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Kleinstlebewesen und ihre Biotope

Nachdem ich letzten Winter mehr lag als stand, weil sich jeder grippale Infekt in mich verliebt zu haben schien, bin ich vorsichtig geworden.  Denn für mich als freischaffende Schreiberin bedeutet Bettruhe gleichzeitig Ebbe in der Kasse. Selbst eine harmlose Rüsselseuche kommt weder im Theater, wo ich mich oft aufhalte, noch bei Pressegesprächen gut an. Meine erste Massnahme führte mich im November in eine Apotheke, wo ich mir ein Handdesinfektionsmittel anschaffte. Denn bei jeder Art von Haltestangen in Bus und Bahn stelle ich mir scharfzähnige Erreger vor, die schon darauf warten mein Immunsystem zu beissen. Wenn sich also keine Gelegenheit bietet, sich die Hände zu waschen, zücke ich dieses Fläschchen, um meine Hände zu verkeimarmen. Das hört sich etwas hysterisch an, nicht wahr? Doch bei all den vielen Menschen, die mit ÖV unterwegs sind, so wie ich, kann man ja nicht wissen, was sich auf ihren und  meinen Fingern tummelt. Die Idee kommt nicht von mir, denn zahlreiche Kampagnen fürs Händewaschen gab es schon, die uns bewusst machen sollten, wie Viren übertragen werden. Wasser und Seife kann viel verhindern. 

Mein Blick für Gefahrenquellen ist nun geschärfter. Ich hatte gerade in der S2 der BLS sitzend mein Desinfektions-Fläschchen aus der Handtasche gezogen, da fiel mein Blick auf die freien, blaugrünen Sitze mir gegenüber. Mal abgesehen davon, dass sie schon bessere Tage gesehen haben mussten, stachen mir besonders die Polsterritzen ins Auge. Ein Gemisch aus Krümeln, Staub und Haaren beleidigte meinen Anspruch auf Hygiene. Ich überlegte, was sich in den Niederungen dieser Ritzen erst abspielen musste. Nebst verlorenen Münzen, Ohrringen oder Knöpfen feierten sicherlich Kleinstlebewesen aller Couleur da unten ein rauschendes Fest und warteten nur darauf, ein schlingerndes Immunsystem platt zu machen. Wie oft diese Sitze professionell gereinigt werden, weiss ich nicht. Aber ich habe Erfahrung darin, wie lange man den Staubsauger in der Ecke stehen lassen muss, um dieses Haar-Staub-Krümel-Gemisch in Polsterritzen zu züchten. Ich bin sehr dankbar, dass es die S2 gibt, die mich direkt nach Bern oder Langnau bringt. Seit kurzem fährt sie sogar im Halbstundentakt bis Dienstschluss. Doch ich wünsche mir fürs neue Jahr, dass die BLS dort mehr auf Sauberkeit achtet. Denn wir wollen doch alle gesund durch den Winter kommen. Gerade starre ich beim Schreiben dieser Zeilen auf meine Tastatur: Igitt! Die gehe ich jetzt sofort putzen.

11.01.2018 :: Christina Burghagen ist freie Journalistin und bietet Anlässe an zum Thema «Essen wie im alten Bern».
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