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Ein schlechter Deal
Wenn Geschäftsleute in ein politisches Amt geraten, neigen sie des Öfteren dazu, dieses als ein Geschäft zu betrachten. 1250 Bootsflüchtlinge aufzunehmen, ist ein schlechtes Geschäft. Das kostet nur und bringt den USA nichts. Aber das ist nur eine Frage der Perspektive. Für 1250 Menschen wäre das ein Super-Deal. Sie, die seit Jahren in Lagern auf irgendwelchen Pazifikinseln ihre Zeit mit Warten verbringen, hätten plötzlich eine Perspektive, einen Status, die Möglichkeit zu arbeiten oder eine Ausbildung zu machen. Meist sieht man eben beim Geschäft nur die eigene Seite. Für das globale Wohlergehen müsste man aber den Horizont weiter machen und erkennen, dass es langfristig nichts nützt, wenn es mir selber gut und dem Rest der Welt schlecht geht. Denn irgendwie kommt alles einmal wieder zurück. Besonders spüren wir das bei unserem Umgang mit der Umwelt. Da rächen sich schnelle Profite oft rasch, und gute Geschäfte werden zu schlechten Deals.
Es ist einfach, in diesem Sinn die Politiker zu kritisieren. Handeln wir nicht auch selber oft genau so? Kaufen dort ein, wo es am Billigsten ist, optimieren die Steuern, pflegen nur die Beziehungen, die uns nützen. Ich beobachte, dass diese Geschäftsmentalität auch im Privatleben immer mehr Einzug hält. Wir vergessen, dass wir nicht nur für uns selber, sondern auch fürs Ganze verantwortlich sind: für unser Dorf, unser Land und auch darüber hinaus. Und es wird uns selber besser gehen, wenn es auch den anderen besser geht. Bei jeder Entscheidung sollten wir uns auch überlegen, was das für die anderen bedeutet, die davon betroffen sind – und entsprechend handeln. Und so kann ein «schlechter Deal» für uns auf lange Sicht zu einem guten Geschäft für alle – und so
nicht zuletzt auch für uns selber – werden. 
09.02.2017 :: Samuel Burger, Konolfingen
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