Die Fuchsdame «Frieda» begrüsste den Fotografen jeden Abend. / Bild: zvg
Langnau: Hanspeter Inniger ist seit klein auf begeistert von der Natur und deren Vielfalt. Seit einigen Jahren hält er diese mit Fotos fest. Besonders seine Tierbilder wissen zu beeindrucken.
«Viele Stunden habe ich vor dem Eingang des Baus gesessen, ruhig mit ihm gesprochen, ein paar Mal gepfiffen und einfach gewartet», erzählt Hanspeter Inniger. «Auf einmal kam der Bewohner nach draussen und schaute mich an.» Die Rede ist hier von dem Murmeltier, das Inniger «Fred» nennt. Er ist eines von vielen Tieren, die der Wildtierfotograf mit schönen Erinnerungen verbindet. Es sei unglaublich zu merken, was für eine spezielle Beziehung zu einem Tier aufgebaut werden kann, nachdem eine Vertrauensbasis vorhanden sei. Jedoch müsse dabei sehr sorgfältig vorgegangen werden.
Verlorenes Zeitgefühl
Hanspeter Inniger aus Langnau kennt ein paar Standorte in ruhiger und abgelegener Umgebung, welche er immer wieder besuche, um seine Fotos zu schiessen. Dies aus dem Grund, dass sich die Tiere an ihn gewöhnen können und er somit bessere Chan-cen auf gelungene Aufnahmen habe. Es sei ihm wichtig zu betonen, dass die Natur dabei respektiert werden müsse und er nie etwas zerstören würde, nur um ein besseres Foto hinzubekommen. «Es ist kein Wunschkonzert», sagt Inniger. Manchmal sitze er auch einfach nur dort und schaue dem Geschehen um ihn herum zu, ohne eine einzi-ge Fotografie im Kasten mit nach Hause zu nehmen. Dabei könne es auch mal passieren, dass er das Mittagessen vergesse. «Meine Frau musste mich schon mehrere Male anrufen, um zu fragen, wo ich denn bleibe», erzählt er lachend. «Wenn ich meiner Leidenschaft nachgehe, wird die Zeit relativ. Ich geniesse die Stunden für mich allein in der Natur und lebe im Moment. Jeder Tag, den ich in der Natur verbringen kann, ist ein geschenkter Tag.»
Eine besondere Verbindung habe Hanspeter Inniger auch zu einer Fuchsdame namens «Frieda». Während den Sommermonaten besuchte er sie fast jeden Abend zur selben Uhrzeit. Nach einigen Tagen habe sie schon auf ihn gewartet. Nun habe er ihr aufgrund der Dunkelheit schon seit mehreren Wochen keinen Besuch mehr abgestattet, er hoffe aber, dass sie in den Frühlingsmonaten wieder auf ihn warten werde. Seine Frau Elisabeth hat eine weitere Geschichte zu erzählen: «Als wir wandern waren und an dem Baum vorbeikamen, wo der Schwarzspecht wohnt, den Hanspeter seit zwei Jahren im-mer wieder besucht hat, sagte er: «Hallo, bisch daheim?», und der Vogel streckte den Kopf aus der Öffnung des Baumes.»
Vielseitig engagiert
Begonnen aktiv zu fotografieren hat der 62-Jährige, nachdem er sich 2020 eine Spiegelreflexkamera gekauft hatte. «Die Natur hat mich schon immer fasziniert», sagt er. «Ich erinnere mich, dass ich als kleiner Junge im Garten meiner Grossmutter stundenlang den Vögeln zusehen konnte.» Heute engagiert sich Inniger in verschiedenen Bereichen für diese Tiere. Er betreut unter anderem zusammen mit zwei anderen Freiwilligen die ungefähr 500 Nistkästen in der Gemeinde Langnau und in einem Teilstück der Emme entlang.
Inniger hat sich das Fotografieren weitgehend selbst beigebracht. «Zur Technik muss mich niemand etwas fragen», meint er schmunzelnd, «das interessiert mich nicht». Es gebe viel, das beachtet werden müsse, etwa das Licht oder die Einstellung der Blende, dies alles sei vor allem Übungssache. «Aber natürlich muss man das Auge dafür haben, gut beobachten, um zu sehen, dass der Boden lebt.» Glück komme sicherlich auch noch hinzu, fügt der Fotograf an, oft habe man nur eine Chance für die gewünschte Aufnahme. «Meine Fotos haben Ecken und Kanten», sagt er, jedoch sei es
ihm wichtig, bis auf die Regulation der Helligkeit nichts am Bild zu bearbeiten. Vielleicht seien es auch gerade kleine Macke wie die feinen Grashalme vor dem Steinbock, die seine Fotos ausmachen, meint er. Dadurch wirke die Fotografie natürlich und lebendig.
«Den Leuten eine Freude machen»
Als in der «Wochen-Zeitung» vor ein paar Jahren sein erstes Foto zu sehen war, habe er viele positive Rückmeldungen erhalten. Obwohl er dies nie suchte, begann er daraufhin auf Anfragen seine Leidenschaft öffentlich zu zeigen. Da er nun pensioniert ist, sei es ihm jedoch wichtig, nicht einen vollen Terminkalender zu haben und viel Zeit in der Natur sowie mit seiner Familie verbringen zu können. Ab und zu präsentiere er aber gerne seine Aufnahmen in Schulklassen sowie auch an verschiedenen Veranstaltungen wie in Altersheimen. Dann erzähle er auch über Tiere, zu denen er mittlerweile vieles wisse. Aktuell wird eine Auswahl seiner Fotos in der Raiffeisenbank Oberes Emmental, Langnau ausgestellt. Sie werden in alten Fensterrahmen, die der frühere Dachdecker zurecht gemacht hat, gezeigt. Die Bilder werden noch bis im September 2025 zu sehen sein. Auch eine vierte Auflage seines Jahreskalenders ist wieder entstanden.
Hanspeter Innigers Ziel mit seinen Wildtierfotografien sei es, anderen Menschen eine Freude zu machen. «Ich möchte den Leuten eine schöne Seite der Welt zeigen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern.»