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Mit ruhiger Hand ins Schwarze treffen
Annika Glauser wurde von der Gemeinde Konolfingen für ihre Erfolge im Schiesssport ausgezeichnet. Sie hat bewiesen, dass sie gute Nerven hat und sich fokussieren kann.

Steht oder liegt Annika Glauser im Schiessstand, hat sie buchstäblich das Ziel vor Augen: ins Schwarze treffen. Das ist ihr besonders im 2018 vortrefflich gelungen: Schweizermeisterin U15 mit der Luftpistole, beste U15-Schützin am kantonalen Nachwuchstag mit der Luftpistole und der Kleinkaliberpistole, Erste am emmentalischen U17-Nachwuchstag mit dem Kleinkaliber. «Das war mein bestes Jahr, alles ist mir gelungen.» Das 2019 war dann etwas schwieriger. So hat die 15-Jährige in der Kategorie U17 oder gar U21 antreten müssen. «Dort hat es mehr Teilnehmerinnen und damit grössere Konkurrenz, zudem war ich oft die Jüngste», erklärt die Konolfingerin. Ein, zwei Jahre mehr Erfahrung mache viel aus. Trotzdem erreichte sie an den Schweizermeisterschaften im Kleinkaliber den 4. Rang (U21) – ganz knapp am Podest vorbei. Weil sie samstags immer arbeiten muss, konnte sie nur wenige Wettkämpfe bestreiten.

Vom Alltag abschalten

Als angehende Konditor-Confiseurin braucht Annika Glauser auch beruflich eine ruhige Hand. Beim Torteverzieren oder Konfektherstellen ist volle Konzentration gefragt. Sich fokussieren zu müssen, gefällt der Lernenden auch in der Freizeit. Der Schiesssport helfe ihr, vom Alltag abschalten zu können. «Wenn mich etwas belastet, kann ich das beim Schiessen vergessen. Dann finde ich zur Ruhe.» 

Bevor sie an einem Wettkampf an die Reihe komme, atme sie bewusst und tief, verinnerliche nochmals den Ablauf. Nebst der Konzentrationsfähigkeit sind auch starke Nerven von Vorteil, um im Schiessen erfolgreich zu sein. Treffe man einmal nicht, dürfe man sich davon nicht negativ beeinflussen lassen, erzählt die junge Frau. «Besonders gute Nerven braucht es bei Ausscheidungen, wenn jeder einzelne Schuss über das Weiterkommen entscheidet.» Weil solche Ausscheidungen lange dauern können, sei auch körperliche Ausdauer nötig. Und Kraft, denn es gilt, die Körperspannung aufrecht zu erhalten. «Zu Beginn hatte ich damit Mühe, aber mit der Zeit nimmt die Kraft zu und seit ich arbeite, habe ich keine Probleme mehr.» Krafttraining würde auch helfen, meint Annika Glauser, aber an Geräten zu trainieren sage ihr nicht zu. So absolviert sie ein- bis zweimal pro Woche ein Schiesstraining, einerseits bei den Pistolenschützen Signau-Langnau, andererseits bei der Schützengesellschaft Signau-Höhe.

Mit der Luftpistole begonnen

Zugang zum Schiesssport gefunden hat die Konolfingerin durch ihren Grossvater. Er nahm sie mit an ein Training und liess die damals Elfjährige mit der Luftpistole schiessen. «Ich habe nicht mal so schlecht getroffen», erinnert sie sich. Auf jeden Fall fand sie Gefallen am Sport und besuchte fortan das Training. Vorerst schoss sie nur mit der Luftpistole. «Der Rückschlag ist viel weniger stark und es ist auch weniger gefährlich», nennt sie die Vorteile. Zudem betrage die Distanz zur Scheibe nur zehn Meter und man schiesse drinnen, hauptsächlich im Winter. Später kam die Kleinkaliberpistole dazu. Damit schiesst man auf 25 oder 50 Meter und hat einen deutlich stärkeren Rückschlag abzufedern. «Zudem handelt es sich halt um eine scharfe Waffe, davor habe ich schon mehr Respekt als vor der harmloseren Luftpistole.» Jedoch seien die Sicherheitsvorschriften streng, so dass keine Unfälle passierten, versichert die Schützin. Seit 2018 schiesst Annika Glauser auch mit dem Sturmgewehr. Weil man dabei liege, sei die Stabilität besser. «Jedoch ist der Rückschlag deutlich stärker und die Entfernung zum Ziel mit 300 Metern viel grösser. Zu Beginn habe ich die Scheibe kaum gesehen, so winzig wirkte sie», sagt sie und lacht. 

Auf Junge hoffen

Obwohl sie gerne schiesst, bezeichnet sich Annika Glauser nicht als Waffennärrin. Sie hegt auch keine Ambitionen, später bei der Polizei zu arbeiten oder Militärdienst zu leisten. «Es ist nur Hobby. Ich will möglichst ein ‹Zähni› schiessen und viele Punkte machen, das ist alles.» Den Waffenschein will sie aber mit 18 Jahren schon erwerben. Dann könne sie die Waffen auch nach Hause nehmen. Heute wird diese beim Trainer oder im Tresor verwahrt. Schön fände sie, wenn mehr Junge den Schiesssport für sich entdecken würden. Insbesondere bei der Kleinkaliberpistole, ihrer liebsten Disziplin, seien sie im Klub nur zu zweit in ihrem Alter. «Bei den Luftpistolen hat es einige jüngere und auch das Sturmgewehr ist beliebter.» Ihre sportlichen Ziele hat Annika Glauser derzeit wegen der Lehre etwas heruntergeschraubt. «Ich möchte aber auf jeden Fall dran bleiben und später, wenn ich mehr Zeit habe, wieder vorne dabei sein. Irgendwann an die Olympischen Spiele gehen zu können, wäre natürlich sehr cool.»

03.01.2020 :: Silvia Wullschläger

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