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Rindvieh, männlich, rot

Mit grünen Kühen braucht man uns hier im Emmental nicht zu kommen, die hat der Eggimann Aschi schon vor Jahrzehnten eingeführt. Nun müssen wir uns offensichtlich auch langsam an rote Muni gewöhnen – allpott landet in letzter Zeit so ein «Red Bull»-Bulletin im Briefkasten. 

Hochinteressant sind diese Postillen ja schon, da gibt es nichts zu lästern: All die hochglanzbebilderten Berichte über die schönen und hochintelligenten Hoffnungstragenden der Menschheit – hey, wie mutig die sind, und was die alles können! Hangeln sich locker noch vor dem Zmorge ungesichert eine brutal vereiste Nordwand hoch, fliegen mittags in Rückenlage unter einem Brückenbogen durch, bloss um nachmittags noch rasch eine zwanzig Meter hohe Monsterwelle zu surfen. Wow! 

Zum Glück tragen sie ausnahmslos ein «Teile dein Leben in 360-Grad und in Echtzeit»-Tool auf dem Hirni respektive dem Helm – sonst hätten wir Langweiler zuhause ja keine Ahnung, was da draussen im richtigen Leben so abgeht. 

Aber nicht bloss an ihren Taten sollt ihr sie erkennen, diese jungen Wilden haben auch etwas zu sagen, wohl Mehl, aus denen purzelt die verbale Lebenshilfe nur so heraus. Wir erfahren, warum Nacktsein glücklich macht und die Deko- und Pflanzenabteilung im Baumarkt eine erfolgversprechende Flörtlokeischen ist. Ein geistreiches Schmankerl folgt dem andern: «Bleib wach und hungrig. Erst wenn du tot bist, ist es vorbei», liest man da zum Beispiel. Na ja, bei mir schliesst sich das alles irgendwie gegenseitig aus; hungrig bin ich sowieso immer, und mit dem Wachbleiben nach dem Essen ist das dann so eine Sache.  

«Betrachte die Angst als Freund, nicht als Feind» – und das eingenässte Beinkleid dann wohl als Wetlook, nicht als Furchtfolge. 

«Unsere Welt braucht mehr Verrücktheit!» Da bin ich nun allerdings doch ein klein bisschen skeptisch; die Umsetzung dieser Forderung könnte mit Blick auf einige der momentan aktiven Staatsoberhäupter das zusätzliche und entscheidende Schrittchen zum kollektiven Selbstmord der Weltbevölkerung sein. 

«Es ist ein tolles Gefühl, genau zu wissen, was dir durch den Kopf geht.» Doch doch, diese Annehmlichkeit leiste ich mir auch hie und da – wobei, um bei der Wahrheit zu bleiben: Sooo überwältigend ist dieses Gefühl dann auch nicht immer. Beispielsweise bei der Antwortsuche auf die rotbullige und hochphilosophische Frage: «Wollen wir unsere Zeit wirklich mit Zeitsparen verschwenden?» wollte sich besagtes Gefühl bei mir nicht so recht einstellen. Wie siehts damit bei Ihnen aus? 



10.08.2017 :: Dieter Sigrist Sumiswald
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