Wir sind pessimistisch geworden. Wo man hinschaut: Gefahren, Kriege, Polarisierung, Veränderung zum Schlechten. Anstatt die Umwelt zu schützen, rüsten wir auf. Wozu grüne Energie? Die Welt geht doch sowieso kaputt. Nicht nur in Amerika, auch bei uns findet man diese Haltung immer häufiger. Krisen werden heraufbeschworen, Ängste werden bewirtschaftet, nicht nur aus Kalkül, auch aus Lust am Untergang. Wir tanzen auf dem Vulkan, bis er ausbricht. Das ist nichts Neues. Auch vor 2000 Jahren dachten viele Menschen so, warteten gebannt auf diesen Tag des Untergangs, in einer
Mischung aus Angst und Faszination. Wenn die Welt kaputt ist, beginnt eine neue. Davon waren viele überzeugt. Dieses Denken nennen wir heute «Apokalyptik». Auch in der Bibel finden wir Spuren davon. Zeloten, Sikarier und andere Extremisten versuchten, diesen Untergang mit Gewalt und Terror zu beschleunigen, Rom schlug erbarmungslos zurück. Es endete im Jüdischen Krieg, im Jahr 70 nach Christus, mit über einer Million Todesopfer. War das eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Jesus und nach ihm die ersten Christen stimmten nicht in diesen Chor der Pessimisten ein. Jesus sagte: Das Gottesreich ist schon gesät und wächst. Wer versucht, in seinem Sinn zu handeln und zu leben, erfährt es schon hier und jetzt. Diese optimistische Haltung hatte in den folgenden Jahrhunderten positive Auswirkungen auf das Leben und die Gesellschaft. Sie wurde zur Grundlage des christlichen Abendlandes. Der Himmel kam zwar nicht auf die Erde, es wurde nicht alles gut. Es gab immer wieder apokalyptische Zeiten, die in Weltkriegen endeten. Aber der Glaube an das Gute machte immer wieder Gutes möglich. Ich behaupte, dass sich auch heute unser Schicksal an dem entscheidet, was wir glauben. Denn so handeln wir auch.