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Der Schamane

Wir sitzen im Kreis auf dem Bambusboden, unter einem dicken Grasdach. Der Schamane beginnt ein spirituelles Chanten. Monoton. Sein Gesichtsausdruck verändert sich. Ein Geist nimmt Besitz von ihm. Er nimmt den vor ihm platzierten Teller Reis und setzt ihn auf den Kopf eines Mannes. Der Teller fällt nicht herunter. Dann setzt er den Reisteller einer Frau auf den Kopf. Was wird geschehen, wenn er diesen mir auf die Glatze setzt? Der wird mit Garantie runterfallen. Das würde heissen, dass ich der Sündenbock bin, dass wegen mir das kleine Kind im Sterben liegt.

Im Regenwald von Mindanao auf den Philippinen finden wir verschiedene Schamanen; solche, die heilen und solche, die verfluchen. Beide kauen Betelnuss, und der rote Saft läuft ihnen übers Kinn herunter. Die Angst ist präsent. Wer hat mich verfluchen lassen?

Ein vertrauter Geist bezeugt einem Schamanen mehrmals eine kommende Begebenheit. Dieser erzählt seine Vision dem ganzen Dorf. Von jetzt an setzt er sich regelmässig in die Strassengabelung vor dem Dorf. Er wartet auf die zwei Männer, die kommen sollen, um den Dorfbewohnern den richtigen Weg zu weisen. Nach wenigen Wochen erscheinen tatsächlich zwei Männer auf einem Motorrad. Sie stoppen auf der Naturstrasse und sprechen mit dem Unbekannten. Dieser kommt sofort zur Sache und sagt: «Das ganze Dorf wartet auf euch, erklärt uns, was der richtige und was der falsche Weg ist. Wir wissen, nur einer kann der richtige sein.» Die zwei Männer erklären dem Schamanen, wie man den Weg zu Gott findet; dass man, mit Gottes Kraft ausgerüstet, vor dem bösen
Busew-Geist keine Angst haben muss. Denn selbst dieser mächtige Busew ist durch den Sohn Gottes besiegt. Das ganze Dorf ist auf das frohmachende und befreiende Evangelium vorbereitet. Sie leben heute ohne ständige Angst vor der Geisterwelt. In den Nachbardörfern erzählen sie von ihrer Befreiung von Angst und Krankheit.


14.03.2019 :: Philipp P. Schmuki

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