Was bleibt von der Saison 2024/25 in Erinnerung?

Was bleibt von der Saison 2024/25 in Erinnerung?
Pascal Berger tritt nach 19 Jahren National League ab. / Bild: Peter Eggimann (ped)
SCL Tigers: Das Team und die Fans der SCL Tigers konnten in der Saison 2024/25 viele Erfolge feiern. Wir blicken noch einmal auf einige Ereignisse und Geschichten zurück

• Das leckere «Saison-Dessert» 

Das Beste kam zum Schluss: Die SCL Tigers servierten ihren Fans ein «Saison-Dessert», das in die Vereinsgeschichte eingehen wird: Fünf Heimsiege in Serie! Angefangen mit einem 5:1 gegen Ajoie in der 52. und letzten Runde der Qualifikation. Erst mit diesem sicherten sich die Langnauer definitiv den achten Platz und die Teilnahme am Play-In. Es folgte ein 3:1 gegen Kloten. Der erste Sieg gegen die Zürcher nach vier Niederlagen in der Qualifikation reichte, um im Play-In-Auswärtsspiel (1:2) den Zweitore-Vorsprung zu verteidigen und zum dritten Mal nach 2011 und 2019 das Playoff zu erreichen. Und dann der absolute Höhepunkt: der Viertelfinal gegen Lausanne. Wie gegen Kloten hatten die SCL Tigers auch gegen die Waadtländer alle vier Qualifikationsspiele verloren. Doch das kümmerte die Tigers nicht im Geringsten. Mit einem 4:3 n.V. sowie zweimal mit einem 3:2 glichen sie die Serie vor Heimpublikum dreimal aus. Erst im alles entscheidenden Spiel 7 verpassten sie mit der 2:6-Niederlage eine der dicksten Überraschungen in der Playoff-Geschichte.


• Der Wow-Effekt 

Anfang September wurde er offiziell eröffnet, der Campus, der Erweiterungsbau neben dem bestehenden Stadion. Der Campus ist mehr als ein zweites Eisfeld – mit Athletikhalle, Brasserie, zusätzlicher Tribüne und Parkhaus läutet er ein neues Zeitalter ein und bietet den SCL Tigers die Möglichkeit, langfristig konkurrenzfähig zu sein. «Wir erhoffen uns einen Wow-Effekt, der nach-haltig wirkt», sagte Peter Jakob. Er hat sich über Jahre für den Bau eingesetzt und diesen gemeinsam mit seiner Frau Pia auch zum grössten Teil finanziert. Der Wow-Effekt ist im ersten Jahr bereits eingetreten - nicht nur wegen der auffälligen Architektur.


• Das Lob des Nati-Trainers 

Am 6. Februar fand in Langnau ein Länderspiel zwischen der Schweiz und Finnland statt. Es war das erste Länderspiel im Emmental seit 1989. «Langnau hatte dieses Spiel schon lange verdient. Wir sollten üfter hier spielen, die Stimmung war genial», lautete das Fazit von Nati-Trainer Patrick Fischer. Zwar war das Spiel nicht das attraktivste - die Schweiz unterlag 0:1 - dennoch hatte es für das Langnauer Publikum einiges zu bieten. So kam Dario Rohrbach - der eine überragende Saison spielte und mit 32 Punkten in der Qualifikation Topscorer der SCL Tigers war - zu seinem Debüt in der Nationalmannschaft. Mit Sandro Aeschlimann, Sven Jung sowie den Finnen Saku Mäenalanen und Hannes Björninen standen weitere Akteure mit Langnauer Bezug auf dem Eis.


• Der Chrampfer hört auf 

Die Saison 2024/25 war die letzte von Pascal Berger als Eishockeyprofi. 19 Jahre spielte er auf höchstem Niveau; erst für den SC Bern, dann für die SCL Tigers absolvierte er insgesamt 957 Spiele. Mitte Februar verkündete der langjährige Langnauer Captain seinen Rücktritt per Ende Saison. In den neun Jahren bei den SCL Tigers füllte Berger verschiedene Rollen aus und erlebte sowohl die schwierigen Saisons während der Corona-Pandemie wie auch die Jahre des Aufschwungs danach. Eines blieb immer gleich: Pascal Berger war ein Teamplayer, der auf und neben dem Eis für seine Mitspieler chrampfte. Mitspieler und Fans werden ihn vermissen - entsprechend wurde er nach seinem letzten Spiel ausgiebig gefeiert.


• Die Carreise durch die Romandie

An eine Episode der abgelaufenen Saison werden sich wohl weniger die Fans, dafür vielmehr die Spieler noch in Jahren erinnern: Am 21. Oktober war die Mannschaft auf dem Weg ans Auswärtsspiel in Genf. Auf halbem Weg erfuhr das Team, dass die Partie aufgrund von Problemen mit der Stromversorgung abgesagt worden war. «Wir dachten erst, das sei ein Witz», erzählte Bastian Guggenheim. War es nicht, der Car wendete bei der nächsten Autobahnausfahrt und fuhr zurück ins Emmental. Das Positive: Die Spieler hatten mehr Zeit zur Erholung und gewannen zwei Tage später das Derby gegen den SC Bern.


• Die Stimmung im Stadion

Die guten Leistungen der SCL Tigers spiegelten sich auch auf den Rängen wider: 5733 Zuschauerinnen und Zuschauer fanden in der Qualifikation im Schnitt den Weg in die Emmental Versicherung Arena. Das entspricht einer Stadionauslastung von 95,55 Prozent - Rang 4 in der Liga. Die Playoff-Heimspiele waren selbstredend ausverkauft - und die Mannschaft wurde von der lautstarken Unterstützung, denn eindrücklichen Choreos sowie von der immer grösser werdenden Euphorie getragen.


• Der wertvollste Spieler 

Mehr Anerkennung für eine überragende Leistung über mehrere Monate hinweg gibt es nicht: Die Headcoaches und Captains der National League-Teams wählten Stéphane Charlin zum MVP, zum wertvollsten Spieler der Saison 2024/25. Der 24-jährige Torhüter der SCL Tigers verblüffte mit einer selten gesehenen Konstanz auf höchstem Niveau. Bereits in der vierten Runde übernahm er in der Torhüterstatistik Platz 1 und gab diesen an den restlichen 48 Spieltagen nicht mehr ab. Mit einer Abwehrquote von 94,6 Prozent und durchschnittlich 1,80 Gegentoren in 34 Spielen war der Genfer eine Klasse für sich. Das Eishockeymagazin «Goalies World» aus Kanada pflegte die Abwehrquoten von Torhütern in fünf Kategorien einzuteilen. So wäre Charlin in 17 seiner 34 Spiele «Red Hot» (über 95 Prozent) und in weiteren zehn Partien immer noch «Hot» (90 bis 95 Prozent) gewesen. Keine Frage - Charlin wird in den nächsten Wochen auch für die Nationalmannschaft auf ihrem Weg zur WM «Red Hot» oder «Hot» bleiben.


• Die wertvolle Zusammenarbeit 

Die Saison 2024/25 war das erste Jahr der Partnerschaft zwischen den SCL Tigers und dem EHC Chur. Die Bündner erreichten im ersten Jahr nach dem Aufstieg in die Swiss League den guten 6. Rang. Dies auch dank der Hilfe junger Langnauer Talente, die in Chur Spielpraxis sammeln konnten. Die Zusammenarbeit wurde bereits im Dezember um eine weitere Saison verlängert und sei bis jetzt ein Erfolg, erklärt Pascal Müller, Leiter Sport der SCL Tigers: «Die Partnerschaft mit dem EHC Chur ist eine wertvolle und konstruktive Zusammenarbeit - eine echte Win-Win-Situation. Spieler wie Tim Mathys, Timo Jenni, Martin Neckar oder Darels Dukurs konnten in Chur wichtige Spielpraxis sammeln, während Jannik Canova vier Einsätze in der National League erhielt.» Auch die Trainer würden vom Austausch profitieren. «Besonders freuen wir uns auf die kommenden Projekte wie den gemeinsamen Kick-Off und das Goalie-Camp 2025», so Müller.


• Der höchste Sieg der Saison 

Im vierten Spiel der Saison, am 24. September, fegten die SCL Tigers den HC Davos gleich mit 7:0 vom Eis. Schon in der 4. Minute führten die Langnauer 2:0, Joel Salzgeber und Harri Pesonen sorgten innert zwölf Sekunden für den Doppelschlag. Ein denkwürdiges Heimspiel, das vielen Fans in Erinnerung bleibt. Eine Gala-Vorstellung und der höchste Sieg der Saison.


• Die Vorfreude auf die neue Saison 

Die Weichen für die neue Saison sind gestellt. Der Staff um Headcoach Thierry Paterlini, mit den Assistenten Steve Hirschi und Jukka Varmanen, Goaliecoach William Rahm sowie dem Athletikverantwortlichen Thaddäus Schnider bleibt zusammen. Unter ihnen hat sich das Team in den letzten drei Spielzeiten kontinuierlich weiterentwickelt und sich spielerisch wie statistisch verbessert. Das ist nicht zuletzt auch Pascal Müller zu verdanken, der den Kader verbreitert und verbessert hat. Auch für die kommende Saison steht der grässte Teil des Teams seit einer Weile:  Pascal Berger hört auf, Stéphane Charlin und Vili Saarijärvi verlassen die Tigers Richtung Genf, Brian Zanetti geht zurück zu Lugano, Darels Dukurs wechselt fix zu Chur. Beim Saisonschlussevent am Samstag wurden ausserdem Sean Malone, Michal Kristof und Claudio Cadonau verabschiedet - ihre Zukunft ist noch ungewiss. Jonas Schwab und Matthias Rossi verlassen die SCL Tigers definitiv. Neu auf den Ausländerpositionen zum Team stossen werden Hannes Björninen und Santtu Kinnunen. Mit Torhüter Robin Meyer wechselt der Swiss-League-Meistergoalie zu den Langnauern. Die SCL Tigers haben letzte Saison Rapperswil, Ambri, Biel, Servette, Lugano und Ajoie hinter sich gelassen. Ein grosser Erfolg - der alles andere als einfach zu wiederholen sein wird.

03.04.2025 :: Werner Haller (whz), Micha Strohl (msz)