, Heiligkreuz im Entlebuch, Schüpfheim

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