Hunde spielen in meinem Leben seit jeher eine wichtige Rolle. Bisher haben mich drei begleitet. Das waren Yoko, eine Schäferhündin aus dem Tierheim. Auf unseren langen Spaziergängen durch den Wald habe ich ihr als Training für mein Fürsprecherexamen mein ganzes juristische Wissen erklärt. Sie hätte das Staatsexamen wohl problemlos bestanden. Später dann folgte Baly, ein Wildhund, in den ich mich auf einer Expedition in der algerischen Sahara verliebt hatte. Er bestieg mit mir zusammen meinen ersten 4000er in den Schweizer Alpen. Mein heutiger vierbeiniger Freund ist Kibo, ein stolzer, schwarzer Königspudel. Kibo hat mir das Leben gerettet, deshalb gehört er mit auf mein Portraitfoto. Damit ist die Frage bezüglich dieses Fotos bereits geklärt! Das Zusammenleben mit meinen hündischen Gefährten hat mich viel gelehrt; insbesondere auch über mich selbst. Mein enger Bezug zu Hunden ist auch der Grund, weshalb sich das einzige finnische Wort, das ich kenne, fest in meinem Gedächtnis verankert hat: Ravistele! Mein finnischer Bekannter Jarno hat seinem Hund diesen Befehl aus rein praktischen Gründen beigebracht. Ravistele bedeutet nämlich: schüttle dich! Eine nützliche Aufforderung, wenn der Hund mal wieder von Kopf bis Fuss nass ist. Durchs Beobachten meiner Hunde habe ich aber etwas ganz anderes entdeckt. Gerät Kibo in Aufregung, beispielsweise wegen eines anderen Rüden, schüttelt er sich, sobald die kritische Situation überstanden ist: Er schüttelt seinen Stress weg. Dieses instinktive Schütteln zum Stressabbau habe ich bei vielen anderen Säugetieren ebenfalls beobachtet. «Könnte das auch etwas mit uns Menschen zu tun haben?», fragte ich mich. In einer Situation, die mich stresst, oder einem Konflikt, der mich verärgert, merke ich, wie sich mein ganzer Körper anspannt. Vielleicht war es eine wenig empathische Bemerkung oder eine Rücksichtslosigkeit im Alltag. Auch die aktuellen weltweiten politischen Strömungen und Tendenzen lösen bei mir Hilflosigkeit und damit Stress aus. Könnte hier «Ravistele» Hilfe zum Stressabbau sein? Bereits sanftere Bewegung wie Spazieren oder Tanzen entspannen mich jedenfalls, zaubern ein Lächeln auf mein Gesicht. Probieren wir es doch mal mit Schütteln! Die Probleme unserer Zeit, die Ungerechtigkeiten werden damit nicht gelöst. Aber mit einem befreiten Kopf und entspanntem Körper werde ich meine individuellen Möglichkeiten, meine persönliche Courage als Gegenmittel zur aktuellen Verrohung wieder besser wahrnehmen und umsetzen können.