Das neue Buch von Ruth Balmer. / Bild: zvg
Langnau: Das neue Buch von Ruth Balmer führt uns zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Familiengeschichte erzählt von einer verbotenen Hochzeit und früheren Lebensumständen.
Es war an einem Abend im August 1849, als Elisabeth Krähenbühl vom vorderen Zinggen nach Trub wanderte. Was wollte die junge Frau um diese Zeit im Dorf, fragten sich die Bauern, die abends ihr Gras mähten und ihr neugierig nachschauten. Hatte es etwas mit Ulrich Fankhauser zu tun, den sie kurz vorher auch gesehen hatten? Die Leute brauchten nicht zu wissen, dass die beiden zum Pfarrer wollten, um die Hochzeit anzugeben. Pfarrer Rüetschi, der erst vor zwei Wochen ins Trub gezogen war, fragte die beiden gründlich aus nach dem Woher und ihren Familien. Nach einer langen Stille hob er den Kopf und sagte ernsthaft: «Ihr könnt nicht heiraten. Onkel und Nichte dürfen keine Ehe untereinander eingehen. Das Gesetz erlaubt es nicht.» Mit der winzigen Hoffnung, ein Gesuch um Befreiung vom Eheverbot könnte vom Grossen Rat bewilligt werden, traten Elisabeth und Christian den Heimweg an. Obschon das Sittengericht von Trub nichts Nachteiliges über die beiden zu berichten wusste, traf vier Wochen später eine ablehnende Antwort aus Bern ein. So beginnt die eindrückliche Geschichte im Buch «Die Liebe hört niemals auf» von Ruth Balmer. Sie hat es nach Erinnerungen von Martha Liechti-Bächler und den handschriftlichen Aufzeichnungen «Mys Müetti het aube erzeut» verfasst.
Mit der Jubiläumsschrift fing es an
Ruth Balmer wuchs im Dürrgraben, heute Heimisbach, auf und besuchte die Primarschule im Thal. Im Früh-ling 1956 trat sie ins Lehrerinnenseminar der Neuen Mädchenschule ein. Da Lehrermangel herrschte, wurden die Seminaristinnen 1959 an Schulen eingesetzt. 1960 wurden sie patentiert. Balmers Eltern waren unterdessen nach Signau gezogen. «Ich wohnte weiterhin bei ihnen und war Lehrerin in Häleschwand», berichtet sie. Nach der Heirat mit Heinz Balmer zogen sie nach Konolfingen. Neben der Familienarbeit übernahm sie dort öffentliche Aufgaben. Als sie mit ihrem Mann die Jubiläumsschrift «100 Jahre Reformierte Kirche Konolfingen» verfassen durfte, sei dies ein Anstoss gewesen, erzählt sie. Das Schreiben habe sie nicht mehr losgelassen. 2006 erschien ihr Roman «Die Kindsmörderin» und sie veröffentlichte jährlich Beiträge im «Alpenhorn-Kalender». Im neuen Buch lässt Balmer die Lesenden am Leben ihrer Vorfahren teilhaben. Sie hätten es oft nicht leicht gehabt, meint Balmer, hätten aber trotzdem immer wieder fröhlich sein können. Sie hätten oft lange Wege unter die Füsse genommen, feierten gemeinsam Weihnachten und sangen zusammen vertraute Lieder.