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Die 7 christlichen Tugenden: Tapferkeit

Mit der Tapferkeit schliesse ich meinen Blick auf die sieben christlichen Tugenden ab und beende gleichzeitig auch meine Tätigkeit als Kolumnenschreiber. Die Begriffsgeschichte zur Tapferkeit ist eine relativ blutige. Schon in der Antike waren
die Zeiten geprägt durch kriegerische Auseinandersetzungen. Und darin verwickelt waren grösstenteils Männer. Deren Männlichkeit wurde daran gemessen, wie man(n) sich im Kampf zu bewähren wusste. Das so geprägte Verständnis von Tapferkeit hat denn auch seinen Niederschlag gefunden im ­griechischen Begriff «andreios», der auf Deutsch am ehesten mit «mannhaft» übersetzt werden kann. Manchmal ist es ein Vorteil, wenn sich die Zeiten ändern. Unterdessen darf sich Männlichkeit auch bei uns anders bewähren als einzig im Schützengraben. Gott sei's gedankt. Dass es die Tapferkeit in den klassischen, christlichen Tugendkatalog geschafft hat, ist denn auch weniger ihrem kriegerischen Hintergrund geschuldet, sondern der Fähigkeit, eine physische oder psychische Verwundung, Verletzung oder Kränkung hinnehmen zu können. So füllt man heute den Begriff der Tapferkeit, der häufig noch mit Mut ergänzt wird, insbesondere dann, wenn es nebst dem ertragen und erdulden können auch darum geht, eine Situation aktiv verändern zu wollen. Und damit nähern wir uns derjenigen Form von Tapferkeit an, welche beispielsweise für viele Frauen in den letzten Jahren und Jahrzehnten wichtig geworden ist. Und es noch immer ist. Speziell dann, wenn sie Mütter sind. Mann, Vater und Karriere ist immer noch die einfachere Kombination wie man Beruf und Familie verbinden kann. Zu lange wurden Frauen einzig darauf ein­geschworen, um den Status quo tapfer zu ertragen. Heute ist mehr Mut gefragt, gerade auch von den Männern. Was verändert werden kann, muss nicht ewig ausgehalten werden. Nur so wird aus der Tapferkeit eine begrüssenswerte Tugend.

06.02.2025 :: Matthias Zehnder