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Selbstgespräche

Menschen, die mit sich selber reden, führen sogenannte Selbstgespräche. Ein Mann verschüttete aus Unachtsamkeit ein Glas Wasser und kommentierte sein Missgeschick mit den Worten: «Das kann ich gut!» Vielleicht haben auch Sie sich schon dabei ertappt, dass Sie je nach Situation schöne oder weniger schöne Dinge zu sich selber gesagt haben. Der Verfasser des 42. Psalmes stellt seiner Seele die Frage: «Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?» Diese Aussage trifft bei mir immer dann ins Schwarze, wenn meine liebe Seele wieder einmal Sorgen und Ängste wälzt und schlechte Gefühle verbreitet. Der Psalmdichter überlässt seine Seele nicht sich selber. Er nimmt sie liebevoll an der Hand und richtet ihren Blick auf Gott, indem er sie auffordert: «Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken für die Hilfe, die von seinem Angesicht kommt!» Harren ist ein hoffnungsvolles Warten. Es ist kein billiges Vertrösten auf bessere Zeiten. Ich kann mir die Bedeutung von harren am besten vergegenwärtigen, wenn ich den Wasserhahn öffne und auf «heiss» stelle. Sogleich sprudelt das Wasser, aber es dauert eine ganze Weile, bis es langsam lau und schliesslich heiss herausströmt. Aus Erfahrung weiss ich, dass mein Harren belohnt wird. Wichtig ist allerdings, dass ich nicht vorzeitig den Hahn schliesse oder ständig zwischen «heiss» und «kalt» hin- und herwechsle. Wenn sich das Harren der Seele nach Veränderung in die Länge zieht, liegt die Ursache oft weniger bei Gott als vielmehr an der eigenen langen Leitung. So oder so tut es der Seele gut, wenn ich in meinen Selbstgesprächen klar, aber liebevoll mit ihr rede und sie auf Gott verweise, der ihr helfen kann: «Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken für die Hilfe, die von seinem Angesicht kommt!»

26.03.2020 :: Herbert Held, reformierter Pfarrer, Röthenbach

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