«Zufällig haben wir uns getroffen, wir haben uns verliebt, uns kennen gelernt und gemerkt, wie perfekt wir zusammenpassen - das kann kein Zufall sein.» So drückte es ein Brautpaar vor seiner Trauung aus. Dass ich als Mensch ein Zufallsprodukt bin, möchte ich auch nicht wahrhaben. Obwohl ich weiss, wie viele Zufälle bei Zeugung, Schwangerschaft und Geburt mitspielen. Steckt hinter solchen Zufällen eine wissende und planende Hand? Ist der Zufall «das Pseudonym Gottes, wenn er nicht selbst unterschreiben will», wie der französische Dichter Théophil Gautier es ausdrückte? Bei schönen Zufällen möchte ich das gerne glauben. Aber es gibt auch schlimme Zufälle, Super-GAU's, die zu Katastrophen führen, Unglücke, die uns treffen, wenn wir ohne Schuld zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Ich möchte an keinen Gott glauben, der solches plant. Aber wer ist dann dafür verantwortlich? Der Physiker Isaac Newton entwickelte im 18. Jahrhundert ein physikalisches Weltbild, das alles berechnen und erklären konnte. Meinte man jedenfalls lange. Und die Theologen in seinem Gefolge machten Gott zu einem Uhrmacher, der zwar die Welt geschaffen hat, aber sie nun nach seinen festen Gesetzen laufen lässt. Er greift nicht ein. Und Dinge, die uns als Zufall oder Wunder erscheinen, verstehen wir nur noch nicht. Im 20. Jahrhundert entdeckten Physiker, dass es den Zufall eben doch gibt. Bei den ganz kleinen Teilchen kann man vieles prinzipiell nicht vorhersagen. Hat Gott hier die Hände im Spiel? Ich glaube nicht, dass Gott die Welt bis ins Letzte beherrscht und vorbestimmt. Er lässt ihr und uns Freiheit. Denn nur wenn es echte Zufälle gibt, ist auch echte Freiheit möglich. Und Freiheit brauchen wir, um aus all dem, was uns zugefallen ist und zufällt - sei es gut oder schlecht -, etwas zu machen.