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«Eigentlich bin ich eine kleine Perfektionistin»

Lina Krummen-acher ist fasziniert von der Kunst des Schönschreibens. Die Schreibutensilien dafür stellt sie aus unterschiedlichen Materialien selber her. 

In einem schwungvollen Bogen führt Lina Krummenacher die Feder über den Papierbogen. Ein grosses, schlankes S mit einem kleinen Kringel entsteht. Die 14-Jährige reiht konzentriert einen Buchstaben an den anderen, bis das Wort «Sommerferien» auf dem Blatt zu lesen ist. «Darauf freue ich mich nämlich sehr. Ich hatte mit meiner Projektarbeit in den letzten Monaten viel zu tun», erklärt sie. Die junge Frau hat mit ihrer Leidenschaft, der Kalligraphie, an der Preisverleihung des Rotaryclubs Entlebuch den zweiten Platz erreicht. Die Jury hatte 21 Arbeiten zu beurteilen, in allen sieben Gemeinden hatte die Lehrerschaft die drei besten Arbeiten bestimmt. 

Bögen, Schwünge und Buchstaben

Ihre Liebe für das Schönschreiben und das Papierschöpfen hat Lina schon früh entdeckt. «Ich glaube, ich war fünf oder sechs Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit meiner Gotte gemeinsam Papier selber geschöpft habe. Später erhielt ich oft Komplimente für meine Handschrift. Ich begann, die ersten Bögen, Schwünge und dann ganze Buchstaben zu üben», erinnert sie sich. Dank der Hilfe ihrer Gotte, die ihrerseits seit vielen Jahren kalligraphiert, machte Lina rasch Fortschritte. Heute fliessen ihr bereits mehrere Stilrichtungen scheinbar mühelos aus der Feder. «Es gibt unendlich viele Schrifttypen. Ich experimentiere gerne mit Varianten.» 

Schwer erhältliche Zutaten

Aber Lina liess es nicht nur bei dem Schönreiben bewenden. Sie begann ihre eigene Tinte herzustellen. «Ich bin gerne kreativ und teste aus, wie sich eine gute Tinte herstellen lässt. Jede Tinte hat je nach ihren Bestandteilen unterschiedliche Qualitäten und somit verschiedene Verwendungszwecke», hat Lina die Erfahrung gemacht. Heute reihen sich einige Tintenfläschchen mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen auf ihrem Tisch aneinander. «Walnuss», «Brennnesseln» und «Eisengallus» ist auf den schön angeschriebenen Etiketten zu lesen. «Zum Teil war es recht kompliziert, die Zutaten zu erhalten. Unser Drogist im Dorf war mit meinen Wünschen oft stark gefordert.» Mittlerweile hat Lina auch das Papierschöpfen vervollkommnet; sie kann eine eigene Kollektion aus handgeschöpftem Papier vorweisen. Auch hier kann sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen: Nebst unterschiedlichen Stoffen für die Zusammensetzung des Papiers gibt sie zum Beispiel Blüten- oder Rhabarberblätter bei, die dem Papier eine dekorative Note geben. «Für eine spezielle Struktur verwende ich manchmal Schnüre oder Zeitungsauschnitte – kein Papierbogen gleicht dem anderen», erklärt Lina. Sie sei zwar gerne künstlerisch und kreativ tätig, «aber beim Kalligraphieren ist Präzision gefragt. Eigentlich bin ich eine kleine Perfektionistin», gibt Lina offen zu. 

Strenger Budgetplan

Für ihre Projektarbeit für den Rotaryclub Entlebuch hatte Lina nicht nur ihre Kalligraphien, selbstgemachte Tinte und verschiedenes Papier einzureichen, sondern auch eine Mappe mit einem Budget- und Zeitplan. «Das Projekt durfte einen gewissen Betrag nicht überschreiten und auch einen genauen Zeitplan musste eingereicht werden», beschreibt sie die Vorgaben. Bei ihrem Projekt sei sie von einer Lehrperson unterstützt worden. «Meine Lehrerin glaubte an mich und an meine Arbeit, das hat mir sehr geholfen. Auch meine Gotte begleitete mich durch das Projekt.»

Etwas Einzigartiges

Ein wichtiger Faktor der Kalligraphie sei auch die Wahl der Feder, die eine perfekte Ausführung des Schriftbilds möglich machte, erklärt die 14-Jährige, die diesen Sommer die Sekundarschule abgeschlossen hat. «Das Herstellen von eigenen Schreibfedern war ebenfalls eine grosse Herausforderung und ein zusätzlicher Aufwand. Aber ich wollte mit meiner Projektarbeit etwas Einzigartiges einreichen.» Die junge Frau begann mit Vogelfedern. «Ich schnitt die Kiele von verschiedenen Vogelfedern zurecht und härtete die Spitze im heissen Sand. Ich merkte aber bald, dass sich nicht alle Vogelfedern gleich gut eignen; manche sind zu weich, manche zu leicht und liegen nicht gut in der Hand», resümiert Lina Krummen-acher. Am besten eigne sich die Federn des Truthahns. Auch aus Bambus oder Holzschindeln stellte sie Schreibutensilien her. «Sogar Wattestäbchen mussten für meine Experimente herhalten. Meine absoluten Favoriten sind aber meine Federn, die ich aus dem Blech einer Coca-Cola-Dose hergestellt habe.»

Zeit für neue Aufträge

Bereits durfte Lina kleine Aufträge von Freunden und Bekannten erledigen. Sie erhielt beispielsweise Anfragen für das Beschriften von Karten zum Geburtstag, zur Firmung und zur Erstkommunion. «Während der Sommerferien hätte ich wieder Zeit, eine Bestellung anzunehmen.»

19.07.2018 :: Veruschka Jonutis
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