Langnau: Lieben Sie Brahms? Diese Frage aus einem alten französischen Film ist am
letzten Kammermusikkonzert dieser Saison begeistert mit ja beantwortet worden.
Der Klarinettist Bernhard Röthlisberger, der Cellist Maximilian Hornung und der Pianist Benjamin Engeli konzertieren normalerweise in den grossen Konzertsälen Europas. Dank der persönlichen Beziehungen von Annette Unternährer wurde ein Engagement dieses hochkarätigenTrios in Langnau möglich.
Als Hauptwerk des Abends er-klang das Klarinetten-Trio in a-Moll von Johannes Brahms. Dieser hatte eigentlich 1890 beschlossen, sein kompositorisches Schaffen zu beenden, als er in einem Konzert einen Klarinettisten hörte, dessen samtener Ton ihn nicht mehr losliess. In der Folge komponierte er vier umfangreiche Werke für diesen Musiker. Brahms wäre bestimmt auch am Konzertabend in Langnau warm geworden: Wie der Pianist, der Cellist und der Klarinettist einander die kurzen Motive zuwarfen, wie sie jeden Ton gestalteten bis zum leisesten Verklingen, wie sie den kurzen Melodien spätromantischen Schmelz verliehen, war atemberaubend. Das Werk beginnt mit seufzend-melancholischen Cello- und Klarinetten-Soli, mit kräftigen Akkorden des Klaviers untermalt. Plötzlich wird es wienerisch mit einem Walzer und zum Schluss fast ein bisschen ekstatisch, ein Csárdás-Tanz voll ungarisch-zigeunerischem Übermut.
Töne überirdischer Schönheit
Schon in den beiden ersten Werken begeisterten die drei Musiker das Publikum: ein Trio des zu Unrecht vergessenen Wiener Komponisten Carl Frühling und ein Werk von Nino Rota. Ihn kennt man vor allem wegen sei-ner eingängigen Musik zu zahlreichen Fellini-Filmen. Die überraschenden Wendungen und Abschlüsse entlockten den Zuhörenden immer wieder ein leises Schmunzeln.
Als Zugabe spielte das Trio den «Nachtgesang» von Max Bruch, wo die Musiker noch einmal ihren drei Instrumenten – ein Lob auch den Instrumentenbauern – Töne von überirdischer Schönheit entlockten.