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Mal wörtlich genommen

Der geneigte Leser meiner Kolumnen weiss es ja sicher schon lange: ich mag die Sprache, ich mag das Spielen mit der Sprache, ich mag neue Wortschöpfungen, ich mag Neuinterpretationen gängiger Wörter.

Allein schon in diesem ersten Satz verstecken sich fantasieanregende Worte. Ich frage mich nämlich, ob Sie diese Kolumne jetzt tatsächlich geneigt lesen, oder ob Sie es vielleicht stehend oder gar liegend tun? Und wie sieht beispielsweise ein gängiges Wort aus? Hat es Beine? Und wenn ja, wie viele?  Es soll tatsächlich Leute geben, die sich einen Ausziehtisch leisten. Wo der wohl steht? Vielleicht im Schlafzimmer? Im Badezimmer? Und bräuchten diese Leute nicht gleichzeitig auch einen Anziehtisch? Also ich könnte mir schon allein aus Platzgründen höchstens einen kombinierten An- und Ausziehtisch in die Wohnung stellen. Zudem hätte ich Bedenken bezüglich der Raumhöhe, ich müsste mich auf dem Tisch stehend nämlich in sehr geneigter – pardon – gebückter Haltung an- und ausziehen.

 

Nach der langen, schier regenfreien Zeit, ist die anhaltende Wasserknappheit ein aktuelles Thema und es werden allenthalben die Wasserstände gemessen. Dass man den Wasserstand in Seen, Weihern und Teichen messen kann, leuchtet mir ja ein, aber wie soll das in Flüssen gehen, wo das Wasser eher selten einmal steht?

 

Vermutlich spazieren Sie auch ganz gerne durch einen prächtig bunten Herbstwald. Aber sind Sie auch schon durch einen Blätterwald spaziert? Nicht? Sie sollten das demnächst einmal tun, bevor das Blätterwaldsterben auch das letzte Blatt hinweggerafft hat. Und Schuld daran ist keinesfalls der Borkenkäfer, der auch als Buchdrucker bekannt ist. Also, machen Sie sich auf, lustwandeln Sie in den Blätterwald und geniessen Sie die jahreszeitenunabhängige Sprachblütenpracht. Blätterwälder sind übrigens nicht so einfach in freier Landschaft anzutreffen, sie gedeihen vielmehr in einer Art Treibhäuser, auch Medienhäuser, genannt. 

 

Seit geraumer Zeit grassiert in der Bundeshauptstadt das Fussballfieber. Zwar weiss ich nicht, wie bei Fussbällen das Fieber gemessen wird und ich wundere mich, dass die Bälle in den Sportgeschäften nach wie vor in den Gestellen zu finden sind, statt dass eine konsequente Quarantäne verfügt worden ist. Offenbar herrscht in Sportgeschäftskreisen die Meinung vor, dass als taugliche Massnahme das Platzieren von Medizinbällen im Nachbargestell völlig ausreicht.

15.11.2018 :: Peter Leu, Biglen
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