Ein Film würdigt die Arbeit von Frauenvereinen - damals und heute

Ein Film würdigt die Arbeit von  Frauenvereinen - damals und heute
Im Film ist zu sehen, wie die Mitglieder des Frauenvereins die Kleiderbörse im Bärensaal Worb durchführen. / Bild: zvg
Konolfingen: Zusammen etwas bewirken: «Wir Frauen von Worb» ist ein Film, der inspirieren und motivieren kann, Neues anzupacken. Genau das soll er auch.

«Ich erhoffe mir, mit der Filmvorführung unseren Verein auch jüngeren Frauen schmackhaft zu machen», sagt die Präsidentin des Frauenvereins Konolfingen, Barbara Stalder. Es sei allgemein für Vereine schwierig Leute zu finden, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Als sie letzten Oktober an der Premiere den Film «Wir Frauen von Worb» über den dortigen Frauenverein sah, war sie begeistert. Diesen Streifen wollte sie auch in Konolfingen präsentieren. Familie Bigler, Inhaberin des Kinos Grünegg, half mit und nahm den knapp einstündigen Film letztes Wochenende in ihr Programm auf.


Früher war die Bedeutung grösser

Die Dokumentation taucht ein in die Geschichte und Entwicklung des ehemals viel ländlicheren Dorfes und des lokalen Frauenvereins. Ältere Vereinsmitglieder erzählen von früher, als die Leute viele Kinder, aber tiefe Löhne hatten. «Einmal im Jahr mit den Kindern an den Oeschinensee zu fahren war für uns das Grösste», erzählt eine der Frauen. Eine andere durfte die Sekundarschule nicht besuchen, weil die Familie nicht genügend Geld hatte um jedem Kind ein eigenes Velo zu kaufen. In den mageren Nachkriegsjahren war die Bedeutung des Frauenvereins grösser als heute. Schon damals halfen die Frauen dort aus, wo es im Dorf nötig und möglich war; sie organisierten eine Brockenstube, eine Börse, veranstalteten Feste und führten Mütterabende durch. Heute betreiben die Worber Frauen auch ein Café und unterhalten eine Kulturgruppe. Der starke Zusammenhalt ist über all die Jahre geblieben, was im professionell gedrehten Film gut zur Geltung kommt.


Neue Pfade beschreiten

Wie wichtig der Anschluss an eine Gemeinschaft ist, beobachtet auch die Präsidentin des Frauenvereins Konolfingen. «In letzter Zeit kommen beispielsweise immer mehr Leute ans Seniorenessen», erzählt sie. Um mehr Frauen für die gemeinnützige Arbeit zu begeistern und wieder mehr Präsenz im Dorf zu zeigen, will der Vorstand neue Pfade beschreiten. So veranstaltet der Frauenverein Konolfingen zusammen mit dem Verein Alter Bären im Dezember eine Lesung mit Musik für Kinder sowie eine AdventsBar. Helferinnen in der Brockenstube und beim Seniorenessen tragen zudem einheitliche Vereins-T-Shirts. Sehen lassen konnte sich auch der Film selbst, den sich der Worber Frauenverein zum 75-Jahr-Jubiläum selbst geschenkt hat. Er schaffte es durch seine Leichtigkeit und gespickt mit humorvollen Szenen nicht nur das Publikum zum Lachen zu bringen, sondern wirkte offenbar auch motivierend. Eine Besucherin zeigte sich besonders begeistert: «Wenn ich pensioniert bin und genügend Zeit habe, werde ich ebenfalls im Frauenverein mithelfen!» Auch Männer waren unter den Zuschauern. Eine gute Sache sei dieser Film, lobten sie mehrheitlich. 

Frauen aus Worb, darunter die Produzentin Edith Müller sowie die Präsidentin des Frauenvereins Worb, Barbara Brechbühler, standen zusammen mit den Konolfinger Vertreterinnen nach dem Film Rede und Antwort. Seit der Premiere im Kino Worb zeigten die Filmemacherinnen ihre Arbeit bereits an mehreren Orten. Ihre Idee ist es, mit dem Film die Arbeit von Frauenvereinen vorzustellen und - noch wichtiger - einen wichtigen Teil der Geschichte ihres Dorfes und der damaligen Zeit festzuhalten.

03.04.2025 :: Rebekka Schüpbach (srz)